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30.01.1987 - 

Der neue Verbund fest in der Hand des französischen Mehrheitseigners CGE:

SEL jetzt an der kurzen Leine der Alcatel NV

LUDWIGSBURG (cmd) - Wie schon unter dem ITT-Dach ist der Stuttgarter Standard Elektrik Lorenz AG auch innerhalb der neuen, französisch beherrschten Alcatel N.V.-Holding in erster Linie eine gewichtige Rolle als Technik- und Umsatzlieferant zugedacht. Die strategische Entscheidungsbefugnis liegt dagegen bei dem französischen Mehrheitseigner CGE.

Vor der Presse in Ludwigsburg erläuterten der SEL-Vorstandsvorsitzende Helmut Lohr und Pierre Suard, der Vorstandsvorsitzende der neuen Muttergesellschaft Alcatel NV, an der wiederum die CGE 55,6 Prozent, die amerikanische ITT 37 Prozent, die Societe Generale de Belgique 5,7 Prozent und die französische Großbank Credit Lyonnais 1,7 Prozent halten, die Unternehmensstruktur der neuen europäischen Nummer eins auf dem Telecom-Sektor.

Demnach wird die Alcatel NV, eine Gesellschaft niederländischen Rechts mit Firmensitz in Brüssel, künftig von einem dreiköpfigen Vorstand geleitet, dem neben Suard als Vorsitzendem die beiden Franzosen Philippe Gluntz und Jacques Ronze angehören. "Wichtigste Entscheidungsinstanz" ist nach den Worten Suards jedoch der aus zwölf Mitgliedern bestehende "Exekutivausschuß", der sich aus dem Holding-Vorstand sowie neun Vertretern der Tochtergesellschaften zusammensetzt. Den Vorsitz führt auch hier wieder Suard, sein Stellvertreter ist SEL-Chef Lohr.

Die Leitung der neuen Gruppe will Suard soweit wie möglich dezentralisieren: Die nationalen Tochtergesellschaften werden in puncto Finanzverantwortung selbständig sein, während auf Holdingebene die Bereiche Forschung, Strategie und Marketing angesiedelt sind. Darüber hinaus wird es innerhalb des Alcatel-Verbundes eine Verantwortung nach Produktlinien geben, die wiederum auf Gruppenebene bei den Tochtergesellschaften angesiedelt ist.

Die neue Unternehmensstruktur spiegelt sich auch bereits in ersten personellen Veränderungen wider: Der Leiter des SEL-Forschungszentrums, Horst Ohnsorge, ist vom 1. März an zugleich Forschungsdirektor der Muttergesellschaft. Gerhard Zeidler, bisher in Personalunion bei der ITT Europe und im SEL-Vorstand für den Bereich "Zentrale Technik" verantwortlich, übernimmt ab 1. März bei den Stuttgartern zusätzlich das Ressort "Öffentliche Nachrichtentechnik", das seit dem Weggang von Roland Mecklinger zu MBB von SEL-Chef Lohr kommissarisch geleitet wurde. Darüber hinaus ist Zeidler für die Koordinierung der System-12-Entwicklung bei Alcatel zuständig.

Wie schon bei früheren Gelegenheiten betonte Suard, daß im Bereich der öffentlichen Vermittlungstechnik sowohl das System E 10 der französischen Alcatel als auch das von SEL maßgeblich mitkonzipierte System 12 parallel vermerktet und weiterentwickelt werden. Die Verschmelzung bei der Linien zu einem dritten Produkt sei nicht geplant, es sei aber nicht auszuschließen, daß im Hinblick auf neue Dienste bei ISDN "dieser oder jener Teil der Hard- und Software gemeinsam" konzipiert werde. Die Verantwortlichkeit innerhalb der Alcatel NV ließ der Franzose allerdings noch offen.

Wenig konkret äußerte sich Suard auch über die künftige Richtung, die die neue Gruppe im Bereich "Bürokommunikation" einzuschlagen gedenkt. Hierzu hieß es lediglich, es sei notwendig, "allmählich eine harmonisierte Produktpolitik herbeizuführen", wobei jedoch keine der Tochtergesellschaften allein verantwortlich sein soll. SEL wie auch die französische Alcatel verfügen hier beide über eine breite Produktpalette.

Ungeachtet der vielen noch ungeklärten Punkte hoben, Lohr und Suard die Bedeutung hervor, die die Stuttgarter als umsatzstärkstes Unternehmen im Rahmen des neuen Verbundes einnehmen: So meinte der SEL-Chef, man stehe nun dem internationalen Wettbewerb auf allen Schlüsselgebieten gestärkt gegenüber, während der Alcatel-NV-Boß sich mit Lohr einig war "über den wichtigen Anteil, den SEL vor allem in der Technik" an der neuen Gruppierung hat.