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23.01.1981

Selbstfinanzierung ist die Überlebenshilfe der Betriebe für die 80er Jahre:Finanzmanagement auf Basis der Buchhaltung

DÜSSELDORF - Die Hardware entwickelt sich sprunghaft, die Software hinkt nach - dieser Vorwurf trifft weniger die Programmierung als die Systementwicklung; denn sie muß mit eindeutigen Begriffen und Zusammenhängen die logischen Grundlagen für EDV-Abläufe bereitstellen. Hier fehlt es vor allem auf dem Gebiet der Finanzierung, weil der Schwerpunkt des Informationswesens seit jeher auf der Ermittlung des Ergebnisses lag.

Beim Finanzwesen beschränkte man sich auf Liquiditätsvorschau und globale Ermittlung von Finanzbedarf oder Finanzüberschuß, ohne daß den Quellen der Finanzströme und ihrer Verwendung im einzelnen und systematisch nachgegangen worden ist. Dieser Mangel ist um so weniger verständlich, als über 95 Prozent der Konkurse von Illiquidität und nicht von Ertragsverfall allein ausgelöst wurden. Heute, in Zeiten bedrohlich zunehmender finanzieller Scherenwirkungen ist diese Lücke eine tödliche Gefahr für Unternehmen, weil abnehmende finanzielle Ergiebigkeit nicht früh genug erkannt werden kann.

Doppik-Logik

Soweit Software Werte verarbeitet, liefert sie Ergebnisse für die Buchhaltung, die als Sammler und Ordner des Werteflusses auch selbst Gegenstand vieler Software-Pakete ist. Es wurde aber bisher mehr in die Buchhaltung hineingefüttert als herausgeholt; für die Auswertung fehlte ein computergerechter Systemansatz, vor allem für die finanziellen Vorgänge.

Hier bringt das Total Cash-Flow-System (TCF) eine Lösung, die sich bei der Analyse auf die bisher nicht ausgeschöpfte Logik der Doppik stützt. Durch Umkehrung der Abläufe können Fragen beantwortet, also Alternativrechnungen vorgenommen und Vorschau- oder Planungsrechnungen plausibel aufgebaut und wiederum vergleichbar analysiert werden.

Einfache Überlegungen liegen zugrunde: Die laufenden Geschäfte mit Dritten stellen auf finanzielle Abwicklung ab. Nur zur Ergebnisermittlung werden Abgrenzungen - darunter auch kalkulatorische - vom Kaufmann selbst zusätzlich in Bilanz und G+V-Rechnung spiegelbildlich eingefügt. Dieser Schleier kann selbsttätig entfernt werden, wenn man dem Reglement folgt, nach dem es geknüpft worden ist. Darm liegt der finanzielle Stoff frei und kann auf der Seite der Bilanz und in der G+V-Rechnung analysiert werden.

Ordnet man zudem sämtliche Konten in Schichten (Bereichen) an, so daß ein Fluß entsteht von der Herkunft der Mittel (Absatz) über ihren Verbrauch (Material, Mitarbeiter), dann fangen die untersten Schichten die finanziellen Überschüsse auf oder decken den Finanzbedarf. Es entsteht eine Doppelmatrix, Kerntabelle genannt:

Die Ausgangswerte in den Spalten 1 und 2 sowie 13/14 werden im Ist aus EDV-Speichern übernommen und können auch in einem rollierenden 12-Monats-Rhythmus gebracht werden (1. 2. bis 31. 1., 1. 3. bis 28. 2. und so weiter), der schleichende Trends deutlich macht. Das Umrechnen von Kerntabellen mit allen vier Grundrechenarten erlaubt es, Soll-/lst-Abweichungen als Differenz-Kerntabellen auszudrucken. Das System kann auf Unterkreise vorgeschoben werden (etwa Produktgruppen, Werke, Projekte), so daß Gesamtunternehmen abzüglich Summe der Unterkreise den nicht gesondert erfaßten "Over

head" ergibt - eine Fundgrube für Controlling und Revision. Für den Absatz von Planrechnungen stehen Ist-Werte von 14 x 2 x 10 = 280 Feldern als Anhaltspunkte zur Verfügung. Bei Simulationen und Planänderungen können sämtliche Werte in den Spalten 2 bis 14 absolut und in Verhältniswerten geändert sowie das Mehr- oder Minderergebnis einem Steueralgorithmus unterworfen werden.

Die Kerntabelle kann nur abgestimmte Meßdaten oder Fehlermeldungen liefern. Zur Unterrichtung der Unternehmensführung genügt die folgende Auswahl aus dem TCF-Kennzahlennetz.

Die Kennzahlen 1 bis 3 betreffen Finanzergebnisse aus G+V-Rechnung und Bilanz. Zur Errechnung von Einnahmen und Ausgaben (4) werden die Abgrenzungen (Spalten 7/8 und 9/10) nicht benötigt, der Finanzablauf kann also lange vor der Ermittlung von Ergebnisabgrenzungen und der Aufstellung von (Zwischen-)Abschlüssen zur Finanzsteuerung vorgelegt werden (Kennzahlen 4 und 5). Die Ertragsmarge (6) wird nach Herkunft (darunter auch Einnahme- oder Ausgabeüberschuß) und Verwendung gegliedert; aus ihrer Struktur kann auf die innere wirtschaftliche Lage geschlossen werden, weil sich in den Spalten 9/10 der Kerntabelle die Geschäftspolitik widerspiegelt. Die Kennzahlen 8

und 9 bieten bei negativer Entwicklung unübersehbare Warnzeichen.

Jeder Kenner von Modellen weiß, daß Meßdaten nur vergleichbar sind, wenn Grundlagen und Beziehungen eindeutig definiert wurden; Abweichungen können dann nur auf unterschiedlichen Mengen und/oder Wertansätzen beruhen. Ein typisches Beispiel dafür, wie eine Kennzahl nicht ermittelt werden soll, ist der konventionelle Cash-Flow-Begriff: Inhaltlich gibt es verwirrend viele Varianten, aber alle addieren nur Werte, die auf der Sollseite die Verwendung des Ergebnisses darstellen.

Die Herkunft der Ertragsmarge und damit der Anteil der Selbstfinanzierung aus der G+V-Rechnung bleibt ebenfalls unbekannt. Die aus ihrem Zusammenhang gerissene und unvollständige Kennzahl ist ein typisches Beispiel für schiefes Informationsmaterial, das bereits manche Fehlentscheidungen ausgelöst hat.

Ein so komplexes integriertes System wie TCF fordert den Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung. Erst die EDV-Technologie der 3. Generation ermöglicht die Verfahrensweise des TCF-Systems. TCF setzt auf die Daten der Buchhaltung auf (Abschlußdaten Ist oder Soll) und besteht aus vier Programmpaketen mit bis zu 17 Programmen.

1. Programmkreis: Analyse von Ist- und Planwerten einer Periode über eine Verrechnungsmatrix - genannt Kerntabelle.

2. Programmkreis: Simulationen, Planung, Sensibilitätsanalysen aufgrund von Kerntabellen (Simulation) oder Erstellung neuer Kerntabellen (Planung) absolut und/oder in Verhältniswerten.

3. Programmkreis: Planung und Kontrolle von betrieblichen Unterkreisen, Projekten oder Branchenanalysen etc. durch Umrechnung von Kerntabellen.

4. Programmkreis: Erkennen schleichender Trends und laufende Ist-Überwachung durch rollierenden 12-Monats-Rhythmus mit Zugriff in die Speicherbuchhaltung.

Um TCF weitestgehend EDV-herstellerunabhängig zu gestalten, wurde das System in ANSI-Cobol programmiert, belegt als Batch-Version rund 80 KB Hauptspeicher und benötigt LKLE, SDR, eine Platte (temporär) und zwei Bänder oder Platten.

Dieses Software-System kann bei Bedarf dem Benutzer auch als dialogorientierte Version verfügbar gemacht werden. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dieses in jedem Fall als sinnvoll erscheint. Der Einsatz von TCF führt zu keiner nennenswerten Mehrbelastung der EDV-Anlage. Die Abwicklung ist für AV/Operating sehr einfach, da das System eine automatische Ablaufsteuerung beinhaltet. Die Installation und Einweisung von TCF beim Benutzer erfolgt durch CAM. Es stehen Versionen für IBM DOS, OS und MVS, Siemens BS1000, BS2000 und BS3000, Univac OS/3, VS/9 und OS/1100 zur Verfügung.

TCF entlastet qualifizierte Mitarbeiter von manueller Rechenarbeit, kann von vorneherein wirtschaftlich eingesetzt werden und verursacht weniger Einmalkosten als ein Mitarbeiter bei fünfjähriger Beschäftigungsdauer.

TCF-Präsentation

DÜSSELDORF (je) - Dr. Helmut Neubert, Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf, und Detlef Falk Brauckmann, Geschäftsführer der Düsseldorfer Computer Anwendung für Management (CAM) GmbH, stellen in Ihrem Beitrag das Finanzmanagement-System TCF (Total Cash-Flow) vor, das sie für "In seiner Form einmalig" oder - so Brauckmann - gerade im Krisenfall für außerordentlich wertvoll halten. Erstmals vorgestellt wurde TCF Ende 1980 auf einem Seminar der Akademie der Wissenschaften , Neue Betriebswirtschaft, Heidelberg. Weitere Seminare sollen folgen. Entsprechende Kontakte hat die CAM GmbH beispielsweise zum Verband der Deutschen Glasindustrie aufgenommen, ferner zur Industrie- und Handelskammer in Geisenkirchen-Buer und zum Verband Deutscher Maschinenbau-Anstalten (VDMA). Die Anschrift der CAM GmbH ist Emanuel-Leutze-Str. 1, 4000 Düsseldorf 11, Tel.: 02 11/59 10 10.