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29.08.2003 - 

Beweisführung für Missbrauch wenig überzeugend

SCO verlegt sich aufs Zeilenzählen

MÜNCHEN (CW) - SCO behauptet inzwischen, dass Linux illegalerweise mehr als eine Million Zeilen urheberrechtlich geschützten Unix-Code enthalte. Doch die erste öffentliche Beweisführung fiel kümmerlich aus.

Auf der diesjährigen Anwenderkonferenz "Forum" in Las Vegas hat SCO den Vorwurf, in Linux finde sich aus Unix System V stammender Code, ausgeweitet. Das Unternehmen beanstandet inzwischen exakt 1144022 Zeilen Code aus 1549 Dateien in den Versionen 2.4 und 2.5 der Linux-Kernels. Das ist immerhin rund die Hälfte der neuen Programmierzeilen gegenüber der Kernel-Version 2.2.

Im Detail reklamiert SCO für sich 829292 Zeilen für symmetrisches Multiprocessing (davon allein 375000 Zeilen für Speicher-Management), 119300 beziehungsweise 32224 Zeilen aus den Dateisystemen XFS und JFS, 109688 Zeilen aus der Funktion Read Copy Update (RCU) sowie 56587 Zeilen aus der Storage-Technik Numa. Dies sei nur das bisher bekannte Ausmaß des Missbrauchs von urheberrechtlich geschütztem geistigen Eigentum. SCO beansprucht auch sämtliche Rechte an Betriebssystemcode, der auf der Basis von Unix entwickelt wurde ("derived work").

Mit der Inkriminierung von XFS hat SCO offenkundig neben IBM ein zweites Ziel ins Visier genommen. Dieses Dateisystem hatte SGI für das Unix-Derivat Iris entwickelt, davon allerdings wieder getrennt und auf Linux portiert. RCU sowie Numa kommen von Sequent und wurden als separate Erweiterung für dessen Unix-Version Dynix entwickelt, bevor IBM das Unternehmen übernahm und die beiden Techniken als Open Source freigab. Das größte Kuriosium in der SCO-Liste ist allerdings die Nennung von JFS. Das im Linux-Kernel implementierte Journaling File System hat rein gar nichts mit Unix zu tun, sondern wurde von IBM für das Betriebssystem OS/2 geschrieben und Jahre später auf Linux portiert.

Ein Codestück wird zum Beweis und wieder zum Codestück

Während der Konferenz gelangten zwei knappe Codestücke in die Öffentlichkeit, mit denen SCO Identitäten zwischen Unix und Linux belegen wollte. Zwei Tage brauchte der Open-Source-Evangelist Bruce Perens, um die Beweise zu zerpflücken. Ein Codeteil zeigte die Implementierung der Internet-Firewall "Berkeley Packet Filter" (BPF). Die Umsetzung stammt aus dem quelloffenen System BSD und wurde von SCO in das eigene Unix kopiert. Die Linux-Lösung ist eine Implementierung, die sich strikt an die Berkeley-Dokumentation hält, und eine "Clean-Room"-Entwicklung.

Das zweite SCO-Beispiel betrifft die Speicherzuordnung. Der unter AT&T-Copyright stehende Code wurde von den Unix-Vätern Dennis Ritchie und Ken Thompson geschrieben. Im Jahr 2000 hat ihn die SCO-Vorgängerin Caldera unter einer BSD-Lizenz zur freien Verfügung veröffentlicht. In den neuesten Linux-Kernel-Versionen ist er außerdem nicht mehr enthalten, weil er durch ein besseres Konzept ersetzt wurde. (ls)