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08.07.1983 - 

Frühjahrstagung der Share European Association:

SEAS nimmt sich verstärkt der Mikros an

NOORDWIJKERHOUT - Im Mittelpunkt der diesjährigen Frühjahrstagung der Share European Association (SEAS) standen nicht die traditionellen Themen aus dem Großrechnerbereich, sondern Personal Computer und Workstations. Dr. Hagen Hultzsch, Leiter des Rechenzentrums der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt, war auf der SEAS-Tagung und faßt im nachfolgenden Beitrag für die COMPUTERWOCHE die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Das Treffen im Leeuwenhorst-Kongress-Zentrum wurde von über 360 Teilnehmern aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika besucht. Zum Auftakt beschrieb Professor Bauknecht von der Universität Zürich die Bedeutung und den Einfluß des Personal Computers und der Workstation auf die gegenwärtige Entwicklung in der DV-Industrie. Ergebnis der nachfolgenden Vorträge und Gespräche in überfüllten Sälen war die Gründung eines neuen SEAS-Projektes "Integrating Personal Computing".

Ob der Personal Computer als Medium zur Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten vor Ort betrachtet werden kann oder ob er wegen seiner Integrationsproblematik zu einer erheblichen Belastung der klassischen Rechenzentren wird, war eines der am häufigsten diskutierten Themen. Deshalb sind die ersten Zielsetzungen des neuen Projektes auch der Standardisierung des Datenaustausches, der Entwicklung von Auswahlkriterien für Personal Computer sowie der Entwicklung von sozioökonomischen Analysen gewidmet, die insbesondere auch in Anforderungen (Requirements) an den Maschinenhersteller IBM resultieren werden.

DV-Dienstleistungen werden immer wichtiger

Wie bei allen bisherigen SEAS-Projekten werden direkte Verbindungen zwischen dem neuen Projekt und den Entwicklungslabors von IBM eingerichtet, und es wird erwartet, daß gerade dieses Projekt in besonders vielfältiger Weise sowohl die für die Entwicklung der Personal Computer als auch die für die Großrechner zuständigen Labors beeinflussen wird. Während der Jahrestagung in Oxford (England) Ende September 1983 wird die angesprochene Thematik ein besonders breites Feld einnehmen.

B. S. Goldberg, Vizepräsident der IBM in Paris, erläuterte die gewaltigen Veränderungen, die der Personal Computer auf die DV-Industrie insgesamt und das tägliche Leben des Individuums haben wird.

Daß der PC neben den Arbeitsmöglichkeiten auch den Spieltrieb des Menschen fördert und damit als Medium betrachtet werden kann, das den nicht DV-ausgebildeten Menschen an die Informationsverarbeitung heranführt, wird von Goldberg als bedeutender gesellschaftspolitischer Aspekt betrachtet.

Schließt man die zukünftig verfügbaren Techniken des berührungsempfindlichen Bildschirms, der Spracherfassung, Farbe, Sprachausgabe und grafischen Wiedergabe einschließlich Videodisks - in der Qualität besser als vom Fernsehen gewohnt - ein, so ergeben sich gewaltige Ausblicke für den Personal Computer.

D.Eyeions, Generaldirektor von der Computing Services Association in England, umriß vor einer interessierten Zuhörerschaft die Herausforderung der nächsten Jahre an die DV- Dienstleistungsunternehmen. Der Vortrag, der die Notwendigkeit für Computerdienstleistungen in unserer Marktstruktur in den Vordergrund stellte, zeigte den gewaltigen Einfluß des Mikrocomputers auf die gesamte DV-Welt. Aufgrund niedriger Produktionskosten durch große Stückzahlen liefert der Mikrocomputer kosteneffiziente. Lösungen für einfache mathematische Berechnungen, die gegenwärtig meist vom großrechnerorientierten Timesharing-Service abgerufen werden. Mit der Verschiebung der Computerdienstleistungen in den neuen Bereich des intelligenten Terminals und der dazugehörigen Softwareprodukte eröffnet sich eine erhebliche Verlagerung des Marktgeschehens, auf das es sich rechtzeitig einzustellen gilt.

Die klassischen Rechnerhersteller werden zunehmend in den Dienstleistungsbereich eindringen müssen. IBM, CDC und andere engagieren sich bereits heute, zum Teil durch Ankauf von Dienstleistungsunternehmen, zunehmend in diesem Gebiet. Paradoxerweise sind die Dienstleistungsunternehmen, die zu den größten Kunden der Hersteller gehören, gleichzeitig deren härteste Konkurrenten beim Vermarkten von Software, Ausbildung und schlüsselfertigen Lösungen. Daß die Serviceindustrie über die längeren Erfahrungen insbesondere bei der Betreuung der Kunden verfügt, wirkt sich naturgemäß auf ihre Leistungsfähigkeit aus. Trotzdem verspüren besonders die kleinen Unternehmen, die nicht über leistungsfähige Vermarktungsstrukturen verfügen, den durch diese Veränderung zunehmenden Druck. Doch die Zahlen zeigen das gewaltige Potential dieses Feldes. Software wird in Europa bereits zu über 40 Prozent durch Dienstleistungsunternehmen vermarktet, während schlüsselfertige. Systeme im europäischen Markt im vergangenen Jahr eine Zuwachsrate von 14 Prozent aufwiesen. Die Jahresumsätze der europäischen Serviceunternehmen liegen mit zirka 20 Milliarden Mark noch in den Anfängen.

Daneben steht die Ausweitung des Dienstleistungsgeschäftes über die Grenzen der europäischen Staaten hinweg erst noch bevor, sobald die Kosten für die Telekommunikation auf internationaler Basis reduziert werden. Gegenwärtig stellen die hohen Übertragungskosten über die Grenzen hinweg eine Art von Barriere dar, die den freien Informationsund Datenfluß einschränkt. Softwareprodukte dagegen überbrücken diese Barrieren gegenwärtig einfach deshalb, weil es keine Import- beziehungsweise Exportrestriktionen für dieses Medium gibt.

Daß Europa die japanische Herausforderung bei den Entwicklungen zur fünften Computergeneration gemeinsam aufnimmt, wird durch die Gründung des Strategic Project for Research and Information Technology (ESPRIT) deutlich, das gegenwärtig mit zirka

100 Millionen Mark ausgestattet ist, um gemeinsame multinationale Projekte in den Gebieten "Künstliche Intelligenz" sowie "Expertensysteme" zu fördern. Nach Aussagen von Herrn Dr. Eyions sollte Europa dennoch schneller und selbstbewußter auf die Forschritte der japanischen und amerikanischen Entwicklungen in diesen Gebieten reagieren. In engem Zusammenhang damit stehen die europäischen Vereinbarungen zum Datenschutz, die gegenwärtig kurz vor ihrem Abschluß stehen, sowie die Übereinkünfte über Standardisierung von Schnittstellen und Übertragungsprotokollen und über den Schutz von Software.

Dr. William Spaak aus Los Alamos, USA, machte seine Zuhörerschaft mit den Strukturen des größten wissenschaftlich-technischen Rechenzentrums der Welt vertraut, als er die Anlagen beschrieb, die im Forschungszentrum von Lanl in New Mexico eingesetzt werden. Mit etwa 3500 Benutzern vor Ort und weiteren 1000 Anwendern aus den USA insgesamt verfügt das integrierte Rechnernetz insgesamt über die Kapazität von etwa 100 Rechnern der Leistungsklasse CDC 6600. Dabei werden neben fünf Großrechnern vom Typ Cray 1 mehrere Anlagen von Control Data und, IBM mit einem Netz von Rechnern der Typen VAX und PDP verbunden.

Die insgesamt verfügbare Speicherkapazität im Direktzugriff beträgt 2,7 x 10 12 Bits mit zusätzlichen Speichermöglichkeiten auf externen Datenträgern. Ein zentrales Datenzugriffssystem kontrolliert und überwacht die Speicherung und den Zugriff auf die Dateien sowie den Informationsfluß und den Datenaustausch mit einem breiten Spektrum von Workstations und Terminals.

VS Fortran Release 3 vorgestellt

Die Rechenanlagen werden automatisch nach "classified", "secure" "sensitive" oder "open" eingruppiert; die Systeme stehen rund um die Uhr zur Verfügung mit einer extrem hohen Gesamtverfügbarkeit und nahezu kontinuierlicher Auslastung. Zusätzliche Rechner im Supercomputerbereich mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 MFlops werden dringend benötigt und erwartet. Die Verfügbarkeit von leistungsfähigen Minirechnern hat dagegen bisher keinerlei Einfluß auf die Entwicklungen und die Anforderung an die zentralen Rechenanlagen gezeigt, obwohl auf dem Gelände von Los Alamos etwa 50 Rechenanlagen vom Typ VAX verfügbar sind. Die Anforderung der jüngsten Vergangenheit zur Beschaffung von Arbeitsplatzrechnern führte zu einer Marktübersicht mit dem Ergebnis der Auswal, des IBM Personal Computers als Standardgerät für Lanl.

Auf einer Sitzung des SEAS Fortran-Projektes wurde die neue, inzwischen überarbeitete Version des Fortran 77-Compiler (Release 3) vorgestellt, nachdem das SEAS Executive Board die Schwierigkeiten mit den früheren Versionen des VS-Fortran-Compiler von IBM an das europäische Management von IBM herangetragen hatte. Diese Aktion hatte zu einer vollständigen Überarbeitung des Compilers geführt.

Die Reaktion der Mitarbeiter im SEAS-Fortran-Projekt war im allgemeinen positiv, weil offensichtlich alle Einschränkungen und Fehlfunktionen der früheren Compilerversionen behoben worden sind und die Leistungsdaten des neuen Compiler vielversprechend sind. Ebenfalls beseitigt sind die Inkompatibilitäten bei der Bearbeitung von Zeichen; ein jetzt verfügbarer "Post Mortem Dump" für Programme erhöht die Entwicklungsflexibilität ganz erheblich. Daneben werden eine Reihe zusätzlicher Funktionen verfügbar sein und der Compiler wird uneingeschränkt dem Standard von Fortran 77 entsprechen.

Datenverarbeitung in Verbundsystemen

Dr. D. Marinescu, Darmstadt, stellte ein Verbundsystem vor, das Experiment-spezifische Rechner vom Typ PDP-11 mit Großrechenanlagen einem gemeinsamen System integriert. Die Anforderung nach hoher Rechengeschwindigkeit, hohen Datenraten bei der Erfassung sowie dynamische Datenanalysen, wie sie bei den Experimenten am Schwerionenbeschleuniger gefordert werden, führten zu der Entwicklung des aus den genannten Komponenten bestehenden Gesamtsystems. Die Experimentrechner sind über eine schnelle Datenleitung mit einer Übertragungskapazität von 300 KB pro Sekunde mit den zentralen Anlagen vom Typ IBM 3081 verbunden, wobei spezielle Einrichtungen für die Übertragung entwickelt werden mußten. Durch diese Einrichtungen kann von den Experimentrechnern unmittelbar auf die um Größenordnungen leistungsfähigeren zentralen Anlagen so zugegriffen werden, als wären die Betriebsmittel in den Experimentrechnern verfügbar. Für den, Wissenschaftler vor Ort eröffnen sich damit gewaltige Arbeitsmöglichkeiten, die insbesondere auch den Einsatz von Universalrechnern im Quasi-Echtzeitbetrieb zulassen.

Neben den beschriebenen Themen bestand das Programm des SEAS Spring Meeting aus 159 Plenar- und Projektvorträgen sowie Arbeitssitzungen. Zu den bereits existierenden SEAS-Projekten APL, Data Bases, Document Processing, Fortran, Graphics, High Performance Processing, Installation Management, JES2/ JES3, MWS, Network/TP sowie VM untersuchten kleinere Studiengruppen die Möglichkeiten zur Etablierung neuer SEAS-Aktivitäten in den Bereichen "Robotics Large System Aspects" sowie "PL/ 1". Während der kommenden Jahrestagung in Oxford werden diese Zielsetzungen erneut verfolgt. Ergebnis der Arbeit der SEAS-Projekte waren eine Reihe von Anforderungen (Requirements), die nach Verifizierung durch die verschiedenen Organe von SEAS an IBM übermittelt werden.

Die Jahrestagung, von SEAS wird vom 26. bis 30. September 1983 vom englischen Forschungszentrum Harwell in Oxford veranstaltet. Daneben steht ein Workshop zum Thema "Office Automation" auf dem Programm.

Informationen: SEAS Headquarters, Toernnoiveld 1, 6525 Nijmegen, Holland; oder Dr. Hagen Hultzsch, Gesellschaft für Schwerionenforschung, Planckstraße 1, 100 Darmstadt 11,

Telefon: 06151/35 95 28 17.