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16.08.2007

SCO verliert den Krieg gegen Linux

Gericht entscheidet: Die Rechte an Unix gehören Novell. SCO stehen Millionen-Dollar-Forderungen ins Haus.

Der 10. August 2007 wird in die Geschichte von Linux eingehen. Denn an diesem Tag beendete Richter Dale Kimball vom Bezirksgericht Zentral-Utah den von SCO am 12. Mai 2003 eröffneten Krieg gegen das Open-Source-Betriebssystem. Er entschied, Novell gehörten die Urheberrechte an Unix. Diese Entscheidung trifft SCO auch in den Klagen gegen IBM, Sequent (inzwischen IBM) und Red Hat an der Achilles-Ferse. Vom Tisch ist damit SCOs Ansinnen, von Linux-Anwendern bis zu 700 Dollar Lizenzgebühr pro Server zu verlangen.

SCO hatte Novell auf Schadensersatz verklagt, als der Linux-Distributor erklärte, er habe 1995 beim Verkauf von Unix und Unixware an SCO keineswegs die Urheberrechte an den Betriebssystemen veräußert. Richter Kimball befand jetzt, SCO habe lediglich Vertriebs- und Entwicklungsrechte erworben; das geistige Eigentum an Unix stehe weiter-hin Novell zu. Kimball: "Novell ist der Besitzer der Urheberrechte an Unix und Unixware."

Daraus leitete Kimball des Weiteren ab, dass SCO kein Recht habe, IBM wegen Verletzung geistigen Eigentums zu verklagen. Vielmehr könne Novell die Unix-Company anweisen, das Verfahren einzustellen. Dem habe SCO Folge zu leisten. Die Prozessparteien müssen zu einem weiteren Verfahrenstermin am 31. August 2007 mitteilen, welche Konsequenzen dieses Urteil ihrer Ansicht nach für das Verfahren SCO gegen IBM hat.

Ferner könne Novell von SCO eine Nachzahlung auf sämtliche Unix-Lizenzeinnahmen verlangen, insbesondere auf mehrere Millionen Dollar, welche die Unix-Company gleich nach Eröffnung der Klage gegen IBM von Microsoft und Sun erhalten hat. Die Höhe der finanziellen Ansprüche soll in einem separaten Verfahren geklärt werden. Weil SCO seit der Klagewelle vor vier Jahren immer mehr Kunden verloren und gleichzeitig Millionen für die Verfahren aufgewendet hat, sind die einst üppigen Finanzreserven fast völlig erschöpft. Die Firma steht unmittelbar vor dem Bankrott.

Der mit seiner Strategie gegen Linux gescheiterte SCO-Chef Darl McBride dürfte nun zur Verantwortung gezogen werden. Von ihm gab es bis Redaktionsschluss kein Statement. Sein Unternehmen teilte lediglich mit, man sei von der Gerichtsentscheidung "enttäuscht". Der Richter habe im Übrigen entschieden, dass SCO Urheberrechte an den eigenen Weiterentwicklungen von Unix und Unixware habe, die seit dem Deal mit Novell von 1995 vorgenommen wurden. "Wir werden unsere Optionen analysieren." Manche Beobachter erwarten, dass SCO in die Revision gehen wird.

"Äußerst zufrieden mit dem Urteil" äußerte sich dagegen Joe LaSala, Chefjustiziar von Novell: "Die Entscheidung des Gerichts hat der SCO-Klage ihren Kern genommen. Das eliminiert SCOs Drohung gegen die Linux-Community, die auf Vorwürfe der Unix-Urheberrechtsverletzun-gen aufbaute."

Pamela Jones, die mit ihrer Website "Groklaw" das Verfahren über all die Jahre begleitet und mit der Veröffentlichung zahlloser prozessrelevanter Dokumente die SCO-Positionen immer wieder untergraben hat, dankte Novell und seiner Kanzlei. Die Standhaftigkeit habe großes finanzielles Engagement erfordert, was sich bezahlt gemacht habe. Sie wies darauf hin, dass mit dem Urteil das Verfahren nicht beendet ist, SCO aber im Kern abgewiesen wurde.

Die Linux-Community kann jetzt erleichtert aufatmen

Jim Zemlin, Direktor der Linux Foundation, interpretierte das Urteil in einem weiteren Sinne: "Es belegt, dass die Industrie die Linux-Plattform verteidigen wird, wenn einzelne Organisationen sie mit Rechtsmitteln angreifen." Die Linux-Community könne jetzt durchatmen und wieder unbeschwert arbeiten.

Das Urteil könnte für SCO weiteren Schaden nach sich ziehen, wenn Partner des Unternehmens die Betriebssysteme Unixware und OpenServer fallen lassen und sich Linux zuwenden. Auch Microsoft dürfte jetzt gewarnt sein, nicht mehr ohne konkrete Beweise zu behaupten, Linux und andere Open-Source-Produkte verletzten Patente und Urheberrechte.

Nicht absehbar ist, welche Folgen es hat, dass Sun im Einvernehmen mit SCO das Betriebssystem Open Solaris, zum Teil geisti-ges Eigentum von Novell, Open Source gestellt hat. (ls)