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11.07.1997 - 

IT-Controlling/Umfrage zeigt Defizite europäischer Finanzchefs auf

Selbst für den Beruf wichtige DV-Technik ist nicht bekannt

Finanzabteilungen produzieren immer mehr Daten. DV-Systeme setzen sie in Informationen um, die für unternehmenswichtige Analysen und Entscheidungen notwendig sind. So ist es nicht verwunderlich, daß Finanz- Manager fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit der Erstellung von Geschäftsanalysen und Management-Berichten verbringen. Ohne eine Unterstützung durch entsprechende Systeme könnten sie diese Arbeit kaum mehr bewältigen.

Doch machen IT-Systeme die Verwalter der Firmenkassen und ihre Teams tatsächlich produktiver? Ja, sagen 80 Prozent der Befragten. Trotz gesteigerter Produktivitiät scheint den überlasteten Controllern allerdings nicht mehr Zeit für Hobbies und Familie zu bleiben. Unisono beklagt fast die Hälfte von ihnen, daß sich ihre Arbeitszeit durch Informationstechnologie nicht verringert habe. Im Gegenteil: Einem Fünftel der europäischen Finanzgewaltigen hat die DV-Technik Mehrarbeit gebracht; in Deutschland merkten das 14 Prozent an.

Informationsüberlastung mit all ihren Konsequenzen ist ein Problem, mit dem viele Unternehmen in zahlreichen Abteilungen zu kämpfen haben. Wie gut und ausreichend sind die Informationen, die Finanz-Manager über ihre IT-Systeme erhalten? "Genau richtig", urteilt europaweit mehr als die Hälfte der befragten Controller, ein Drittel wünscht sogar mehr Informationen.

Mittlerweile erhoffen sich viele Firmen von teuren Investitionen in Data-Warehouses und Online Analytical Processing (Olap) Geschäftsvorteile. Bei der Analyse des IT-Bedarfs sind fast alle Befragten in den Entscheidungsprozeß involviert.

Ihr Mitspracherecht erstreckt sich dabei nicht nur auf die Kalkulation des System- und Budgetbedarfs. Die Mehrzahl identifiziert die Art der eingesetzten Applikationen nicht nur, sondern wertet die möglichen Lösungen auch aus. Die Entscheidung, welches System letztlich zum Einsatz kommt, bleibt allerdings den IT-Spezialisten überlassen.

Die Vielfalt der am Markt angebotenen Lösungen zwingt die Finanzchefs dazu, sich zunehmend mit Trendthemen in der Informationstechnologie auseinanderzusetzen. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Studie wider. Im Vergleich zum Vorjahr, als Hyperion diese Studie erstmals organisierte und dabei erhebliche Wissenslücken bei IT-Themen aufdeckte, kennen sich Finanz-Manager 1997 spürbar besser mit den sie betreffenden Schlüsselthemen in der Informationstechnologie aus.

Die Interviewten wurden gefragt, ob sie bereits von Client-Server, Olap und Data-Warehousing gehört hätten. Interessanterweise hat der Bekanntheitsgrad, verglichen mit den Vorjahresergebnissen, in allen Ländern erheblich zugenommen. Ein weiterer erfreulicher Aspekt: Die Erklärungen der einzelnen Begriffe waren jetzt auch wesentlich präziser.

Die Frage nach Client-Server konnten im europäischen Durchschnitt 81 Prozent (Deutschland: 83 Prozent) richtig beantworten, wobei die Briten mit 90 Prozent das Feld anführten. 1996 lag die gesamteuropäische Zahl bei nur 67 Prozent. Doch obwohl dieser Begriff seit Jahren in der IT-Branche die Runde macht, ist das Halbwissen um das Thema in allen Ländern frappierend. Die Antworten reichten von "Netzwerk, über das die Clients Informationen über das Unternehmen bekommen können" über "ersetzt einen Mainframe-Computer" bis hin zu "Hardware, an die ein PC angeschlossen ist".

Auch Data-Warehousing ist inzwischen ein bekannterer Begriff geworden. So gaben immerhin 69 Prozent (Vorjahr: 42 Prozent) an, davon bereits gehört zu haben. Doch auch hier besteht Unklarheit, was denn nun darunter genau zu verstehen sei. Nach Ansicht zahlreicher Auskunftgeber handelt es sich um einen "Datenpool", ein "Datenbanksystem" oder ein System, mit dem sich eine "Bibliothek mit wichtigen Informationen" erstellen läßt, so die überwiegenden Antworten aus dem deutschen Lager.

Fast gänzlich unbekannt war bei der Umfrage im letzten Jahr der Begriff Olap. Damals hatten ihn nur drei Prozent der Befragten schon gehört. Viel hat sich daran nicht geändert, doch stieg der Bekanntheitsgrad auf immerhin 14 Prozent im europäischen Durchschnitt. Das könnte auf zunehmendes Interesse an Olap-basierten Lösungen für die Planung und Analyse im Finanzbereich hindeuten.

Europas Finanz-Manager sind Arbeitstiere. Laut Vertrag sollen sie im Durchschnitt 38,4 Stunden pro Woche in der Firma verbringen. Doch bewältigen läßt sich ihr Arbeitspensum in dieser Zeit kaum, beklagen die Manager. Über 50 Stunden, so die Einschätzung, müßten sie durchschnittlich erbringen. Die in der Studie befragten Finanzdirektoren mit Vorstandsfunktionen arbeiten dabei nur wenig, nämlich drei Stunden, länger.

Streßfestigkeit ist in Finanzabteilungen zunehmend gefragt. Überstunden und Arbeitsdruck lassen die Belastung steigen, sagt über die Hälfte der Befragten. Signifikante Abweichungen ergeben sich dabei in den einzelnen Ländern. Insbesondere Italiener (23 Prozent) beklagen wachsenden Streß, ihre holländischen Kollegen hingegen scheinen den zunehmenden Druck perfekt in den Griff zu bekommen - nur einer von 100 klagt. Deutsche Manager sind in diesem Punkt "mittelmäßig". In der Finanzbranche wird der Arbeitsplatz selten gewechselt. Interessanterweise sind 61 Prozent der Kassenwarte seit mehr als drei Jahren in ihrem gegenwärtigen Job. Stabile Arbeitsverhältnisse sind insbesondere in Deutschland üblich, wo mehr als drei Viertel der Befragten in dieser Funktion für nur eine einzige Firma gearbeitet haben.

Was sind die größten Probleme für Finanz-Manager, wenn sie genau budgetieren müssen? Richtiges Timing, lautet die einstimmige Antwort aller Europäer. Über die Hälfte beklagt, daß die Budgetierung zu lange dauere.

Mehr als ihre europäischen Kollegen scheinen die Deutschen außerdem unter mangelnder Kommunikation zu leiden. Die Budgetierung verzögere sich, da Informationen nicht in ausreichendem Maß zwischen den verschiedenen Hierarchieebenen ausgetauscht würden. Der Einsatz von Intranets zur Verbesserung der Unternehmenskommunikation könnte hierbei Abhilfe schaffen. Doch danach sieht es entgegen dem ersten Eindruck nicht aus.

Große und mittlere Unternehmen in Europa bauen zunehmend auf die Nutzung von Internet-Technik. Jeweils rund ein Drittel der Befragten gab an, daß ihr Unternehmen bereits ein Intranet betreibe oder plane. Die deutschen Finanzchefs entpuppten sich dabei als weniger aufgeschlossen. Nur ein Fünftel nutzt derzeit ein Intranet (Großbritannien: 45 Prozent), ein Drittel beabsichtigt die baldige Einführung.

Doch von Nachholbedarf keine Spur: Knapp die Hälfte der Deutschen - nach Italien (50 Prozent) die zweithöchste Quote in Europa - hat derzeit keinen Intranet-Plan in der Schublade. Übereinstimmend positiv bewerteten hingegen diejenigen Finanz-Manager, deren Unternehmen bereits mit dieser Technik arbeiten oder es vorhaben, deren technologischen Nutzen als Lieferant wichtiger Finanzinformationen.

Zuwenig Zeit für strategische Planung

Mehr Zeit als bisher würden die Finanzentscheider gerne auf strategische Planung verwenden. Durchschnittlich verbringen sie ein Viertel ihrer Zeit mit dieser Tätigkeit. Strategische Planung, Spezialisierung auf Informationstechnologie und zukunftsweisende Ausrichtung könnten in den kommenden zwei bis fünf Jahren die Rolle des Finanz-Managers stärker als bisher prägen.

Ähnlich lauten die Antworten auf die Frage, wie sich die Finanzorganisation im gleichen Zeitraum verändern könnte. Als wichtigster Faktor kristallisierte sich der zunehmende Einsatz von Technologie heraus, gefolgt von einer verstärkten europäischen Ausrichtung. Auch auf härteren Wettbewerb müssen sich die Unternehmen einstellen, glauben 16 Prozent der Antwortenden. Die europäische Währungsunion reihen die Finanz-Manager als zweitwichtigste Herausforderung ein, der sich die Unternehmen in Zukunft stellen müssen.

Angeklickt

Für Computerspezialisten mag es erschreckend sein, wie wenig Fachwissen leitende Finanz-Manager haben, die ihren Daumen über Projekte heben oder senken, die über die DV-technische Zukunft von Unternehmen entscheiden. Doch es tut sich was. Das Wissen - zumindest die Fähigkeit zur richtigen Zuordnung von Begriffen, die in der DV-Gemeinde gang und gäbe sind - nimmt zu. Und noch rascher wächst der Wunsch der Finanzchefs, mehr zu erfahren. Daß dies so schnell nicht geht, die DV-Experten also weiterhin ihr Herrschaftswissen ausspielen können, liegt nicht zuletzt an den nicht gerade angenehmen Arbeitsbedingungen der Manager.

*Jens-Peter Heymann ist Marketing-Communications-Manager bei der Hyperion Software GmbH in Frankfurt am Main.