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13.11.1987 - 

Arbeit im Ausland für eidgenössische Forscher attraktiver:

Sehweizer Kl-Experten zieht's in die Ferne

ZÜRICH (CWS) - Ausbildungsprofis für Künstliche Intelligenz (KI) und Expertensysteme sind zwischen Basel und Lugano, zwischen Genf und Sankt Gallen Mangelware. Die Abwanderung der wenigen Schweizer Kl-Forscher könnte diese Situation noch verschärfen, meint CWS-Autor Günter Albers*.

Betrachtet man in letzter Zeit die Entwicklung der Swiss Group of Artificial Intelligence and Cognitive Science (Sgaico), könnte der Eindruck entstehen, daß in der Schweiz mit der Künstlichen Intelligenz und Cognitive Science alles in Ordnung ist und das Gebiet sich rasant entwikkelt. Unter dieser Oberfläche versteckt sich allerdings eine ganze Reihe von ernsthaften Problemen.

Das wichtigste ist der extreme Mangel an hochqualifizierten Berufsleuten. Experten aus den größten KI-Zentren in den USA haben herausgefunden, daß die Ausbildung zum "Knowledge Engineer" mindestens drei bis fünf Jahre dauert. Dies bedingt eine angemessene Ausbildungs-lnfrastruktur. Es ist bekannt, daß die amerikanischen Universitäten in dieser Beziehung einen höheren Standard aufweisen als die europäischen Institute.

In der Schweiz können viele aussichtsreiche KI-Projekte in Wirtschaft und Forschung aus Mangel an qualifiziertem Personal nicht gestartet werden. Einige dieser Vorhaben werden dennoch in Angriff genommen, in der Hoffnung, daß die Beteiligten sich die notwendigen Kenntnisse durch "Training on the Job" erwerben. Es wäre allerdings kaum erstaunlich, wenn sich hier Fehlschläge ergäben. Das Hauptprinzip der Programmierung -"garbage in - garbage out" - gilt auch in der Expertensystem- und KI-Entwicklung.

Die Goldrausch-Mentalität (die Absicht, mit wenig oder gar keinen Investitionen zu raschem Erfolg zu kommen) hat sich in den letzten Jahren im KI-Bereich stark verbreitet. "Plötzlich sind Leute, die kurz zuvor den Ausdruck KI nicht einmal buchstabieren konnten, Spezialisten für Expertensysteme, und Programme, die man früher schlicht Formulargeneratoren nannte, sind jetzt auf Künstlicher Intelligenz aufgebaut", schreibt John Allen in seinem neuen "TLC-Lisp Manual" sehr zutreffend.

Die Unterstützung für den Aufbau einer qualitativ hochstehenden Ausbildungsinfrastruktur für KI und Expertensysteme in der Schweiz ist eines der vorrangigen politischen Ziele der Sgaico. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt. Doch es gibt erste Anzeichen für eine Verbesserung der Situation. An der Universität Zürich hat die Abteilung für Informatik einen viersemestrigen KI-Kurs ausgearbeitet. Er umfaßt KI-Grundlagen, logische und funktionale Programmierung, wissensbasierte Systeme, Übungen anhand von Fallstudien sowie Vorlesungen und Seminare zu Spezialgebieten der KI.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stehen die Vorlesungen an den Schweizer Universitäten qualitativ weit unter denjenigen anderer Hochschulen. Außerdem mangelt es an Lehrpersonal. Eine Verbesserung dieser Situation verlangt politische Initiative und finanzielle Unterstützung. Doch selbst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird es schwierig sein, das entsprechend ausgebildete Personal zu finden und zu halten. Im Moment ist ein regelrechtes Headhunting im Gange. Praktisch alle europäischen Länder haben mit der Verbesserung der nationalen Situation in der Kl begonnen. Auch im Rahmen des primär auf kurzfristige Anwendungen ausgerichteten Esprit-Programms wird eine verstärkte Grundlagenforschung in der Kl und Cognitive Science geplant. Die Schweiz läuft damit Gefahr, einige ihrer wenigen KI-Forscher an attraktive Projekte im europäischen Ausland zu verlieren.

Von besonderem Interesse ist die Entwicklung in Baden-Württemberg, da die Nähe zur Schweiz den dortigen Arbeitsmarkt direkt beeinflußt. Im Rahmen der äußerst technologiefreundlichen Wirtschafts- und Erziehungspolitik unter Ministerpräsident Lothar Späth ist mit der Entstehung von zahlreichen neuen Arbeitsstellen für KI-Forscher zu rechnen. So entsteht beispielsweise eines der vier KI-Forschungszentren der EG in Karlsruhe. Auch das neue "Zentrum für Informationstechnologie" in Ulm könnte ein attraktiver Arbeitsplatz für Kl-Fachkräfte aus der Schweiz werden.

Anfang 1988 wird etwas weiter im Norden das deutsche Zentrum für Kl in Kaiserslautern eröffnet. Dort sollen sich gegen 60 Forscher unter äußerst großzügigen Anstellungsbedingungen hauptsächlich mit Kl-Grundlagen beschäftigen. Das Institut wird an die Universität angeschlossen und vom Staat sowie einer Trägerschaft aus der Industrie finanziert.

* Dieser Artikel erschien zuerst im Sgaico-Newsletter und wurde von der Redaktion der

COMPUTERWORLD SCHWEIZ bearbeitet.