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14.05.1993 - 

Multiprozessor-Systeme unter Windows NT

Sequent setzt mit Winservern voll auf die Marktmacht von Microsoft

Die Winserver-Modelle "1000", "1500" und "3000" stammen aus einer Zusammenarbeit mit Superserver-Hersteller Tricord Systems Inc. Wie Sequents Marketing-Manager Wilfried Schulte aeusserte, handelt es sich bei den Modellen 1000 und 1500 um Tricords Powerframe- Systeme, die in Deutschland Memorex Telex vertreibt. Der 3000- Rechner entspricht Tricords "K2"-Modell. Lediglich der "Winserver5000" ist ein reines Sequent-Produkt, bei dem die bekannte "Symmetry"-Architektur Pate stand.

Schon bei den ersten Verlautbarungen zu der neuen Rechnerlinie Anfang Februar 1993 sah sich Sequent-CEO Casey Powell gegenueber der Oeffentlichkeit im Erklaerungsnotstand: Die alleinige Ausrichtung auf ein einziges Betriebssystem erschien Marktbeobachtern als ausgesprochen riskant. Seinerzeit versuchte der Sequent-Chef, entsprechende Bedenken mit dem Hinweis auszuraeumen, sein Unternehmen bleibe auch weiterhin auf Unix eingeschworen. Um sich als Anbieter offener Systeme etablieren zu koennen, muesse man aber sowohl NT als auch Unix anbieten koennen (vgl. CW Nr. 5 vom 29. Januar 1993, Seite 22: "Sequent hofft mit Windows NT...").

Insider sehen in der Ausrichtung einer kompletten Produktpalette auf die Betriebssystem-Software eines einzigen Herstellers jedoch eine eindeutige Verbeugung vor der Marktmacht von Microsoft. Gefragt, ob die Sequent-Entscheidung in erster Linie sachlich, also von der Analyse der Technologie, dem Leistungsprofil von NT bestimmt gewesen sei, oder ob Sequent in einen Marktsog geraten sei, konzedierte Schulte: "Microsoft verkoerpert nun die Marktmacht, die die IBM einmal innehatte. An dieser muss man sich ausrichten, oder man geht unter."

Trotzdem erweckte die selbstgewaehlte Beschraenkung auf ein Betriebssystem bei Brancheninsidern einiges Unverstaendnis: Schon vor anderthalb Jahren hatte das Marktforschungsinstitut Forrester Research bei Parallan moniert, sich auf eine einzige Systemsoftware - seinerzeit OS/2 - festzulegen.

Der Superserver-Hersteller hat diese Entscheidung mittlerweile korrigiert, neben IBMs NT-Konkurrenzprodukt bietet man nun auch Netware auf Server-295-Rechnern an. Die Unix-Unterstuetzung - so OEM-Partner Big Blue - werde ueberdacht.

Dass man sich nicht unbedingt an die Rockzipfel von Microsoft haengen muss, zeigt ueberdies Tricord, Technologielieferant fuer die Winserver-Systeme: Deren Powerframe-Multiprozessor-Rechner bieten SCOs Unix-Variante, Netware, den LAN Manager, Univels Unixware und Banyan Vines Netzsystem Vines. In Zukunft sollen darueber hinaus auch Solaris 2.0 und OS/2-Version 2.0 verfuegbar sein.

Winserver kommen mit einem Datebank-System

Sequent hingegen begibt sich mit seinen Winserver-Modellen voellig in die Abhaengigkeit der Gates-Company. Dies scheint um so erstaunlicher, als man sich, so Schulte, vor allem von den drei kleineren Rechnern 1000, 1500 und 3000 groessere Absatzchancen erhofft: "Wir hoffen, mit den NT-Produkten in den kommenden Jahren etwa 25 Prozent des Umsatzes zu generieren", so der Marketing- Mann. In den USA rechne man fuer 1993 aus dem Winserver-Geschaeft mit Umsaetzen "im zweistelligen Millionenbereich".

Da bislang noch nicht klar ist, wann NT - nicht zu reden von der Server-Version - ueberhaupt verfuegbar sein wird, ist Sequent auch hier auf Treu und Glauben der Microsoft-Company angewiesen. Schulte, auf diese Problematik angesprochen, gestand ein, dass am 24. Mai auf der Comdex in Atlanta NT in der Client-Variante lediglich angekuendigt wird, "irgendwann im Sommer kommt es dann wohl auch."

Sequent, Spezialist fuer symmetrische Multiprozessor-Architekturen (SMP) unter Unix, muss mit der Entscheidung fuer NT zudem signifikante Leistungsbeschraenkungen hinnehmen. So hat die Casey- Company die bittere Pille zu schlucken, dass Microsofts Betriebssystem bisher nur maximal 16 CPUs unterstuetzt. Unix, das die Firma aus Beaverton, Oregon, fuer ihre angestammten "Symmetry"- Modelle nutzt, kennt solcherlei Beschraenkungen nicht. Sequent- Rechner mit bis zu 30 Prozessoren sind auch in Deutschland bereits im Einsatz.

Auch bei der angekuendigten Posix-Konformitaet von Windows NT muss der Anwender nach den Worten von Werner Still Einschraenkungen machen, die eigentlich nicht tolerabel sind. Xwindows- Unterstuetzung gibt es auch nicht. In der Praxis bedeutet das, dass Unternehmen mit ausgedehnten X-Terminalparks diese in Client- Server-Landschaften unter NT nicht einbinden koennen.

Still, der bei Sequent fuer die technische Vertriebsunterstuetzung zustaendig ist, weist ferner darauf hin, dass auch die Systemadministrations-Optionen von NT nur eingeschraenkt als gut zu bezeichnen sind. Hier scheint, so Still, die historisch bedingte Ausrichtung von Microsoft auf PCs und Einzelanwender hinderlich zu sein. 50 bis maximal 100 Benutzer in einem NT-basierten Netz liessen sich mit den integrierten Tools befriedigend verwalten. Bei den in groesseren Unternehmen ueblichen Hunderten von Front-ends (PCs, Terminals) sei NT mit seinem Administrationslatein schnell am Ende. Hier sollte man der Fairness halber allerdings erwaehnen, dass Sequent nach Aussagen von Still noch nicht die Advanced- Server-Version von NT nutzen konnte. Diese ist gegenueber der Client-NT-Variante zusaetzlich mit einer Domain-Verwaltung ausgestattet.

Sequents Winserver, deren 486-CPUs (66 Megahertz) sich auf den Pentium-Prozessor aufruesten lassen, werden als Paket mit NT und einem Datenbankprodukt ausgeliefert. Neben Oracle und Sybase hat gerade auch Unix-Adept Informix bekanntgegeben, sich auf NT als Plattform zu stuetzen. Parallelitaet der Argumentation: Auch beim Datenbankhersteller rechtfertigt man den Schritt auf neues Terrain mit der Marktmacht von Microsoft.

Die Winserver-Modelle kosten in Basiskonfigurationen zwischen 68 000 Mark (Modell 1000) und 567 000 Mark (Modell 5000) und sind verfuegbar, sobald Microsoft die Server-Version von NT, den Advanced Server, vertreibt.

Abb: Winserver-Produktfamilie von Sequent Computer Systems. Quelle: Sequent