Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.11.1983 - 

Stabilisierungspläne des Marktführers bei Dialogsystem unter Beschuß:

SEAS-User kritisieren IBMs VSPC-Politik

OXFORD - Heftige Kritik übten IBM-Benutzer auf der diesjährigen Tagung der Share European Association (SEAS) in Oxford an den Plänen des Marktführers zur "Stabilisierung von VSPC". Vor allem Service-Rechenzentren, die das Dialogsystem "Virtual Storage Personal Computing" einsetzen, werden durch die derzeitige Produktstrategie Big Blues gezwungen, auf alternative Timesharing-Umgebungen, wie TSO oder VM/CMS, zu wechseln. Mangelnde Unterstützung der IBM sowie die zeitintensive Konversion der Anwendungssoftware läßt VSPC-Kunden jetzt um Ihre Investitionen fürchten.

Bis zu 45 000 Mannstunden, so schätzten VSPC-Koordinatoren auf der SEAS-Tagung in Oxford, seien bei großen Installationen allein für "Workspace-Konversionen" nötig.

Dabei gehen Mitglieder der Benutzervereinigung von einigen hundert bis etwa 30 000 Arbeitsbereichen pro Installation aus. VSPC-Experten errechneten durchschnittlich 1,5 Stunden für die Umwandlung einer einzelnen Workspace. Für diesen "immensen" Arbeitsaufwand seien die gegenwärtigen und die in Aussicht gestellten Werkzeuge der IBM "hoffnungslos unzureichend", so eine Presseverlautbarung der User-Group. Alle Arbeiten müßten praktisch manuell durchgeführt werden. Wenn diese Berechnungen stimmen, haben wir noch zehn Jahre Arbeit vor uns", sagt etwa Yves Le Borgne von der CISI, einem der größten Rechenzentren Frankreichs und einer der Hauptkritiker auf der SEAS-Tagung. Die ersten negativen Erfahrungen brachten die Franzosen nach Worten Le Borgnes schon hinter sich: Über drei Wochen habe die Umstellung einer Applikation von VSPC auf VM/CMS gedauert, weil Datenbank und Dateien völlig umstrukturiert werden mußten. "Wir wollen unsere Investitionen schützen", klagt der französische DV-Manager, "denn als Service-Büro können wir nicht warten, bis sich die IBM bequemt, entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen."

Das Dialogsystem VSPC wurde von der IBM ursprünglich für den Endbenutzer entwickelt, der den direkten Zugang zu einem Computer nutzen will. Dies gilt sowohl für Datenstationsbediener, die spezielle Aufgaben in ihrem Sachbereich lösen müssen und keine DV-Erfahrung haben, als auch für Dialoganwender, die mit Anwendungspaketen kommunizieren wollen, ohne die Programmiersprache zu kennen. Durch den verstärkten Einsatz von Personal Computern in den Fachabteilungen ist VSPC indes für viele Benutzer unattraktiv geworden.

Der Wunsch nach geeigneten "Migration Aids" für das Dialogsystem wurde schon auf der letztjährigen SEAS-Tagung in Göteburg laut. Einer längerfristigen Weiterentwicklung dieses Anwendungsbereichs räumten IBM-Insider aber bereits damals nur geringe Chancen ein. In der Tat habe Big Blue auf die Benutzerforderungen bislang nur unzureichend reagiert, ist von VSPC-Anwendern zu hören. Durch diese Produktpolitik lassen sich die DV-Entscheider in den betroffenen Unternehmen zunehmend verunsichern. "Wir sind uns noch nicht im klaren darüber, wohin wir migrieren und wie der Vorgang überhaupt aussehen soll - wir warten auf Übergangshilfen", konstatiert Rüdiger Nopens, VSPC-Spezialist im Rechenzentrum des Hauptamtes der Stadt Dortmund. Eingesetzt als Trägersystem, läuft die gesamte Jobsteuerung APL, interaktives Fortran und die technische Verwaltung bei den Dortmundern unter dem Dialogsystem VSPC. Jetzt haben die Westfalen APL versuchsweise unter TSO (Time-Sharing-Option) installiert und festgestellt, daß die Benutzer damit nur schwer zu überwachen sind. "Die machen uns jetzt die Platten dicht und die CPU-Zeiten hat man kaum noch unter Kontrolle", schimpft Nopens. Er beabsichtige, das wirtschaftlichere VSPC so lange wie möglich einzusetzen; ein Wechsel käme nur notfalls in Frage. Weitere Probleme bei der Umstellung auf TSO sieht der Dortmunder auch bei der Dateiverwaltung, in der die User gegeneinander abgeschottet werden. Schwierigkeiten gebe es auch durch die unterschiedlichen Dateistrukturen.

Die Probleme der VSPC-Anwender nimmt man bei der IBM offensichtlich nicht ernst genug. Das Dialogsystem habe seine Grenzen, ist von offiziellen Stuttgarter Stellen zu hören. Es entspräche in absehbarer Zukunft nicht mehr den Hardware- und Softwaregegebenheiten. Obwohl ein IBM-Sprecher den immensen Zeitaufwand bei der Konversion bestätigt, erschöpft sich das Announcement des Marktführers zur Zeit in der Ankündigung eines "Conversion Guide" und eines Positionierungsrelease für das Jahr 1985.

Solche Zusagen reichen den Mitgliedern der Share European Association jedoch nicht aus. Versichert SEAS-Präsident Dr. Hagen Hultzsch: "Unser Executive Board wird sich dieser Situation annehmen und die Angelegenheit direkt an das Führungsmanagement von IBM-Europa herantragen." Die User-Gruppe will dem Vernehmen nach vor allem auf bessere, eventuell automatische Übergangshilfen drängen. Wie aus SEAS-Kreisen zu erfahren ist, führen maßgebliche Mitglieder der Benutzergruppe noch in der ersten Novemberwoche Gespräche zum Thema VSPC mit den Bossen der IBM-Europa-Zentrale in Paris.

An einer Bereinigung der VSPC-Misere ist auch der Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ) interessiert. "Die Unterstützung seitens der IBM ist hier wirklich verbesserungswürdig", konstatiert Geschäftsführer Peter Lange-Hellwig. Konkret will sich der VDRZ-Chef jedoch nicht äußern: "Wir stehen in Verhandlungen", lautet die ausweichende Antwort - IBM sei Mitglied im Verband.