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14.12.1990 - 

Sanierungskosten sollen noch in diesem Jahr bilanziert werden:

Sema Group erwartet 1991 wieder Gewinn für ADV/Orga

HAMBURG (vwd/CW) - Die ADV/Orga AG, Wilhelmshaven, wird nach einem Bilanzverlust in Höhe von knapp 29 Millionen Mark im Geschäftsjahr 1989/90 auch im Rumpfgeschäftsjahr 1990 noch Verluste hinnehmen müssen. Das teilte der Vorstandsvorsitzende Georg Spiewok mit. Im kommenden Jahr will man wieder Gewinn machen.

Die Norddeutschen haben ein bewegtes Jahr hinter sich: Anfang des Jahres mehrheitlich von der britisch-französischen Sema Group Plc. übernommen, mußten sie sich unter anderem eine empfindliche Ausdünnung der Personaldecke - von 649 Mitarbeitern Ende Juni 1989 auf 425 Ende September 1990 - gefallen lassen. Ein Nettoverlust von 13,8 Millionen Mark in der Bilanz 1988/89 hatte die Sparmaßnahmen erforderlich gemacht. Auch die Projektlandschaft wurde durchforstet - Unwirtschaftliches fiel dem Rotstift zum Opfer. Folglich sank der Umsatz von 70 Millionen Mark im Geschäftsjahr 1988/89 auf etwas mehr als 58 Millionen Mark im vergangenen Bilanzzeitraum. Wirkung zeigte auch die aktuelle Gewinn- und Verlustrechnung: Zirka 18 Millionen Mark kostete das von der Muttergesellschaft verordnete Sparprogramm; gut zehn Millionen Mark setzte Sema im operativen Bereich der Wilhelmshavener zu.

Weitere Restrukturierungsmaßnahmen sind nach den Worten von Francois Dufaux, Vizepräsident der Sema Group, erforderlich. Die Kosten hierfür sollen in die laufende Rumpfbilanz aufgenommen werden, um 1991 wieder profitabel arbeiten zu können. Das Geschäft im Jahr 1990, so ADV/Orga-Vorstandschef Georg Spiewok, werde also noch einmal Verluste verursachen. Eine Umsatzerwartung für das kommende Jahr wollten weder Spiewok noch Dufaux aussprechen.

Mit der Triebfeder ADV/Orga will Sema das deutsche Geschäft in Größenordnungen katapultieren, wie sie nach Unternehmensangaben in den Heimmärkten Frankreich und Großbritannien vorhanden sind: Bisher mache der Software-Multi zehn Prozent seines Umsatzes hierzulande; Frankreich steuere 35 Prozent, Großbritannien 40 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Dufaux: "Für uns ist es international wichtig, die Branchen Industrie sowie Banken und Versicherungen auch auf dem deutschen Markt abzudecken."

Die neue Wilhelmshavener Tochter, so ist es im Organigramm der Gruppe vorgesehen, soll speziell im Marktsegment der kommerziellen Systeme reüssieren und unter anderem die Entwicklung der Mainframer-basierten Finanz-, Logistik- und Personalsoftware I-Linie leiten, während die Kölner Niederlassung, Sema Group GmbH, sich auf die Planung und Realisierung technischer Informationssysteme zu konzentrieren habe. In die I-Linie-Entwicklung sind laut Sema in diesem Jahr bereits 16 Millionen Mark investiert worden.

Den notorischen Akquisitionseifer der Sema Group neben ADV-Orga sind in diesem Jahr noch das Bielefelder-Markt- und Meinungsforschungs-Institut Emnid GmbH und das französische Finanzierungsunternehmen Tibet SA mehrheitlich übernommen worden - erklärte Dufaux vor allem mit den Anforderungen des Software-Weltmarktes: Die zurückgehende Nachfrage auf den US-Märkten führe dazu, daß amerikanische Anbieter zunehmend nach Europa drängten. In diesem Wettbewerb könnten nur Große bestehen.

Die Sema Group verzeichnete in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 1989/90 ein Umsatzwachstum von 38 Prozent, wovon 19 Prozent auf Firmenzukäufe zurückzuführen sind der Rest ist "organisches Wachstum", heißt es. Das Geschäftsvolumen erreichte umgerechnet 558 Millionen Mark in den ersten sechs Monaten, 864 Millionen im Gesamtjahr 1989/90 (noch ohne die ADV/Orga-Akquisition). In einigen Ländern, klagte Dufaux, sei das Sema-Geschäft gleichwohl rückläufig gewesen: Zum Beispiel habe das britische Geschäft unter den Kürzungen des Verteidigungshaushaltes gelitten.