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29.03.2002 - 

Bei SAP wird Eigeninitiative groß geschrieben

Selbstverantwortliche Macher gesucht

MÜNCHEN - Die Walldorfer Softwareschmiede SAP mauserte sich zum Wunscharbeitgeber Nummer eins der IT-Profis. Selbständiges Arbeiten und kurze Kommunikationswege locken die Bewerber in die kleine Stadt bei Heidelberg. Von CW-Mitarbeiterin Bettina Wirth

"Wir suchen Leute, die eigeninitiativ und selbstverantwortlich arbeiten, also eine Just-do-it-Mentalität mitbringen." SAP-Personalleiter Ingo Nicolay hat noch offene Stellen zu bieten. Im weltweiten IT-Department arbeiten rund 1000 Mitarbeiter, in Service und Support insgesamt 3300. Die Gesamtzahl der Mitarbeiter beläuft sich weltweit inzwischen auf 27000. Analog zur Geschäftsentwicklung wachse SAP moderat, aber: "Wir suchen immer Spezialisten, etwa zum Thema Sicherheit. Dieser Bereich spielt für Web-Betreuer ebenso wie für unsere internen Business-Applikationen eine große Rolle."

Nach dem Prinzip "Just do it" organisieren die Walldorfer auch ihre Freizeit. Das Unternehmen bietet Sportmöglichkeiten zuhauf. Außerdem gründeten die Mitarbeiter ein Symphonieorchester, eine Bigband und eine Kabarett-Truppe. "Der Umgang ist locker", so Nicolay über das soziale Miteinander der Mitarbeiter. Jochen Keller, Leiter Personal-Marketing und Recruiting, ergänzt: "Wir erfüllen die Erwartungen der Mitarbeiter überdurchschnittlich, und das liegt nicht nur am kostenlosen Mittagessen."

Die Integration in die Unternehmenskultur spielt hierbei eine wichtige Rolle. Der Softwareriese gewährt neuen Mitarbeitern eine Einarbeitungsphase von einem halben Jahr. Während dieser Zeit wechseln sich Lernen "on the job" und Seminare ab. Zusätzlich übernimmt ein Kollege die Patenschaft für den neuen Mitarbeiter, erklärt auch einfache Dinge und hilft, sich in der neuen Abteilung zurechtzufinden.

"Just do it" dachte sich wohl auch der Vorstand, als die Kommunikation im Unternehmen von den Mitarbeitern kritisiert und darauf eine Informationsoffensive gestartet wurde. Nicolay berichtet: "Über alle Hierarchieebenen hinweg informieren wir unsere Beschäftigten über Geschäftsstrategien, Inhalte und Veränderungsprozesse." Außerdem haben die Mitarbeiter halbjährlich die Möglichkeit, in einer elektronischen Umfrage ihre Chefs zu bewerten und mitzuteilen, wie sie mit ihrem Umfeld zufrieden sind. "In besonderen Sitzungen infomieren wir anschließend jede Abteilung über die Ergebnisse und welcher Änderungsbedarf sich daraus ergibt."

SAP wird von den IT-Profis als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen. Nicolay führt dies nicht zuletzt auf die gute Positionierung am Markt zurück: "Hier spielt das Thema Sicherheit des Arbeitsplatzes eine große Rolle." Analysten bewerten Produkte und Geschäftsstrategie als positiv. Zwar wurde bemängelt, dass SAP nur um 17 Prozent gewachsen sei, doch schließlich seien alle anderen Konkurrenten im letzten Geschäftsjahr geschrumpft. SAP hat eigenen Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von 6,265 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Außerdem bietet der Softwarehersteller seinen Mitarbeitern vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten: Von Management- und Fachkarrieren über den internen Wechsel von der Entwicklung zur Beratung bis hin zum Auslandseinsatz ist alles machbar. "Auslandserfahrungen sollte jeder Mitarbeiter einmal sammeln. Wir unterstützen das mit einem Programm namens Global Mobility", so Nicolay. Ein Team klärt für den Mitarbeiter, wie er schnellstmöglich von A nach B kommt, und unterstützt ihn bei allen Fragen zu den rechtlichen, sozialen und finanziellen Rahmenbedingungen.

Dass Teamarbeit und unkomplizierte Abstimmungswege bei SAP großgeschrieben werden, zeigt auch der humorvolle Umgang der Mitarbeiter mit der latenten Raumnot, die in der Walldorfer Zentrale seit den Wachstumsjahren 1991/92 herrscht. Nicolay gesteht: "Wir wachsen schneller, als wir Räume zur Verfügung stellen können." Ein Umstand, den das Unternehmen sicher nur eingeschränkt bedauert.

Die SiegerLaut einer CW-Umfrage unter 700 IT-Profis sind SAP, IBM und Microsoft die drei beliebtesten IT-Arbeitgeber (Über die Ergebnisse der Studie berichteten wir in CW 11/02, Seite 92). Diesmal porträtieren wir die Sieger der Kategorie Anbieter. In der nächsten Ausgabe lesen Sie mehr zu den Gewinnern unter den Anwenderunternehmen.