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03.04.1981 - 

Mit 80 000 kommerziellen DV-Anlagen im zweiten Rang:

Selbstkritik stützt Japans Erfolgsleiter

TOKIO (bi) - Zurückgefallen auf Platz drei der Weltrangliste sind die Deutschen, was die Gesamtzahl der im Lande kommerziell eingesetzten Rechner anbelangt. Ranglistenzweiter ist jetzt Japan. Das berichtet Professor Klaus Jamin von der Fachhochschule München, der die innerjapanischen Verhältnisse auf der DV-Anwenderseite während eines Symposiums in Tokio studieren konnte. Er ist ferner zu dem Schluß gekommen, daß auch Platz eins, bisher unbestritten von den Amerikanern gehalten, rein zahlenmäßig von den japanischen Senkrechtstartern ins Wanken gebracht werden könnte. Stolz seien die Japaner auch darauf, daß sie inzwischen 65 Prozent ihrer DV-Anlagen im Lande selbst herstellen; bei Großsystemen bleiben sie von IBM abhängig.

Jamin stützt sich auf Werte aus einem Referat von Professor Masakazu Uzawa von der Universität Aoyama Gakuien in Tokio.

Die Jamins Aussagen zugrundeliegende Gesamtzahl 80 000 (ohne Spezialsysteme und ohne Mikrocomputer) enthält zu 83 Prozent mittelgroße und kleine Anlagen. Deshalb relativiert sich der Wert dieser Rangliste, dennoch bleibt für die Deutschen bemerkenswert, wer all diese Anlagen einsetzt - in erster Linie nämlich mittelgroße und kleine japanische Industriebetriebe, die den Sprung in die Datenverarbeitung frühzeitig gewagt haben, im Gegensatz zum deutschen Unternehmer der, sei es aus Scheu vor dem Computer, sei es aufgrund seiner Unwissenheit über die Einsatzmöglichkeiten von EDV-Systemen, weit weniger schnell moderne Methoden und Verfahren anwendet. Die folgende Übersicht zeigt ähnliche Zahlen wie in anderen Ländern. Relativ hoch ist allerdings der Einsatz von Computersystemen im Schulbereich.

Die drei größten Hersteller sind Fujitsu, Nippon Electric und Hitachi. Es folgen Toshiba und Mitsubishi Electric. Hersteller kleiner und kleinster Systeme sowie von Mikrocomputern sind vor allem Mitsubishi Electric, Ricoh, Sharp, Casio, Canon und verschiedene andere Betriebe.

Die Anwendung der Datenverarbeitung im kommerziellen Bereich kann in drei Kategorien eingeteilt werden:

- Computereinsatz als Hilfsmittel im wissenschaftlichen und technischen Bereich (des kommerziellen Betriebes);

- Anwendung als Informationssystem (Datenspeicherung und Wiedergewinnung);

- Anwendung als Kontrollinstrument.

80 Prozent der EDV-Systeme im kommerziellen Bereich werden im wesentlichen zur Informationsspeicherung und Wiedergewinnung benutzt.

Die Anwendung der Datenverarbeitung in Punkt 1 und 3 ist problemlos und sehr zufriedenstellend für die einzelnen Unternehmen. Probleme liegen im Hauptanwendungsbereich und werden nach Aussage des Referenten für Japan in Zukunft eine Reihe von neuen Aufgabenstellungen mit sich bringen.

Unter anderem handelt es sich um folgende Problemkreise.

Uneffektiver Einsatz des Rechners als Speichergerät

Computer in Japan werden in den Betrieben überwiegend in der Datenspeicher- und Wiedergewinnung eingesetzt und nicht als echtes Management-Hilfsmittel. Die Betriebe sehen in den EDV-Systemen Geräte, um große Datenmengen mit hoher Genauigkeit, Schnelligkeit und Sicherheit zu speichern und in verschiedenen Varianten wieder auszugeben. Verbunden mit der Art des Einsatzes sind unter anderem folgende Teilprobleme:

- Unklarkeit über effektiven Einsatz der Datenverarbeitung;

- Fehlererkennung und Fehlerkorrektur bringen Probleme mit sich;

- die Datenerfassung wird zum Engpaß;

- die Formate der Datenausgabe passen nicht zu der danach folgenden Auswertung dieser Ergebnisse;

- Ausnahmen können nur mit Schwierigkeiten bewältigt werden;

- einige Probleme entstehen durch die japanische Sprache selbst.

Das Management mißversteht den Computer

Infolge der früheren schlechten Ausbildung zu Computerfachleuten oder der einseitigen Ausbildung zu Nur-Computerfachleuten, ist das heutige Management trotz des hohen Einsatzes von EDV-Systemen meist nicht in der Lage alle Möglichkeiten der Datenverarbeitung zu erkennen. Also beeinflußten in der Vergangenheit und tuen dies teilweise immer noch diejenigen den Einsatz der Datenverarbeitung, die zum Beispiel zum Programmierer oder zum Systemanalytiker ohne umfassende Kenntnisse ausgebildet wurden. Professor Masakazu Uzawa begründete diese Aussage mit der bisherigen Schulung, die sich vor allen Dingen auf die folgenden Aspekte konzentriert:

- Erklärung des Computers zur einfachen Maschine;

- Erklärung der einfachen Strukturen der Datenverarbeitung ohne deren Funktionen zu behandeln;

- starke Tendenz nur die Programmierung zu lehren;

- Schwerpunkt der EDV-Schulung auf der Hardware und weniger auf den Einsatzmöglichkeiten der Datenverarbeitung.

Sinkende Bedeutung des Büro-Managements

Vor dem Einsatz von datenverarbeitenden Maschinen wurde das Büromanagement als bedeutender Funktionsträger in vielen Unternehmen und Bereichen der Behörden angesehen. Mit dem Einsatz von DV-Systemen verpaßte das Büromanagement die Chance, auch diese Systeme zu benutzen, besonders aber effektiv anzuwenden. Das Ergebnis waren Versuche, die manuellen Verfahren mit Hilfe von anderen technischen Hilfsmitteln zu ergänzen, anstatt sich des Computers zu bedienen. Damit verpaßte man jedoch die Chance, den Managementprozeß auch von der Büroseite her zu verbessern und überließ die Rationalisierung im wesentlichen dem Bereich der Fertigung.

Erfahrene Systemanalytiker fehlen

Viele Programmierer wurden in Japan in den letzten Jahren ausgebildet; Systemanalytiker, die die Anwendung des Computers beherrschen und dem Management neue Anwendungen zeigen können, wurden bei der Ausbildung aber vergessen.

Folgende Maßnahmen wurden vorgesehen, um diesen Problemkreis, der vor allen Dingen in der kommerziellen Datenverarbeitung entstanden ist, zu sprengen:

- Anwender und Manager müssen umgeschult werden;

- die Büroautomation muß stark verbessert werden;

- Systemanalytiker müssen geschult werden;

- Der Anwender muß seinen gesamten Betrieb auf die Anwendungsmöglichkeit von Datenverarbeitung hin untersuchen.

Die zehn häufigsten Fehler beim Einsatz von Datenverarbeitungsanlagen in Japan sind:

1. Fehler durch Mißverstehen der Möglichkeiten eines Computersystems;

2. Fehler des Managements, das den Computer nur als Rechenmaschine sieht;

3. Fehler in den Überlegungen, den Computer als Informationsmaschine für alle Informationen eines Betriebes einsetzen zu können;

4. Fehler in der Gewichtung von Hardware und Software;

5. zu hohe Bewertung technologischer und mathematischer Aspekte;

6. falsche Gewichtung innerhalb der Hardware auf die Zentraleinheit und weniger auf die Peripherie;

7. Fehler bei der Verlagerung des Grundverständnisses für die Datenverarbeitung allein auf die Programmierung.

8. Fehler durch Ausbildung zu vieler Programmierer;

9. Fehler durch zu geringe Bewertung der Systemanalyse;

10. Fehler durch falschen Einsatz von Systemanalytikern.

Das Ergebnis der Veranstaltung zeigte, daß auch Japaner bei dem Einsatz von Datenverarbeitungssystemen Probleme haben, ähnlich denen in Deutschland und den USA. Es wurde jedoch auch ganz deutlich, daß man in Japan energische Versuche macht den falschen beziehungsweise oft unökonomischen Einsatz der Datenverarbeitung zu verhindern - um in Zukunft auch im kommerziellen Bereich so effektiv arbeiten zu können wie in der automatisierten Produktion.

Computereinsatz in Japan

Private Unternehmen 56,6 %

Staatliche Betriebe 22,8 %

Behörden 14,6 %

Schulen 2,8 %

andere Organisationen 3,2 %