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16.08.1985

Seid umschlungen, Millionen

Gäbe es in der Bundesrepublik einen Preis für die gelungenste Vermarktung weit im Vorfeld noch gar nicht produktreifer Systeme, keine Frage, daß die Nixdorfer hier weit und breit keine Konkurrenz fürchten müßten.

Teil dieses Marketings ist es auch, auf die Ministerialbürokratie in Bonn zu schimpfen, wobei sich abwechselnd das Post- und das Forschungsministerium anbieten, letzteres vor allem wegen seiner Förderpraxis, vorwiegend Großunternehmen zu subventionieren, die doch bekanntermaßen - so jedenfalls die herrschende Meinung an der Pader - nicht gerade vor Innovationsreichtum strotzen.

Neben publikumswirksamer Profilierung wie im Fall der Nixdorf AG - hier gilt offenbar die Gleichung Image gut = Börsenkurs o. k. - hat die Beschimpfung aber auch einen angenehmen Nebeneffekt: Irgendwann kommt der Beschimpfte möglicherweise zu der Überzeugung, zur Abwechslung auch mal den Beschimpfer aus seinem Fördertopf zu beschenken, in der Hoffnung, statt der Peitsche nun Zuckerbrot in Form von Streicheleinheiten zu bekommen.

Anders ist es wohl kaum zu erklären, warum das BMFT nach der Vier-Millionen-Mark-Spende für die Systementwicklung der 8818 nochmals tief in die Tasche greift und für ein neues System, diesmal mit ISDN-Schleife modisch verpackt, gleich mehr als das Doppelte springen läßt. Summa summarum macht das die Kleinigkeit von zwölf Millionen Mark an Steuergeldern. Zu fragen ist vor allem, ob es wirklich notwendig ist, die, wie das BMFT immer wieder betont, knappen Forschungsmittel für eine Produktentwicklung auszugeben, die sich für alle in der Nachrichtentechnik agierenden Unternehmen zwangsläufig ergibt, wenn sie künftig auf dem Markt der Bürokommunikation und der Nebenstellentechnik überhaupt eine Rolle spielen wollen. Hier hätte es der "Nachhilfe" in Form von Barem seitens des BMFT wohl kaum bedurft.

Auch die Begründung, Hauptziel des Nixdorf-Projekts sei die "Vermarktung von ZSDN-Anwendungsmöglichkeiten", ist nicht besonders stichhaltig - es ist schließlich Sache der Hersteller und der Bundespost, genügend Einsatzfelder für ISDN-Nebenstellenanlagen zu definieren und die Anwender von der Notwendigkeit solcher Systeme zu überzeugen.

Nixdorf-Kunden und potentiellen Interessenten für die 8818 stellen sich mit Blickrichtung auf 1987 wohl ein paar Fragen: Kann die 8818 zur ISDN-Anlage aufgerüstet werden, oder gibt es von diesem Zeitpunkt an nur noch die ISDN-Anlage, vielleicht als 8818 ISDN? Und wie sieht es mit der Kompatibilität aus? Dokumentiert sich hier neuerlich das alte Nixdorf-Problem, die bei unterschiedlichen Fremdherstellern eingekauften Komponenten unter einen Hut zu bringen, sprich: harmonisch in die bisherige Produktpalette einzubinden?

Wie Heinz Nixdorf erst jüngst wieder in einem Interview erklärte, will er d e r Telefonlieferant, d e r Kommunikationslieferant in der Bundesrepublik werden. Offenbar enthält der BMFT-Fördertopf noch mehr Mittel, die es auszugeben gilt - für innovatives Marketing.