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"Seh"-Krankheit

30.05.1980

Die Institution Computer-Messe leidet an Durchfall - und der beginnt chronisch zu werden. Vermeintliche Ursache: Kaum Füllstoffe in dem aus mehr computerunkundigen "Seh"-Leuten als DV-Proffesionals zusammengerührten Besucherbrei der langsam überzukochen droht .

Beispiel Die National Computer Conference, alljährliches Rodeo der amerikanischen Mini und Mikro-Cowboys , unter Mitwirkung deutscher Gelegenheitsreiter (BASF, Mannesmann) und gelehriger DV-Stalljungen (Nixdorf, Triumph/Adler ) sowie japanischer Buchmacher (Hitachi, Fujitsu). Die NCC '80 im kalifornischen Anaheim bot zwar viel Masse (mit rund 600 Exhibitionen und an die 90 000 zahlenden Spanne-Männer als neue NCC-Rekordzahlen), aber wenig Substanz. So sprachen einige NCC-Aussteller ganz offen von Disneyland-Atmosphäre (komme, staune, gute Laue) und Personal Computer -Senkrechtstarter Apple (von der Garage in die Big Factury) setzte in der L.A.-Vorstandt Spieltheorie konsequent in Werbepraxis um: Man mietete das benachbarte Kinderparadies unter dem zeichnen der Walt-Maus für eine "private party" - gewiß kein billiges Vergnügen.

Die reine Glamour-Show wäre freilich das logische Ergebnis einer Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahres auf anderen Messeplätzen abzeichnet.

Allen voran CeBIT in Hannover: Das Weltzentrum für Büro und Informationstechnik kann sich zwar keiner Disneylad-Nähe rühmen, bietet aber als "feste" Einrichtung - im Gegensatz zum mobilen NCC-Salon dem Aussteller größeren Entfaltungsspielraum auf den Ständen. Dieser wird auch weidlich genutzt, um Führungskräften aus kleineren und mittleren Unternehmen ein paar feucht-informative Stunde zu bereiten, nach dem Motto "im CeBIT blühen wieder Träume.

Computerfirmen, die auf Anwender Manipulation durch Leistungsbeweis anstatt Werbung de Luxe setzen, beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Sie plädieren für eine generelle Änderung der Messekonzeption; sie wollen klare Verhältnisse schaffen - notfalls durch Teilung.

Die Anbieter von laiensicheren Micky-Maus-Computern hätten dann ihre eigenen Erstanwender-Festivals; OEM's (Original Equipment Manufacturers), PCM's (Plug Compatible Manufacturers), Systemhäuser und Softwarefabriken könnten sich auf separaten Know-how-Märkten profilieren.

Daß kein Mißverständnis entsteht: Hier geht es nicht nur um Messekonzepte, sondern auch und gerade um Computerauswahl. Diese ist gewiß keine leicht zu nehmende Aufgabe, sondern erfordert den ganzen Computerspezialisten - und sei es ein Berater.

Die eigentliche Crux - aus Anwendersicht - ist doch, daß es den besten Computer nicht gibt, auch wenn es uns die größten Marktschreier immer noch weismachen wollen. Als Schwierigkeit kommt hinzu, daß sich die meisten Rechner von der Ausstattung, vom Preis und vom Aussehen her heute kaum mehr unterscheiden - und das, obwohl signifikante Leistungsdifferenzen bestehen.

Der Hund, sprich "der kleine Unterschied", liegt in der Basis-Software begraben. Ob ein Operating System die Anwendungsprogrammierung gut oder schlecht unterstützt, und welche Kompilier- und Laufzeiten letztlich herauskommen, hängt weitgehend von der Geschicklichkeit der Systemdesigner ab. Aber wer kann denen schon auf die Finger schauen?

Überdies scheren sich die Hersteller wenig darum, ob ein Interessent seine Lektion gelernt hat, ob er also reif geworden ist zum Computerfahren - schon gar nicht zu Messezeiten.

Ein kleiner Trost bleibt: Abschlüsse waren auf der NCC verboten.