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07.08.1987 - 

Informationen mit Balken, Säulen und Torten garniert:

Selbstdarstellung mit Linien und Schraffuren

Aufgerüstete Personal Computer und 32-Bit-Workstations haben den Markt für Geschäftsgrafik in Bewegung gebracht. Mit neuen leistungsfähigen Softwarepaketen für diese Hardware-Gruppen wird die Lücke zwischen Low-cost-Lösungen auf der einen und maßgeschneiderten Großrechnerprogrammen auf der anderen Seite mehr und mehr geschlossen. Über Funktionalität und Einsatzmöglichkeiten von Mikroprogrammen für kommerzielle Grafiken berichtet Juergen H. Koch.

Nur wenige Software-Produkte treffen auf einen so offensichtlichen Bedarf wie die Grafikprogramme. Vor allem für die Entscheidungsfindung ist eine auf das Wesentliche reduzierte übersichtliche Datenpräsentation erforderlich. Neben traditionellen Hilfsmitteln wie Wandtafeln oder Flip-Charts bieten die vom Computer erstellten Grafiken unter anderem die Möglichkeit, wesentliche Informationen verständlicher und anschaulicher darzustellen.

Grafiken unterstützen die Entscheidungsfindung

Das notwendige Zahlenmaterial ist in den meisten Unternehmen vorhanden. Es wird von den DV-Anlagen in langen Listen ausgegeben, die in dieser Form nur umständlich zu interpretieren sind. Visuelle Informationssysteme extrahieren aus dem Bestand nur diejenigen Daten, die Führungskräfte zur Vorbereitung ihrer Entscheidungen benötigen, verdichten sie zu firmenindividuellen Kennzahlen und setzen sie in brauchbare Werkzeuge um. Grafikprogramme gibt es als integrierte Bestandteile von Tabellenkalkulations-SW oder als eigenständige Pakete.

Die Erstellung einer Computer-Grafik ist auch für jemand, der sich bislang kaum mit Problemen der visuellen Präsentation befaßt hat, einfach zu erlernen. Dazu wird zunächst die Gafikdatei in den Hauptspeicher des Rechners geladen. Mit den Bildschirmmasken werden Angaben über Grafiktypname, Beschriftung und Farbe erfaßt. Die Daten können mit Hilfe des Programms geordert, gelistet, analysiert und abgespeichert werden. Auf Tastendruck wird dann der gewünschte Grafiktyp am Bildschirm abgebildet. Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten wie Schraffuren, Umrandungen, Beschriftungen, Sichtweisen und Perspektiven bei 3D-Wiedergabe unterstützen die Wirkung der Grafiken. Stellt sich heraus, daß Grafiktyp oder Gestaltung noch nicht den Vorstellungen entsprechen oder die Darstellungsart die Fakten nicht optimal veranschaulicht, können Grafikart und Farbe jederzeit gewechselt werden.

Im wesentlichen arbeiten alle Programme mit den gleichen Darstellungsvarianten. Es gibt Kreis- oder Tortendiagramme, mit denen sich prozentuale Teilmengen besonders gut darstellen lassen. Durch sogenannte Explosionsdarstellungen können Segmente zur Verdeutlichung herausgehoben werden. Kurvendiagramme eignen sich vor allem für periodische Verläufe, wie etwa Geschäftsentwicklungen. Allerdings ist bei dieser Darstellungsform sehr auf eine sinnvolle Skalierung zu achten. Aus einer mehr oder weniger stagnierenden Geschäftsentwicklung wird zum Beispiel durch die Wahl geringer Wertdifferenzen aus der Umsatzskala eine steil ansteigende Kurve.

Am vielfältigsten sind die Verwendungsmöglichkeiten der Balken- und Säulendiagramme. Zeitliche Entwicklungen und Prozentanteile lassen sich damit genauso veranschaulichen wie Vergleichswerte zwischen verschiedenen Orten. Hierbei wird auch oft eine dreidimensionale Darstellung benutzt, um drei Variablen in einer Grafik zusammenzustellen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn man Umsatzzahlen des Unternehmens im zeitlichen Verlauf nach den verschiedenen Niederlassungen getrennt betrachten will. Eine andere Option, die ein Grafikprogramm enthalten sollte, ist die Kombination zweier Diagramm-Typen in einer Abbildung. So können etwa verschiedene Geschäftsbereiche in ihren prozentualen Anteilen als Tortendiagramm zusammen mit der jeweiligen Umsatzentwicklung in Form von Kurven gezeigt werden. Als weitere Variante bieten viele Programme die Verwendung einer Landkarte. Damit lassen sich regionale Unterschiede der Geschäftsentwicklung besonders einprägsam vermitteln. Auch die Kombination von Grafiken und Text beziehungsweise das Einfügen einzelner Abbildungen in ein vorhandenes Schriftstück ist mit einigen Programmen realisierbar.

Die Qualität der Bilder ist abhängig von Rechner und Ausgebegerät, mit denen man arbeitet. Mit einem grafikfähigen PC und einem Matrixdrucker lassen sich durchaus ansehnliche Bilder herstellen.

Sofern jedoch Bedarf an Abbildungen besteht, die im Bereich der Präsentations- und Animationsgrafik angesiedelt sind, wird in der Regel die Leistungsfähigkeit von Matrixdruckern schnell ihre Grenzen erreichen. Gleiches gilt auch für Personal Computer - und besonders dann, wenn aufwendige Rechenoperationen zur Darstellung und zum Bildaufbau gefordert sind. Zwar läßt sich der PC mit Hilfe eines mathematischen Coprozessors nachrüsten, was bereits zur Steigerung der Rechengeschwindigkeit beiträgt. Von weitaus größerem Nutzen dürfte jedoch der Ausbau eines AT oder AT-Kompatiblen mit einer "intelligenten" Grafikkarte zur "Personal Workstation" sein. Derartige Grafik-Boards sind mit einer zusätzlichen 32-Bit-CPU ausgerüstet und steigern je nach Anwendungsart und Softwarepaket die Rechengeschwindigkeiten und Programmabläufe um ein Mehrfaches.

Die Qualität der Bildausgabe kann durch den Einsatz eines Plotters erheblich verbessert werden, weil diese Geräte - im Gegensatz zu den Matrixdruckern - imstande sind, durchgehende Linien zu zeichnen. Aber auch die Ausgabe in Form eines Dias durch eine Bildschirmkamera ist denkbar. Voraussetzung für scharfe Fotos ist, daß der PC mit einer Farbgrafikkarte ausgerüstet ist. Bei diesem Verfahren wird die Kamera mit dem Computer verbunden. Eine mitgelieferte Treibersoftware sorgt für die automatische Belichtung der Filme. Innerhalb weniger Minuten erfolgt anschließend die Entwicklung, ohne daß man ein Labor aufsuchen müßte.

Von der Möglichkeit, Bilder auf Papier, Folie oder Dia mit Hilfe eines Großrechners zu erstellen, können auch PC-Besitzer Gebrauch machen. Dazu werden die darzustellenden Zahlen an den hauseigenen Rechner oder per Datenfernübertragung an ein Service-Rechenzentrum übermittelt. Einige Großrechner-Grafikprogramme sind sogar imstande, Tabellenkalkulationen vom PC direkt in Grafiken umzusetzen. Da auch reine Grafikprogramme Befehlsdateien ausgeben können, sind sie ebenso zu Grafiksystemen auf Workstations Minis und Großrechnern kompatibel. So lassen sich die einmal erfaßten Befehlsdateien zur weiteren Verwendung auch auf diese Rechnerarten transferieren.

Anwendungsfelder für grafische Präsentationen finden sich heute in allen Teilbereichen eines modernen Unternehmens. Ein Produktionschef zum Beispiel hat ständig wachsende Planungs- und Kontrollaufgaben zu erfüllen. Dabei geht es um die optimale Nutzung der Ressourcen, die Flexibilisierung der Fertigung oder der Materialwirtschaft. Hinzu kommt die Planung neuer Produktionsmethoden und -systeme, damit die Rationalisierungsreserven ausgeschöpft werden können. Visuelle Informationssysteme können sich da als sehr wirksam erweisen. Sie machen zum Beispiel Abweichungen von der Auslastungsplanung für Mitarbeiter und Maschinen offensichtlich. In der grafischen Darstellung springen auch steigende Lagerhaltungskosten und Ausschuß sofort ins Auge. Die Planung und Einhaltung der Lieferzeiten wird zuverlässiger, Lieferzeitanfragen des Verkaufs können umgehend beantwortet werden.

Grafik-Darstellungen lassen Änderungen ins Auge springen

Im Bereich des Marketing erleichtern Computergrafiken den Zugriff auf bisher erzielte Ergebnisse und können deren Zustandekommen transparent machen. Sie zeigen Wachstumsbereiche auf und helfen bei der Analyse von Fehlentwicklungen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Fähigkeit visueller Informationssysteme, binnen kürzester Zeit alle nur denkbaren Alternativen durchzuspielen. Ob es um Periodenvergleiche, Marktanalysen, Hochrechnungen, Preis- und Kostenbetrachtungen oder um die Effizienz der Vertriebswege geht, immer führen Computergrafiken zu erhöhter Übersichtlichkeit.

Wer Wert legt auf einen großen Umfang bildlicher Darstellungsmöglichkeiten, der sollte ein spezielles Grafik-Softwarepaket erwerben. Damit können neben den verschiedenen Diagrammen auch eigene Zeichnungen wie beispielsweise Organigramme angefertigt werden. Aus Grundelementen wie Linie, Kreis und Rechteck lassen sich mit Hilfe grafischer Eingabemedien - Maus oder Digitalisiertablett - die verschiedensten Formen herstellen und mit Texten etwa zu Vortragsfolien zusammenbauen.

Aber bei allen Möglichkeiten, die Grafiksoftware inzwischen bietet, sollte nicht der eigentliche Zweck dieser Hilfsmittel aus dem Auge verloren werden: nämlich komplexe Zusammenhänge möglichst einfach darzustellen. Zu viele Informationen lenken vom Kern der Botschaft ab.

Schließlich sollte das oberste Ziel immer die Klarheit der Aussage und nicht die Originalität der Grafik sein.

Juergen H. Koch ist freier Fachjournalist in München.