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19.02.1988 - 

Böser Einbruch im Terminal-Geschäft machte Schwaben zu schaffen, aber:

SEL mit Bürokommunikation wieder rentabel

STUTTGART (bk) - Eitel Sonnenschein bei SEL: Nach langen verlustreichen Jahren sind die Stuttgarter mit dem Bereich Bürokommunikation in die Rentabilitätszone zurückgekehrt, Arge Schwierigkeiten bereiteten den Schwaben allerdings der Sektor Datensysteme sowie - durch den extremen Dollarverfall bedingt - das Exportgeschäft.

"Mit Genugtuung kann ich heute feststellen, daß wir das vor zwei Jahren gesetzte Ziel, 1987 ein deutlich positives Ergebnis zu erwirtschaften, erreicht haben." Werner Brendel, SEL-Vorstandsmitglied und Leiter der Unternehmensgruppe Bürokommunikation, sonnt sich sichtlich in dem Erfolg seiner Ende 1985 begonnenen Sanierungsaktivitäten. Nach der endgültigen Einbindung in den Unternehmensverbund der Alcatel im vergangenen Jahr sei es nicht nur gelungen, die Ressourcen sauber zu gliedern und die Produktpalette zu bereinigen - auch habe man den Kapitalaufwand durch Reduzierung von Vermögenswerten um 15 bis 20 Millionen Mark senken können. Ausgezahlt habe sich zudem, den gesamten Bereich Computersysteme auf die CTM in Konstanz zu verlagern. Allerdings mußten auch 1000 Mitarbeiter seit 1985 das Unternehmen verlassen. Brendel betonte jedoch nachdrücklich, daß die "Zeit des Köpferollens" nunmehr endgültig vorbei sei und es jetzt darum gehe, den Personalbestand von derzeit 5600 Mitarbeitern zu stabilisieren.

Hochzufrieden sind die Schwaben für 1987 vor allem mit dem digitalen PBX-Geschäft, obwohl gerade in diesem Marktsegment, so Brendel "mit sehr, sehr harten Bandagen gekämpft werde". Das digitale System 12B sei jedoch vom Markt gut aufgenommen worden, so daß man in der Geschäftssparte Kommunikationssysteme den Absatz wie 1986 um 20 Prozent steigern konnte. Insgesamt waren Ende 1987 mehr als 2000 digitale Nebenstellenanlagen "im Feld". Diese Absatzentwicklung, bedauerte Brendel, habe sich aufgrund des massiven Preisdrucks jedoch finanziell kaum ausgezahlt.

Positiver Absatz bringt keinen Umsatz

Auch in den anderen erfolgreichen Geschäftssparten (Text- und Bildübertragungsgeräte sowie Computersysteme) schlagen sich die positiven Absatzzahlen nicht im Umsatz nieder. In allen drei Bereichen, mit denen die Unternehmensgruppe rund 80 Prozent ihres gesamten Geschäftes realisiert, konnten die Stuttgarter einen durchschnittlichen Umsatzanstieg von jeweils gerade 5 bis 7 Prozent verzeichnen; obwohl man bei Fernkopierern laut Brendel eine fünfstellige Absatzzahl erzielte und auch das Computergeschäft über die Konstanzer CTM-Tochter zufriedenstellend lief. CTM erreichte bei den Bildschirmarbeitsplätzen ein Absatzplus von 18 Prozent.

Negative Auswirkungen durch Dollarverfall

Im Gesamtumsatz mußte SEL sogar einen leichten Rückgang hinnehmen. Nach 1,2 Milliarden Mark im Vorjahr ging der Umsatz um 4 Prozent auf 1,1 Milliarden Mark zurück. Schuld daran waren laut Brendel jedoch nicht nur die in allen Geschäftsbereichen herrschende schwierige Marktpreis-Situation (zum Teil wurde ein Rückgang der Marktpreise von bis zu 35 Prozent verzeichnet), auch konjunkturelle Einflüsse hätten eine Rolle gespielt. Der starke Dollarverfall habe sich deutlich negativ auf das Auslandsgeschäft ausgewirkt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Stuttgarter im Exportgeschäft - ausgenommen im Bereich Fernschreiber - jahrelang eher erfolglos operierten.

Daß SEL letztendlich jedoch auch im Gesamtabsatz einen Rückschritt um 3 Prozent hinnehmen mußte, ist vor allem auf den bösen Einbruch im Sektor Terminal-Systeme zurückzuführen. 1986 mit einem Marktanteil von 17 Prozent noch als zweitgrößter Anbieter von IBM-kompatiblen Terminals gehandelt, wurden die Stuttgarter von der Preis- und Produktpolitik des Marktführers 1987 kalt erwischt. SEL, so Brendel, geriet in eine "Reaktionsnotwendigkeit", die die Anpassung von Preisen und Serviceleistungen erforderlich machten, was jedoch Zeit brauchte. Darüber hinaus kam es zu zeitweiligen Produktlücken, denen man erst jetzt mit einer neuen Modellreihe 3270-kompatibler Systeme (von OEM-Partner Beehive aus den USA) begegnen kann. Die vier Terminals werden auf der kommenden CEBIT erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

Produktlücken erschwerten Geschäft

Konkrete Zahlen über den wahren Umsatzrückgang in der sparte IBM-kompatibler Terminals waren von Werner Brendel indes nicht zu erfahren. Insider sprachen jedoch von einer Minus-Quote von mehr als 20 Prozent. Tatsache ist, daß die Zahlen weit unter dem Vorjahresumsatz liegen müssen, da das Ergebnis von den übrigen Geschäftsbereichen nicht aufgefangen werden konnte.

Für die Zukunft hat die SEL-Mannschaft der Unternehmensgruppe Bürokommunikation ehrgeizige Ziele. Im laufenden Jahr wollen die Schwaben um fünf Prozent, ab 1989 gar um zehn Prozent wachsen. Darüber hinaus ist es Brendels erklärte Absicht, bis 1989 mehr als 50 Prozent des Umsatzes mit eigenentwickelten Produkten zu machen. Auch solle das Exportgeschäft durch diese Eigenentwicklungen wieder entscheidend angekurbelt werden. Große Pläne haben die Stuttgarter in Berlin. Bis 1990 soll die gesamte Fertigung der Unternehmensgruppe Bürokommunikation, selbst die bislang in Fernost produzierten IBM-kompatiblen Terminal-Systeme, in die ehemalige Reichshauptstadt übersiedeln. Während noch in diesem Jahr die Fertigung der Telekopierer und Terminals in Berlin beginnen wird, soll 1989 die Nebenstellentechnik folgen. Investitionsvolumen dieser Restrukturierung: 10 bis 15 Millionen Mark.

Gesamte SEL-Fertigung geht nach Berlin

Arbeitsplätze jedoch bleiben durch diese Maßnahme nicht erhalten. Brendel betonte erneut, daß der Personalbestand von 2800 Ende letzten Jahres in den kommenden zwölf Monaten auf rund 2200 reduziert werde. Davon sollen etwa 1600 auf die Fabrikation und 600 auf "sonstige Bereiche", wie Software-Zentren beziehungsweise Vertrieb, entfallen. Dieses Niveau wolle man dann, so Brendel, auch in Zukunft halten. Damit allerdings widerspricht er der SEL-Darstellung vom Dezember 1987g, als man weniger Kündigungen versprach. Nach Arbeitsniederlegungen der Belegschaft und massiven Vorstößen des Senats hatten die SEL-Verantwortlichen angekündigt, statt 600 nur 300 Netarbeiter zu entlassen.

Andererseits versicherte Brendel, daß sich die Produktionsverlagerung nach Berlin arbeitsplatzmäßig nur geringfügig auf die anderen Standorte auswirken werde. Brendel wörtlich: "Betroffen wird nur das Werk Gunzenhausen sein, in dem derzeit die privaten Nebenstellenanlagen gefertigt werden. "Wenn sich der SEL-Vorstand allerdings so an die Versprechungen hält wie in Sachen Berlin, wird noch mancher SEL-Mitarbeiter in diesem Jahr eine böse Überraschung erleben.