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Hochschule St. Gallen präsentierte als Projektergebnis eine "Minimalversion":


06.12.1985 - 

"Sebis" vom Praxiseinsatz noch weit entfernt

ST. GALLEN (CW) - Auf unterschiedliche Resonanz stieß die Demonstration des Systems zum Entwurf betrieblicher Informationssysteme (Sebis) an der Hochschule St. Gallen. Die Ankündigung der Präsentation hatte großes Interesse bei den eingeladenen Systemhäusern geweckt, doch jetzt zeigten sich viele enttäuscht.

" Ich hatte mehr erwartet", ärgerte sich Frank Dörfel, Bereichsleiter Geschäftsbereich Systemhaus der SCS GmbH, Hamburg, "soviel hätten wir an der Alster auch zeigen können." Handfester die Äußerung von Frank Walter, Geschäftsführer der Münchner Softlab GmbH: "Das, was hier als Werkzeugsystem für Software-Entwickler gezeigt wurde, ist zum Teil Standard und wird in der Industrie bereits eingesetzt. Die interessanten Ansätze von "Sebis", etwa Editoren für grafische Werkzeuge, sind ja noch Zukunftsmusik."

Kooperationspartner für Praxiseinführung gesucht

Lorbeeren für das vorgestellte System kommen dagegen von der Innova Consulting: "Der Markt ist bei Software-Entwicklungssystemen mehr oder weniger an Systeme zur Erstellung von Texten gewöhnt", erklärt der Geschäftsführer des Wiesbadener Beratungsunternehmens, Hartmut Skubch, "hier hingegen wurde ein System zur Erstellung von Strukturen gezeigt."

Aus öffentlichen Mitteln finanziert, läuft das Projekt " Sebis" bereits seit fünf Jahren an der Hochschule von St. Gallen. Ziel des Forschungsprojektes ist die Entwicklung und Erprobung eines Konzeptes für ein rechnergestütztes Entwurfssystem. Nun wenden sich die Forscher an die Industrie: Es werden Partner gesucht, die dem Produkt Leben eintauchen und es mit den notwendigen Mitteln für die Einführung in die Praxisversehen.

Bisher gibt es nur eine "Minimalversion", die nach Aussagen des Projektvaters, Professor Hubert Österle, noch rund zwei Jahre von der Marktreife entfernt ist. Die jedoch könne nur in der Praxis erlangt werden.

Vorrangiges Ziel von "Sebis" ist die Integration vorhandener Daten, Werkzeuge und Methoden bei der Software-Entwicklung. Zu diesem Ansatz, so Österle, sei das Forschungsteam nach Befragung von 105 DV-Leitern über den Bedarf nach verschiedenen Funktionen eines Entwicklungssystems vor einigen Jahren gekommen. Mittelpunkt von "Sebis" bilde daher heute die Entwurfsdatenbank (EDB), die redundanzfrei alle Aspekte des Entwurfs abdecke und so konzipiert sei, daß sie weiter zur Entwicklungsdatenbank ausgebaut werden und auf diese Weise die gesamte Systementwicklung abdecken könne. Die EDB basiert auf einem relationalen Datenbankmodell.

"Sebis" soll nach dem Willen seiner Ziehväter den Entwickler am Computer von der ersten Idee eines Systems bis hin zu dessen Programmierung unterstützen. Die Erfassung der Entwurfsinhalte soll mit Hilfe verschiedener Editoren erfolgen. Für den Zugriff auf die in der zentralen Entwurfsdatenbank gespeicherten Informationen will "Sebis" eine Reihe dedizierter Funktionen zur Verfügung stellen.

Die Manipulation der einzelnen Entwurfsergebnisse soll mit einer Vielzahl von Tools unterstützt werden. Gedacht wird an Struktureditoren, die sich wiederum an den Strukturen der Darstellungshilfsmittel orientieren: Baumeditoren zur Erfassung und Manipulation von Funktions- und Datenstrukturen, Attributeditoren zur Manipulation der Beschreibung von Funktionen und Daten, ein Datenflußplaneditor, ein Maskeneditor zur Unterstützung der Spezifikation von Dialogmasken und Berichtsformaten sowie ein Objektmengeneditor zur Veränderung von Mengen von Spezifikationselementen.

Die Konzeption sieht weiterhin einen Selektor zur Bildung von Teilmengen aus der Entwicklungsdatenbank, einen Dokumentengenerator zur Erstellung von Berichten und Listen aus der EDB sowie eine Projekt-Manager-Funktion vor, die Zeit und Kostenplanung, Terminierung sowie Zeit- und Kostenkontrolle unterstützt.

Gleichwohl scheint das Projekt nach den bisher erzielten Ergebnissen von einem praktischen Einsatz in der Industrie noch weit entfernt. Implementiert sind derzeit die zentrale Datenbank, Hierarchie- und Attributeditoren sowie Funktionen zur Manipulation von Entwurfsinhalten der Datenbank und zur Steuerung des Dialoges mit einem Arbeitsplatzrechner. Auch stehe die integrierte Entwurfsmethodik sowie die Gesamtkonzeption von Sebis. Österle: "Von unserer Minimalversion zu einer Praxisversion zu gelangen, kann nicht Aufgabe eines Forschungsinstituts sein, sondern ist eine Fleißarbeit, die in der Praxis erledigt werden muß".

Funktionen und Datentypen werden integriert entworfen

Die Schweizer Wissenschaftler hatten sich zum Ziel gesetzt, Funktionen und Hierarchien in der EDB frei änderbar zu gestalten und Funktionen und Datentypen integriert zu entwerfen. Grundlage hierfür sei die starke Segmentierung aller Funktionen sowie deren Beschreibung und Ergänzung durch Attribute, wie sie von herkömmlichen Dictionaries bekannt sind.

Das Entwicklungssystem, das bisher rund 15 Mannjahre Entwicklungszeit beansprucht habe, wird derzeit auf einer VAX-11/750 eingesetzt. Die angestrebte Konfiguration zum Einsatz von "Sebis" sei ein 32-Bit-Rechner mit 4 MB Hauptspeicher 80 MB Plattenvolumen für die Entwicklungsdatenbank sowie 1 GB Bandkapazität für die Datensicherung.

Darüber hinaus soll der Arbeitsplatzrechner mit Großbildschirm und Maus konfiguriert sein und auf einen Laserprinter zugreifen können, der zur Ausgabe der hochaufgelösten Entwurfsgrafiken dient.

Software-Basis des in Pascal geschriebenen Systems sind das Betriebssystem VMS, VAX-Dialog-Software und ein Netz auf Ethernet-Basis. Geplant ist jedoch, das System portabel zu gestalten, um es auch auf anderen Arbeitsplatzrechnern, zum Beispiel unter Unix, verfügbar zu machen.