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22.02.2002 - 

Banken gewähren Galgenfrist

SER Systems im freien Fall

MÜNCHEN (CW) - Die finanzielle Situation der SER Systems AG ist offenbar weitaus ernster, als sie das Unternehmen bisher offiziell dargestellt hat. Der Anbieter von Dokumenten-Management-Systemen (DMS) musste nun für das Geschäftsjahr 2001 eine desaströse Bilanz vorlegen und kündigte weitere Verkäufe von Tochtergesellschaften an.

Wer die gebräuchlichen Standardfloskeln von Ad-hoc-Meldungen als Maßstab nimmt, muss im Falle SER Systems hellhörig werden. Denn in seiner jüngsten Pflichtmitteilung kommt das am Neuen Markt notierte Unternehmen auf geradezu dramatische Weise ungeschminkt zu Sache. Die SER-Gruppe erreichte den für das vierte Quartal 2001 geplanten Turnaround nicht und erwirtschaftete im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 149 Millionen Euro (Vorjahr: 185,3 Millionen Euro), heißt es dort. Unter dem Strich kam dabei ein Verlust vor Steuern (Ebit) von 163,5 (plus 19,7) Millionen Euro heraus, der allerdings durch Einmaleffekte in Höhe von 139 Millionen Euro belastet sei. Diese resultierten aus Restrukturierungsaufwendungen sowie Neubewertungen der SER-Gruppe.

Neben der Tatsache, dass SER damit auch operativ kräftig rote Zahlen geschrieben hat, dürfte in den kommenden Wochen die bekanntermaßen angespannte Liquiditätslage des Unternehmens für weiteren Zündstoff und Spekulationen sorgen. Denn was hinter besagter Neubewertung der SER-Gruppe steckt, wird im weiteren Text der Pflichtmitteilung deutlich. So hätten im zweiten Halbjahr 2001 "die deutschen Kreditinstitute der SER die Werthaltigkeit ihrer Kredite zunehmend negativ beurteilt und im vierten Quartal schließlich eine Vereinbarung zur vorzeitigen Rückführung gefordert". Ende Januar 2002 konnte dann aber die Weiterführung des Geschäfts durch einen "Banken-Pool-Vertrag gesichert werden". Dieser beinhalte, so das Unternehmen weiter, die Verpflichtung, durch weitere Veräußerungen von Assets die Bankverbindlichkeiten zu tilgen.

SER-Vorstandschef Gert Reinhardt hatte noch vergangene Woche im Interview mit der CW (siehe CW 7/02, Seite 28) die Situation als weitaus weniger dramatisch dargestellt. Um die Liquidität des Unternehmens stehe es "deutlich besser, als es manche Analysten immer wieder zum Besten geben", so Reinhardt. Die Bankverbindlichkeiten in Höhe von angeblich rund 37 Millionen Euro resultierten vor allem aus Aufwendungen für den Kauf einer der US-Töchter des SER-Konzerns.

Jetzt hätten sich Vorstand und Aufsichtsrat "nach sorgfältiger Prüfung für weitere Management-Buyouts entschieden", um die Tochtergesellschaften in Deutschland und Österreich vollständig beziehungsweise in den USA teilweise zu veräußern, heißt es weiter. Die SER Systems AG solle sich künftig auf die strategische Beteiligung an diesen Gesellschaften beschränken, was de facto eine Aufspaltung des SER-Konzerns bedeutet. Über die Umsetzung dieser "neuen strategischen Ausrichtung" der SER-Gruppe sollen die Aktionäre in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 18. April befinden. (gh)