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28.02.1986 - 

Neue Kommunikationsmöglichkeiten für die Konsumgüterwirtschaft:

Sedas-Daten-Service vereinfacht Bestellverkehr

Der Bereich Logistik rückt im Zusammenhang mit Rationalisierungsbemühungen sowohl im Handel als auch in der Industrie zunehmend in den Vordergrund. Aber: Solange die Datenverarbeitung an der Schwelle eines Unternehmens halt macht und beispielsweise Bestellungen des Handels an die Lieferanten noch per Briefpost übermittelt werden, verbaut man sich die Chance einer weiteren Rationalisierung. Der nachfolgende Beitrag zeigt am Beispiel des Sedas-Daten-Service entsprechende Möglichkeiten im Bestellverkehr auf.

Der Sedas-Daten-Service (Sedas steht für Standardregelung einheitlicher Datenaustauschsysteme) für den Bestellverkehr ist ein von der Centrale für Coorganisation (CCG) in Köln in Kooperation mit General Electric Informations-Service entwickelten System für die unternehmensübergreifende Bestellkommunikation in der Konsumgüterwirtschaft und beruht auf von der CCG entwickelten und eingeführten Standard-Nummernsystemen und Standard-Datensätzen, die heute allgemein anerkannt und entsprechend verbreitet sind wie zum Beispiel die (Europäische Artikel-Numerierung) EAN.

Fünf Millionen Bestellungen pro Tag

Ausschlaggebend für die Entwicklung des SDS war die Tatsache, daß im Zeitalter der DV-gestützten Kommunikation der Bestellverkehr immer noch nahezu ausschließlich per Briefpost, Telex oder Telefonat abgewickelt wird. Dies ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, daß allein von den großen Handelshäusern pro Tag fünf Millionen Bestellungen an Tausende von Lieferanten übermittelt werden.

Die wenigen Fälle einer Datenfernübertragung von Bestellungen sind vielfach durch den Nachteil gekennzeichnet, daß der wirtschaftlich Stärkere dem wirtschaftlich Schwächeren seine hauseigenen individuellen Satzformate, organisatorischen und technischen Regeln quasi aufgezwungen hat. Würde man dieser Entwicklung freien Lauf lassen, sind die Konsequenzen unschwer zu erkennen: Es entstehen Insellösungen, bei denen sich der wirtschaftlich Schwächere einer Vielzahl von unterschiedlichen Wünschen seiner zahlreichen Bestellpartner anzupassen und eine Vielzahl von Satzformaten, Nummernsystemen, DFÜ-Anschlüssen etc. vorzuhalten hat, wenn er mit diesen Partnern seine Bestellungen per DFÜ austauschen möchte.

Datenclearing mit Mailbox

Die Philosophie des SDS: Der Bestellverkehr zwischen dem Handelshaus und einem Lieferanten erfolgt nicht direkt, sondern über eine sogenannte Datenclearingstelle, die nach dem Mailbox-Prinzip arbeitet. Diese Datenclearingstelle ist Teil des weltweit genutzten Information Centers von General Electric Informations-Service.

Der Handelsbetrieb wählt sich täglich (oder bei Bedarf mehrmals täglich) in die für ihn eingerichtete Mailbox der Clearingstelle ein und übermittelt per DFÜ alle aufgelaufenen Bestellungen für alle Lieferanten in einem einzigen Übermittlungsvorgang, also en bloc. Nach positiver Empfangsbestätigung der Clearingstelle ist der Bestellvorgang für den Handelspartner beendet, denn alles weitere übernimmt der SDS: Er führt formale und logische Prüfungen durch, verteilt die Bestellungen auf die Mailboxen der in den Bestelldatensätzen angegebenen Lieferanten und speichert diese so lange, bis die Lieferanten die Bestellungen abgerufen haben.

Der Abruf der Bestellungen durch den Lieferanten (meist ein Industriebetrieb) erfolgt auf ebenso einfache Weise: Der Lieferant wählt sich per DFÜ in seine Mailbox der Clearingstelle ein und ruft in einer einmaligen Sitzung alle Bestellungen en bloc ab, die der SDS für ihn seit dem letzten Einwahlvorgang von allen Bestellpartnern der Handelsseite gesammelt hat.

Datenschutz/Datensicherheit

Jeder SDS-Teilnehmer erhält eine eigene Mailbox, die durch eine Benutzernummer sowie ein persönliches Paßwort geschützt ist. Umfangreiche Datensicherungs- und Datenschutzvorkehrungen verhindern einen unberechtigten Zugriff Dritter auf die individuellen Bestelldaten und sichern eine hohe Systemverfügbarkeit sowie Fehlerfreiheit in der Anwendung. Gerade hierauf muß General Electric Informations-Service größten Wert legen, weil ein Großteil der internationalen Konzerne - unter anderem alle großen deutschen Banken mit besonders sensiblen Daten - zu den Kunden des Information Centers zählen.

Organisatorische Voraussetzungen

Der SDS-Bestellverkehr beruht auf den standardisierten Numerierungssystemen EAN und bbn/bbs. Die EAN wurde eingangs bereits skizziert. bbn/bbs ist die Abkürzung für die Bundeseinheitliche Betriebs- und Betriebsstellennumerierung. Sie dient im SDS der Adressierung und Verteilung der Bestellung auf die entsprechenden Mailboxen.

Der SDS-Teilnehmer muß ferner seine Bestellungen nach dem von der CCG entwickelten Standard-Satzformat aufbereiten, weil nur dieses Format von SDS akzeptiert wird.

Technische Voraussetzungen

Der Zugang zum SDS kann wahlweise über das Telefon-, Datex-L oder Datex-P-Netz erfolgen. Anschließbare Endgeräte sind in der ersten Ausbaustufe alle PCs, MDT-Anlagen und Großrechnersysteme, die stapelverarbeitungsfähig nach 2780-beziehungsweise 3780-Prozedur sind. Das Zugangsprotokoll ist das BSC2-Übertragungssteuerungsverfahren. Eine diese Prozeduren unterstützende Kommunikations-Schnittstelle kann in der Regel vom DV-Hersteller oder für IBM- und IBM-kompatible DV-Systeme von GeneraI Electric Informations-Service bezogen werden.

Die zweite SDS-Ausbaustufe sieht zusätzlich den Dialog-Zugang (wie etwa TTV) vor. Sollte erkennbar werden, daß Teilnehmer eine Zugangsprozedur wünschen, wird diese realisiert, ist aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht marktrelevant.

Die CCG erhebt eine einmalige Aufnahmegebühr von 1000 Mark. Die Bestellungen werden transaktionsorientiert abgerechnet: Jeder SDS-Teilnehmer (also Sender und Empfänger) zahlt 20 Pfennig je Bestellung und einen Pfennig je Position und Textzeile. Damit liegt eine Bestellung mit beispielsweise fünf Positionen erheblich unter den entsprechenden Briefporto- oder Telexkosten, selbst wenn man die variablen Telefon- beziehungsweise Datexgebühren bis zum nächsten Zugriffspunkt (in der Regel Nahbereichsgebühren) zu den SDS-Gebühren hinzurechnet.