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25.03.1983 - 

Unzufriedenheit mit Angebot treibt Benutzer zum Eigenbau

Selbsthilfe: Tools aus eigener Werkstatt

25.03.1983

STOLBERG - Immer häufiger gehen Anwender dazu über, ihre Werkzeuge und Verwaltungsprogramme selbst zu erstellen und zu vermarkten. Unzufriedenheit mit dem unzureichenden Angebot am Markt ist in vielen Fällen der Auslöser für diese Aktivität. Der Verkauf der gewonnenen Produkte ist dann ein logischer Schritt, um die Entwicklungskosten zu senken. Aus diesen Erwägungen heraus entschloß man sich in der DV-Abteilung des Pharma-Unternehmens Grünenthal in Stolberg, einen Bildentwurfsgenerator und ein Dialog-Dateiverwaltungssystem selbst zu entwickeln. Grünenthal betreibt eine Siemens 7.551 unter BS2000. DV-Leiter Joachim Spöth beschreibt in diesem Beitrag die Probleme und die gefundenen Lösungen.

Schon seit geraumer Zeit schauen wir Experten der Großrechner neidisch auf die kleinen Dialog-Anlagen, auf denen man so einfach eine Dialoganwendung programmieren kann.

Egal, ob nun eine /34 oder /38, eine 8870 auf dem Typenschild steht, wir sind neidisch - von den Mikrorechnern wollen wir gar nicht erst sprechen. Also bekamen wir feuchte Augen und rote Ohren, als wir vor Jahr und Tag die ersten Online-Anwendungen für unseren Mittelklasse-Rechner bastelten. Da mußten Steuerzeichen gerätespezifisch verarbeitet werden: Wofür hat man denn den Assembler? Da sind Bilder und ihre Formate im Programm zu verweben, da ist der Datentransport zwischen Bild und Datei zu gewährleisten. Es sind Daten auf das Terminal zu schreiben und von diesem zu lesen. Dabei müssen Formal-, Logik- und Berechtigungsprüfungen codiert werden.

Kurz und gut, man hatte wieder mächtig zu tun beim Programmieren. Wie schön war doch davor das Stapelzeitalter gewesen, wo wir alle Probleme der Parallelverarbeitung mit dem Generator für die normierte Programmierlogik so elegant erschlagen haben.

Und unser großer Hardwarehersteller bot uns für das Dialogzeitalter nichts anderes an als

- ein komplexes Betriebssystem,

- Cobol und Assembler

- und ein paar sogenannte Werkzeuge.

Diese Werkzeuge waren bescheiden und sind es zum Großteil heute noch. Die Software-Häuser erheben zwar mit Hochglanz-Prospekten, teueren PR-Maßnahmen und auch sonst einen hohen Anspruch, aber einfache Werkzeuge wie einen Bildentwurfsgenerator oder gar einen Dialog-Programmgenerator haben wir bislang nicht entdeckt.

Selbsthilfe

Also haben wir uns an die Arbeit gemacht und selbst verschiedene Werkzeuge entwickelt:

- einen Bildentwurfsgenerator (Grunibild),

- eine universelle Dialog-Dateiverwaltung (Grunidav).

Die Merkmale des Bildentwurfsgenerators (Grunibild) sind:

- der Entwurf erfolgt auf einfache Weise am Sichtgerät,

- der Bildentwurf wird katalogisiert,

- unmittelbar mit dem Entwurf ist die Bildmaske erstellt,

- unmittelbar mit dem Entwurf ist der Datentansport vom/zum Datensatz ablaufbereit,

- unmittelbar mit dem Entwurf werden auch die Prüfungen auf numerisch, Feldlänge und Zugriffsberechtigung generiert,

- die Eingabe der Daten kann vollständig formatfrei erfolgen, das heißt, ohne führende Nullen, ohne Dezimalnullen, mit und ohne Trennpunkte und

- es wird nichts kompiliert, alles ist sofort ablauffähiger Programmcode.

Zur Beziehung zwischen Maske und Datensatz wird lediglich eine Satzbeschreibung mit folgenden Parametern benötigt: Feldnummer, Feldbezeichnung, Speicherungsform, Feldadresse im Satz, Anzahl Vor- und Nachkommastellen und Zugriffsberechtigung.

Masken schnell erstellt

Eine Bildmaske ist in wenigen Minuten erstellt und katalogisiert. Genauso schnell und einfach kann sie wieder geändert werden (Veränderung des Layouts, Hinzufügen und Entfernen von Konstanten und Variablen). Und das alles geschieht ohne Kompilierung.

Dadurch ist es möglich, zum Beispiel für eine Massenänderung blitzschnell eine spezielle Bildmaske mit den ausgewählten Feldern zu erstellen.

Das zweite von uns entwickelte Werkzeug ist die universelle Dialog-Datenverarbeitung (Grunidav). Es ist bekannt, daß Dateiverwaltungen und Datenerfassungsprogramme immer die gleichen Funktionen benötigen:

- aufnehmen, ändern, kopieren, zeigen und löschen von Dateien, Sätzen und Feldern,

- prüfen beim Aufnehmen, Ändern und Löschen,

- melden von Fehlern,

- abbrechen und beenden einer Aufgabe,

- schützen vor konkurrierendem Zugriff und

- logging.

Dabei ist es gleichgültig, ob ein Personalstamm oder eine Auftragsdatei verwaltet wird, ob Leistungsdaten oder Bestandsbewegungen erfaßt werden - die Funktionen sind immer gleich. Grunidav enthält diese Funktionen und natürlich den oben beschriebenen Bildentwurfsgenerator. Alle Dateiarten können verwaltet werden, Standard-Organisation ist ISAM. Es sind natürlich Schnittstellen vorhanden für individuelle Zugriffe und Prüfungen. Die Dateiverwaltung bietet den bereits erwähnten Satzschutz und Zugriffsberechtigung bis auf Feldebene.

Eine mittelschwere Dateiverwaltung mit fünf unterschiedlichen Bildmasken und 100 Feldern ist danach in einigen Stunden erstellt und ablauffähig, ohne daß eine Programmzeile codiert werden muß. Danach müssen natürlich noch die logischen Prüfungen (gegen Tabellen, Kombinationsprüfungen) programmiert werden. Wer diese Prüfungen in einer Stapelanwendung codiert vorliegen hat - der kann sie mit wenigen Handgriffen einfach einfügen.