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20.10.1995

SCS optimiert die Arbeitsablaeufe Objektorientierte Umgebung hilft bei der Personalberatung

Immer noch gilt die Anwendungsentwicklung mit objektorientierten Methoden als Neuland. Dieses Vorurteil trifft nicht auf die bundesweit agierende SCS Personalberatung GmbH, Hamburg, zu. Uwe Tempelmann* berichtet, wie dort bereits seit 1991 objektorientierte Techniken zur Optimierung der Geschaeftsablaeufe eingesetzt werden.

Bereits seit Anfang 1993 setzt die bundesweit taetige SCS Personalberatung die objektorientierte Anwendungs- und Entwicklungsumgebung "Nextstep" fuer die Buerokommunikation und den Informationsaustausch zwischen ihren einzelnen Niederlassungen ein. Damit sinkt der Zeitaufwand fuer die Projektarbeit. Ausschlaggebend fuer die Wahl der objektorientierten Technologie war die Moeglichkeit, ein komplexes Personalberatungssystem zu entwickeln, auf das alle Niederlassungen Zugriff haben.

Der Kostendruck in der DV - sowohl auf seiten der Benutzer als auch bei den Softwareherstellern - zwingt zum Umdenken bei der Anwendungsprogrammierung. Zwar wird bisher in der Mehrzahl der Faelle noch prozedural programmiert, aber besonders Unternehmen, die sich mittels intelligenter Softwareloesungen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollen, gehen dazu ueber, objektorientierte Technologien einzusetzen.

Zu diesen Unternehmen zaehlt auch die SCS Personalberatung. Deren Hauptarbeitsfeld ist die Beratung von Unternehmen bei der Suche und Auswahl von Fuehrungs- und hochqualifizierten Fachkraeften. Die Personalsuche erfolgt in fuenf Schritten:

- Zunaechst wird gemeinsam mit dem Kunden das Stellenprofil erarbeitet.

- Es folgt eine Marktrecherche, um den Kreis der geeigneten Mitarbeiter moeglichst exakt einzugrenzen.

- In der dritten Phase wird ein intensiver Dialog mit den Kandidaten gefuehrt.

- Danach folgt die Entscheidung fuer einen Bewerber.

- Als fuenften Schritt sieht SCS eine Integrationsberatung zur Eingliederung der neuen Mitarbeiter vor.

Diese Vorgehensweise hat zu einem Personalberatungssystem gefuehrt, das ueber 72000 Firmeneintraege und 120000 Personendaten enthaelt. 30000 Personen wurden bereits mit Lebenslaeufen und Interview- Informationen erfasst. Ferner wertet das Unternehmen Woche fuer Woche die Inserate in 28 Tageszeitungen aus, um den Stellenmarktindex fuer das "Handelsblatt" zu erarbeiten. Zum wichtigsten Handwerkszeug der Personalberater zaehlt dabei die Datenbank, deren Firmeneintraege mit den dazugehoerigen Ansprechpartnern staendig aktualisiert werden muessen.

Bis 1991 wurden die einzelnen Projekte bei SCS noch ohne Computer bearbeitet. Dem Informationsaustausch unter den Mitarbeitern und zwischen den einzelnen Niederlassungen waren daher enge Grenzen gesetzt. Hauptziel bei der Einfuehrung des DV-Systems war die Reduzierung zeitaufwendiger Arbeitsablaeufe bei der Datenerfassung und Aktualisierung. Ferner sollten die Bueros miteinander vernetzt und die Kerndaten in allen Bueros auf dem gleichen Stand gehalten werden koennen. Daneben sollten die Daten zum aktuellen Stellenmarkt grafisch anspruchsvoll dargestellt und automatisch Bewerbungsschreiben beantwortet sowie die Daten des Absenders in die Datenbank aufgenommen werden koennen.

Die Entscheidung zugunsten von Nextstep fiel damals vor allem, weil sich damit die Anforderungen schnell erfuellen liessen. So konnte drei Monate nach Auftragsvergabe ein Prototyp des Personalberatungssystems auf dem Server in Hamburg installiert werden. Weitere drei Monate spaeter war das Programm fertig.

Das Kernstueck der Anlage bildet ein Next-Cube, der ueber 3 GB Plattenkapazitaet und 64 MB Hauptspeicher verfuegt. Zusaetzlich ist ein Streamer mit 2 GB Kapazitaet fuer die naechtliche Backup-Routine und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung installiert. Dieser Rechner ist der sogenannte Master-Server. Er fungiert als Datei- und Datenbank-Server.

Inzwischen befinden sich zwoelf weitere Arbeitsplatzrechner (Clients) im Hamburger Buero, die ueber Ethernet miteinander verbunden sind. Die Niederlassungen sind mit je sechs Workstations und einem Server ausgestattet, die ueber Ethernet vernetzt sind. Die Kommunikation der lokalen Netze untereinander funktioniert ueber ISDN und TCP/IP. Um die Uebertragungskosten moeglichst gering zu halten, wurden in Hamburg ein Router und in den anderen Niederlassungen Bridges installiert, die den Datenabgleich regeln.

Nach der Uebernahme der aktualisierten Daten werden die lokalen Datenbanken auf den Stand der Master-Datenbank in Hamburg gebracht. Fuer den Datenabgleich stehen zwei Alternativen zur Verfuegung. Dabei spielen die Anzahl der taeglichen Aenderungen, Transferraten ueber ISDN, Kosten der Datenuebertragung und die monatlichen Betriebskosten eine Rolle.

Modell eins sieht einen einmal taeglich durchzufuehrenden Datenabgleich vor. Dabei kann es jedoch vorkommen, dass Datensaetze mit gleichen Schluesselwerten von verschiedenen Standorten aus eingetragen oder dass Aenderungen an ein und demselben Datensatz von mehreren Seiten vorgenommen wurden.

Solche Kollisionen lassen sich nur durch manuelle Bearbeitung sinnvoll aufloesen. Um bei Rueckfragen die Aufgabe des Systemverwalters zu erleichtern, ist es moeglich, zu jedem doppelten Eintrag den Ursprungsort und den Benutzer aufzulisten. Die betreffenden Daten sind dann voruebergehend gesperrt. Der Vorteil dieser Variante des Datenabgleichs liegt in der freien Terminwahl des Datenaustauschs. So kann der guenstigste Tarif der Telekom gewaehlt werden.

Bei Modell zwei erfolgt der Datenabgleich sofort bei Aenderung beziehungsweise bei Neuanlage eines Datensatzes. Sobald der Benutzer seinen Datensatz speichern moechte, wird der Master-Server in Hamburg angerufen. Dieser ueberprueft den einzufuegenden Datensatz und uebernimmt ihn in die bestehende Datenbank. Dabei wird die Datenbank des anrufenden Client-Netzes sofort aktualisiert, waehrend fuer die anderen Client-Netzwerke der Datensatz auf einem Stack innerhalb der Master-Datenbank abgelegt wird.

Das Grundkonzept des Personalberatungssystems besteht darin, dass die gesamte datenmaessige Bearbeitung von Personen, Kunden und Projekten inklusive des anfallenden Schriftverkehrs ausschliesslich am Rechner erfolgt. Die Daten werden in einer zentralen Datenbank gespeichert, auf die nur die jeweils autorisierten Benutzer nach einer vorgeschalteten Login-Prozedur Zugriff haben.

Objekte bilden SQL-Relationen ab

Das Personalberatungssystem setzt auf der relationalen Datenbank "SQL-Server" von Sybase auf. Zum Aufbau der Grundstruktur wurden zunaechst einzelne Objekte wie Person, Adresse, Titel, Studium etc. programmiert. Anschliessend wurden die Relationen unter den Objekten anhand eines vorher angefertigten Diagramms abgebildet.

Fuer einen Teil dieser Objekte bietet die Next-Anwendungsumgebung in ihrer Klassenbibliothek bereits fertige Objektentwuerfe, die teilweise nur den individuellen Vorgaben angepasst werden muessen, so dass bei SCS die Struktur des Programms nicht von Grund auf neu zu erarbeiten war. Weitere Objekte konnte das Hamburger Systemhaus D'Art Software GmbH, das mit der Programmierung des Personalberatungssystems von SCS beauftragt worden war, aus frueheren Projekten einbringen.

Fuer den Benutzer werden die Objekte, auf die er haeufiger zugreifen muss (Personen, Kunden, Firmen, Projekte etc.), in den verschiedenen Masken als "Icons" dargestellt. Die Stammdaten dieser Objekte werden in Listen gefuehrt, die jeder Benutzer nach individuellen Kriterien sortieren kann.

Um Verbindungen zwischen Personen und Firmen oder Projekten herzustellen, wird das Feld, in dem der Name der gewuenschten Person eingetragen ist, einfach auf die Firmen- oder Projektmaske gezogen. Die Person ist dann automatisch dort eingetragen und wird zum Beispiel als Mitarbeiter einer bestimmten Abteilung gefuehrt.

Einfache Bedienung erhoeht die Akzeptanz

Um die Anwendung uebersichtlich zu halten, erscheint beim Aufruf des Personalberatungssystems zunaechst nur eine kleine Maske mit den wichtigsten Stammdaten. Diese weitet sich durch Anklicken des Button-Feldes zu einem Fenster, das alle Informationen enthaelt. In dieser ausfuehrlichen Maske lassen sich in einer Ablage auch beliebige Dokumente unterbringen. Diese werden als Icons angezeigt, die per Doppelklick zu oeffnen sind.

Die "Objects-Link"-Funktion des Betriebssystems bietet darueber hinaus die Grundlage fuer den aktiven Dokumentenaustausch. Sie erweitert den Paste-Mechanismus, mit dem beliebig strukturierte Daten formaterhaltend ueber Pufferspeicher ausgetauscht werden koennen. Anwendungen koennen sich dadurch wie bei Microsofts OLE- Technik dynamische Daten teilen, also solche Daten, die in Veraenderung begriffen sind. Das Ergebnis sind sogenannte "lebende Dokumente". Im konkreten Beispiel kann dies ein Textdokument sein, das eine Tabelle enthaelt, deren Werte aus einer Datenbank abgefragt werden und deren Inhalt sich im Lauf der Zeit veraendert.

Zu den Funktionen des Personalberatungssystems zaehlt ferner der Suchmechanismus. Ueber ihn koennen alle Objekte wie Schulbildung, Sprachkenntnisse, bisherige Fuehrungspositionen etc. abgefragt werden. Dabei lassen sich alle Suchkriterien beliebig kombinieren.

Fuer den Fall, dass die vorgegebenen Suchkriterien nicht ausreichen, gibt es zusaetzlich die Moeglichkeit der Expertensuche. Dafuer wurde ein Freitextfeld eingerichtet, in das SQL-Anweisungen eingegeben werden koennen.

Zur Aktivierung des SQL-Abfragefensters muss zunaechst der Button "Experte" angeklickt werden. Danach erscheint das Freitextfeld am unteren Rand der Personenliste sowie ein Kriterium-Symbol und ein Suchknopf, mit dem die Expertensuche ausgeloest wird. In das Freitextfeld koennen die bisherigen Einstellungen durch Ziehen der oberen Kriterium-Symbole in SQL-Code umgesetzt und anschliessend weiter veraendert werden. Bei syntaktisch inkorrekten SQL- Anweisungen erscheint eine Fehlermeldung.

Fuer jeden Mitarbeiter wird automatisch eine Terminliste gefuehrt. Sie enthaelt alle Zeitvorgaben, die ihm im Projekt gesetzt sind. Ferner besteht die Moeglichkeit, Termine einzufuegen, abzuaendern oder zu loeschen.

Rund 90 Prozent der fuer das Personalberatungssystem erstellten Objekte koennen bei kuenftigen Entwicklungen erneut genutzt werden. Bereits bei der Programmierung dieses Systems konnten Objekte wie Textfeld, Person oder Adresse mehrfach verwendet werden.

Dieser Zeitvorteil bei der Programmierung bedeutet auch dann kurze Reaktionszeiten, wenn in Zukunft neue Objekte kreiert werden sollten. Als wir die Applikationen fuer die Datenerfassung und Datenaufbereitung zum Erstellen des SCS-Stellenmarktindexes entwickelten, konnten wir zudem problemlos auf bereits bestehende Objekte zurueckgreifen", erklaert Diplomkaufmann Detlef Sauer, der dieses Projekt der SCS federfuehrend betreute. Aufgrund der einfachen Struktur der durchgaengig objektorientierten Software bedarf es bei Programmaenderungen nur eines minimalen Aufwands.

Einen positiven Nebeneffekt des Programms sieht Manfred Schulze, Vorsitzender Geschaeftsfuehrer der SCS Personalberatung, in der gesteigerten Motivation seiner Mitarbeiter: "Die Entscheidung fuer Nexstep ist zwar primaer aufgrund der Loesung gefallen, aber das Arbeiten mit der intuitiv zu bedienenden Benutzeroberflaeche und den Tools, die das System bietet, macht zudem noch sichtlich Spass."

Die SCS-Personalberatung

SCS Personalberatung gehoert als rechtlich eigenstaendige GmbH zum Debis Systemhaus. Das 1979 gegruendete Unternehmen beschaeftigt derzeit 30 Mitarbeiter in fuenf Niederlassungen. Der Hauptsitz befindet sich in Hamburg, die Aussenstellen sind in Duesseldorf, Frankfurt am Main, Leinfelden bei Stuttgart und in Muenchen. In Deutschland ist SCS unter anderem wegen des von ihr fuer das Handelsblatt erstellten Stellenmarktindexes bekannt.

* Uwe Tempelmann ist Mitarbeiter Muenchner Presseagentur Page GmbH.