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14.06.1985 - 

Umfangreiche Wunschliste von IBM-Benutzergruppe erarbeitet:

SEAS fordert länderübergreifende Zeichensätze

VELDHOVEN (CW) - Eine befriedigendere Situation im Ankündigungsbereich der IBM forderten die Teilnehmer der SEAS-Frühjahrskonferenz im niederländischen Veldhoven. Auf der Tagesordnung stand neben Workshops und aktuellen Themen aber auch insbesondere das Ärgernis unvereinbarer nationaler Zeichensätze. Michael Hebgen, Deutschland-Korrespondent der USER-Gruppe, berichtet über die Tagung.

Seit Beginn der Datenverarbeitung stellte man sich die Benutzung von Computern innerhalb der Grenzen einer einzelnen Sprache vor - Englisch mit seinem lateinischen Alphabet. In der Tat war es meistens ein nachträglicher Einfall, daß die großen amerikanischen Computerhersteller das Symbol für das englische Pfund Sterling (£) als spezielles Zeichen auf ihren Ein-/Ausgabegeräten anboten - ganz zu schweigen von nicht-englischen Zeichen.

Der Zuwachs in den vergangenen Jahren an Programmierung durch die Endbenutzer, an Textverarbeitung und an Mikros, der allen Benutzern eines Computers die Unzulänglichkeit von Zeichensätzen bei Ein-/ Ausgabegeräten und Programmpaketen vor Augen führte, hat das Problem mit den nationalen Zeichen in andere Dimensionen gebracht.

Bereits zu Beginn des Jahres 1980 legte das SEAS Executive Board der IBM Europe ein Papier über diese Problematik der IBM Europa vor und definierte es als eines der Gebiete von hoher Wichtigkeit und Interesse. Dieses Papier hob die Tatsache hervor, daß die überwiegende Mehrheit von SEAS-Mitgliederländern weniger Gegenwert für ihr Geld bekommt als englischsprechende Länder. IBM antwortete positiv, und eine SEAS-IBM-Task-Force wurde gegründet, um das Problem in europäischer Sprachweise zu definieren.

Verzögerungen in der Arbeit dieser Gruppe - hauptsächlich bedingt durch die "Mobilität" der SEAS-Mitglieder - sind überstanden. Ein sogenanntes "Weises Papier", das in Kürze der IBM Europa vorgelegt werden wird, wurde auf der SEAS-Frühjahrstagung 1985 in den letzten Passagen vorbereitet.

Die Schwierigkeiten kommen von der Notwendigkeit, nationale Zeichen und Symbole, die nichts mit dem lateinischen Alphabet zu tun haben, ein- und ausgeben zu können. Für die meisten Länder unter dem SEAS-"Regenschirm" beiden genau diese Zeichen zusammen mit dem lateinischen Alphabet den Zeichensatz ihrer nationalen Sprache.

Während die Ein- und Ausgabe solcher Zeichen eine Frage der Hardware ist, hängt das Problem der nationalen Sprachen von der Software ab. Es ist allgemein anerkannt, daß Programme fähig sein müssen, sich mit ihrem Benutzer in der Sprache seiner Wahl unterhalten zu können. Doch nicht nur die Konversation in der nationalen Sprache, das heißt Ein- und Ausgabe von Texten, ist notwendig, sondern auch die Verarbeitung wie zum Beispiel Umwandlung von Klein- in Großbuchstaben oder Sortierung. Die Übersetzung von einem Kleinbuchstaben "ß" in zwei Großbuchstaben "SS" oder die Einsortierung von "ä" zwischen "a" und "b" unter Berücksichtigung verschiedener Sortierregeln sind sicher eine nicht triviale Aufgabe.

Das "Weise Papier" wird zu den allgemeinen Charakteristika einer Lösung einige Anregungen bringen. So dürfen keine zusätzlichen Kosten für Produkte in nationaler Ausführung entstehen und Lösungen müssen so gestaltet sein, daß sie langsam und evolutionär bei den Benutzern eingeführt werden können. SEAS wird vermutlich eine globale Lösung fordern, die man etwa eine "Architektur für nationale Sprachen" nennen kann.

Während der SEAS-Tagung gab Jerry Anderson von IBM in Kingston einen Ausblick auf einige derzeit von IBM untersuchte Möglichkeiten.

Zunächst beschrieb er die Anstrengungen, dieses Problem erst einmal den amerikanisch sprechenden Personen klarzumachen. Als Beispiel gab er an, daß von den 94 Zeichen, die er über die Tastatur seines IBM-3278-Bildschirms eingab, vier unterschiedlich zu den Tastensymbolen auf dem Bildschirm dargestellt wurden; bei der Ausgabe auf einen IBM-6670-Laserdrucker betrug der Unterschied dann zwölf Zeichen.

Von den 94 Zeichen einer Tastatur sind 81 allgemeingültig; 13 variieren je nach Nationalität. Diese für DV-Produkte gültigen Zeichensätze sind vollkommen unterschiedlich zu der in der Textverarbeitung benutzten MLP (multiple language page = mehrfacher Sprachzeichensatz) und zum IBM PC, der wieder seinen eigenen Zeichensatz hat. Außerdem ist der EBCDI-Code von IBM weder ein nationaler noch ein internationaler Standard. Internationale Standards sind für 7-Bit-Codes "ISO 646" (= ASCII oder DIN) und für 8-Bit-Codes "ISO 6937" (Teletex, Videotext,... ) beziehungsweise "ISO DIS 8859" (ECMA, ANSI).

Sprachflexibilität schlägt langsam durch

Nach dieser eher entmutigenden Beschreibung der Problematik beschrieb Anderson eine Lösungsmöglichkeit an einem Ende des Spektrums, die eine Veränderung in der Zeichencodierung von ein Byte auf zwei Bytes erfordert. Dies kann nur mit neuen Programmen und Paketen eingeführt werden, wäre aber unmöglich unter Berücksichtigung der Vielzahl bereits existierender Programme. Eine praktikable Variante davon wäre, zuerst die existierenden Mehrfachzeichensätze als einen

Zwischenschritt zu ländererweiterten Zeichensätzen zu ändern. Mit dieser Harmonisierung der auf dem lateinischen Alphabet basierenden Sprachen wäre auch eine eindeutige Zuordnung oder Übersetzung mit internationalen 8-Bit-Standards denkbar.

Es ist noch ein langer Weg dahin zu beschreiten, aber während der Tagung hatte man das Gefühl, daß IBM ähnlich positiv auf vorgeschlagene Lösungswege reagieren wird, wie sie es auch bei der Beschreibung des Problems getan hat. Einige Schritte in dieser Richtung wurden ja bereits unternommen - ein "IBM National Language Centre" wurde in Toronto gegründet. Eine Zunahme in der Sprachflexibilität beginnt langsam in einigen sogenannten IBM-Endbenutzer-Produkten sichtbar zu werden.

Das Abgeben und weitere Verfolgen und Kontrollieren von Resolutionen, denen innerhalb von SEAS-Projekten zugestimmt wurde und durch die IBM formell auf die Natur von Problemen oder die Notwendigkeit für eine Verbesserung eines IBM-Produktes oder -Services aufmerksam gemacht wird, ist eine der Hauptaktivitäten bei SEAS (siehe Kasten).

Diese Resolutionen, die als "Requirements" bezeichnet werden, werden in einer Datenbank auf dem neuesten Stand gehalten. Informationen darüber sind anderen IBM-Benutzergruppen zugänglich.

Das Informationszentrum (IC) war das Thema eines speziellen Workshops während der Tagung. Die Hauptpunkte waren eingeteilt in Fragen des Managements und der Planung und in Informationen über spezifische Produkte für Informationszentren.

Aufgrund des Erfolges dieses Workshops wurde ein SEAS-Projekt gegründet, welches das Interesse an einer große Palette von IBM und anderen Produkten im Bereich der Unterstützung von "End-Benutzern" widerspiegelt und gleichzeitig den Austausch der verschiedenen Gesichtspunkte zwischen den SEAS-Mitgliedern ermöglicht, wie man am besten die Bedürfnisse der Benutzer erfüllen kann.

Ein praktisches Beispiel für die Beteiligung von Benutzergruppen in der Verbesserung und Erweiterung von Produkten gab Volker Hartmann von der GSI in Darmstadt, als er eine erweiterte Funktion für das dynamische Laden von Programm-Modulen in einer PL/1-Umgebung vorstellte. Diese in PL/1 und Assembler geschriebenen Routinen bieten über das standardmäßige "PL/1 FETCH" hinausgehende Zusätze, den direkten Zugriff zu residenten Informationen von geholten (fetched) Prozeduren, den Aufruf von geholten Einträgen (fetched entries) von geholten Prozeduren und die dynamische Allokation von Bibliotheken, aus denen Prozeduren geholt werden können (fetched libraries).

Hartmann verwies darauf, daß diese Erweiterungen nachweislich von immensem Wert seien in der Entwicklung und Wartung von großen Programmsystemen.

Diese PL/ 1 -Erweiterungen wurden jetzt an IBM weitergegeben, mit der Hoffnung, daß sie in den Standard-PL/1-Sprachumfang aufgenommen werden.

Die SEAS-Mitglieder waren sehr wachsam in bezug auf Konflikte, die von der möglichen Duplizität von Namen herrühren, die zu der Verbindung von Netzwerk-Management-Programmen jedes verbundenen SNA-Netzes benutzt werden.

Um einen solchen Konflikt zu vermeiden - und dem Netzwerk-Management zu ermöglichen, eindeutige Identifizierer zu ermitteln -, wurde eine temporäres Register durch SEAS eröffnet, das für alle SNA-Benutzer offen ist. Dieses Register übernimmt Netzwerk- und SSCP-Namen und wird so lange betrieben, bis ein geeignetes internationales Register für alle interessierten SNA-Benutzer verfügbar ist. SEAS bittet alle IBM-Benutzergruppen um Mitarbeit bei der Erstellung eines formalen Registers und eines geeigneten Mechanismus zur Registrierung.

Eine große Anzahl von Mitgliedern nahm an dem Programm von Demonstrationen und Präsentationen über den 3270-PC teil, das von Miller Grant, IBM Hursley, abgehalten wurde.

In beiden Bereichen - sowohl PC als auch Grafik - hat sich seit den letzten SEAS-Tagungen ein exponentieller Zuwachs gezeigt und die Diskussion nach den Präsentationen der aktuellen Versionen von GDDM, GKS und Grafik-Datenbanken ergab nicht weniger als 19 Resolutionen für Verbesserungen und Erweiterungen von Grafikprodukten, die an IBM weitergeleitet wurden.

Auch wurde dauernd die Besorgnis wiederholt über das Fehlen eines "Standards" in den weltweiten Ankündigungen von IBM-Produkten. Es wurde zum Teil als recht ärgerlich bezeichnet, daß Europa in dieser Beziehung weit hinter den USA zurückbleibt. Dieses Problem ist auch für die EG von Interesse. Das SEAS-Board wurde gebeten, weitere Diskussionen mit IBM darüber zu führen, um eine befriedigendere Situation im Bereich der Ankündigungen herzustellen.

Während der Frühjahrstagung wurde den Mitgliedern mitgeteilt, daß zur Zeit 380 Resolutionen in der Datenbank enthalten sind, wovon 102 im Jahre 1984 eingegeben wurden. Die dabei angesprochenen Produkte variieren zwischen verschiedenen Bereichen - der Systemsoftware über Sprachen bis zu Hochleistungsrechnerproblemen. Von den 380 Resolutionen sind derzeit

- 124 entweder als Produkt verfügbar, zur Implementierung angenommen oder in anderer Weise positiv beantwortet;

- 66 mit "Future Objective" beantwortet, das heißt, daß sie in einer zukünftigen Version berücksichtigt werden;

- 99 mit "Long Range Consideration" bezeichnet, das heißt, daß sie nicht unbedingt in einer der nächsten Versionen, aber eventuell in einer neuen Auflage des Produkts oder in einem anderen neuen Produkt berücksichtigt werden;

- 16 werden noch von IBM untersucht;

- 29 wurden abgewiesen aus verschiedenen Gründen, und

- 46 bedürfen noch einer Antwort von IBM.

Zusammenfassend sind also mehr als 75 Prozent aller Resolutionen mit unterschiedlichen Antworten positiv von IBM beantwortet worden.

Der Status einer Resolution, ausgedrückt in SEAS-Prioritäten, geht von "unbedingt" bis zu "schön zu haben". Eine Untersuchung der Resolution mit der Antwort "Long Range Consideration" ergab, daß die Mehrzahl in den Kategorien "nützlich" und "schön zu haben" lag. SEAS will weiterhin und wiederholt auf die Resolutionen achten, die in der Kategorie "unbedingt" liegen und als Langzeitüberlegung beantwortet wurden, um zu sehen, ob einzelne Fälle von IBM unterbewertet oder von SEAS-Projekten überbewertet wurden.