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31.01.2003 - 

Studie der Butler Group sagt Verlierer und Gewinner voraus

Server-Betriebssysteme auf dem Prüfstand

MÜNCHEN (ls) - Midrange-Server waren einst eine Domäne von IBMs OS/400 und diversen Unix-Derivaten. Inzwischen drängt Microsoft in den lukrativen Markt, und mit Linux ist eine weitere Alternative aufgetaucht. Die Butler Group hat die technischen Fähigkeiten der Betriebssysteme untersucht und ihre Zukunftsperspektiven beurteilt.

In der Theorie steht bei IT-Investitionen zunächst die angestrebte Anwendung im Vordergrund; davon leitet sich die Entscheidung für das Betriebssystem und die Hardware ab. Demzufolge müsste es bei den Anwendern ein gewaltiges Durcheinander von Systemen geben, was in der Praxis aber nicht zu beobachten ist. Daraus lässt sich schließen, dass die Entscheidung für ein Betriebssystem strategischen Überlegungen folgt. Heterogene IT-Umgebungen sind im Alltagsbetrieb zu teuer.

Flucht aus der Herstellerabhängigkeit

"Die Kosten jedes Computersystems lassen sich mit dem Profil eines Eisbergs vergleichen. Ein Großteil ist versteckt", stellt die Untersuchung "Server Operating Systems - Winners and Losers in the Open/Proprietary OS Market" der Butler Group fest. Von vornherein sichtbar sind nur die Anschaffungs- beziehungsweise Lizenzkosten. Eine nicht klar zu kalkulierende Größe sind die Preise für Installation, Anwendungsentwicklung und -integration, Wartung sowie Support. Vollends unbekannt sind die Kosten aufgrund von Stillstand der Systeme, Software-Upgrade-Zyklen, notwendigen Hardwareerweiterungen und der Abhängigkeit von einem IT-Anbieter.

Die hohen Kosten der Herstellerabhängigkeit haben in den 80er und frühen 90er Jahren Anwender scharenweise zu Unix wechseln lassen. Gegen diesen Trend konnte sich nur IBMs AS/400 mit dem Betriebssystem OS/400 behaupten, einem stabilen, einfach zu bedienenden und relativ preisgünstigen System. Doch Unix enttäuschte in einer Hinsicht: Feine Unterschiede zwischen den Derivaten verhinderten die Unabhängigkeit und erschwerten den Wechsel zur Konkurrenz.

Seit Ende der 90er Jahre stößt Linux auf zunehmendes Interesse. "Linux ist in der Lage, das zu halten, was Unix einmal versprochen hat", bringt es Thomas Uhl, Vorsitzender der Linux-Arbeitsgruppe in der IBM-Anwendervereinigung Guide Share Europe (GSE), auf den Punkt. Weil das quelloffene Betriebssystem auf einer ganzen Reihe von Rechnern - vom Mainframe bis zu PDAs und Netzwerk-Appliances - läuft, bietet es sich für eine Konsolidierung an. Seine Stabilität und seine Ähnlichkeit mit Unix führen zu geringen Betriebskosten.

Noch ist Linux - so die Butler Group im Einklang mit fast allen Analysten - für einen breiten oder gar durchgehenden Einsatz auf den Servern in Rechenzentren nicht reif genug. Aber die Anbieter der heute im Highend arbeitenden Unix-Systeme sollten sich an die eigene Geschichte erinnern. Einst behaupteten die Mainframe-Hersteller, Unix werde nicht so bald die technische Perfektion ihrer "großen Eisen" erlangen. Es hat nicht lange gedauert.

Eine weitere Konkurrenz erwächst den Unix-Anbietern durch Microsoft. Windows NT wurde bei seinem Erscheinen eher abfällig belächelt. Es hat in wenigen Jahren die Unix-Spezialisten für Intel-Umgebungen an den Rand gedrängt. Der Branchenriese aus Redmond hat die proprietären Differenzen der Unix-Derivate weidlich ausgeschlachtet und ist mit dem Argument einer einfachen Administration seines System hausieren gegangen. Bill Gates und sein Management haben bemerkt, dass Server ein gutes Geschäft hergeben, und setzen, zumal der Desktop-Markt ausgereizt ist, mit Energie auf diese Expansionsmöglichkeit. Mit Windows 2000 machen sie Ernst, und sie werden mit Windows Server 2003 das Server-Segment noch kräftiger bearbeiten.

Die sich im Umfeld von Linux und Windows 2000 beziehungsweise dessen Nachfolger abzeichnenden Entwicklungen versucht die Butler Group unter dem Aspekt Produktstrategie mitzubewerten. Der Kern der Studie dreht sich aber um detaillierte technische Eigenschaften der Betriebssysteme. Je mehr sie zu leisten vermögen, je mehr Features sie mitbringen, desto mehr Punkte erhalten sie. Die maximale Punktzahl ist dabei zehn. Dabei stellen die Butler-Analysten die technischen Aspekte in sechs Gruppen zusammen, die nach heutigen Anforderungen für die Beurteilung von Betriebssystemen von zentraler Bedeutung sind.

Wie nicht anders zu erwarten, führen die technisch hochgezüchteten Unix-Derivate von HP, IBM und Sun insgesamt das Feld an. Auf Platz vier liegt IBM mit OS/400, knapp gefolgt von Microsofts Windows 2000. Überraschenderweise ist der Abstand des Suse Linux Enterprise Server 8, einer Version von United Linux, nicht groß. Red Hats Linux Advanced Server kann nicht ganz mithalten. Am Ende des Feldes finden sich die SCO-Betriebssysteme Open Linux, Unixware und Open Server.

Im Allgemeinen hoher technischer Stand

Unter dem Kriterium "Allgemeine Features" der Butler-Studie geht es um das Design der Systeme von ihrem Kernel aufwärts, um die Leistungsfähigkeit der unterstützten Hardware, vor allem der CPUs, um die Verwendbarkeit von Devices besonders in Hinblick auf Speicher, um Power-Management und um das lizenzkostenrelevante System-Accounting beziehungsweise die Anwenderabrechnung. In dieser Beurteilungsgruppe liegen die Betriebssysteme nicht weit auseinander. Nur SCOs Open Server muss wegen Schwächen in Sachen Speichernutzung einen deutlichen Punkteabzug hinnehmen.

In Sachen Skalierbarkeit und Performance stellt Butler IBMs OS/400 auf Platz eins, obwohl beispielsweise Suns Solaris mit maximal 128 und HP-UX mit 64 unterstützten symmetrischen Prozessoren in einem Rechner den Wettbewerbern deutlich voraus sind. Aber hier zählen auch noch detaillierte Einzelfaktoren zu Speichergröße und File-System, Performance-Optimierung, Cluster-Fähigkeit und Partitionierung. Insgesamt kommt es darauf an, wie viele Personen das System parallel nutzen können und ob es dabei die Tasks typischer Geschäftsanwendungen in akzeptabler Zeit abarbeiten kann. Die Linux-Systeme leiden vor allem an ihrer Begrenztheit auf acht SMP-CPUs und dem beschränkten adressierbaren Speicher. Die SCO-Unixe können mit der Vielzahl der Ausbaumöglichkeiten der Konkurrenz von Sun, HP und IBM nicht mithalten.

In der dritten Kategorie Stabilität und Wiederherstellung der Produktivität nach einem Ausfall (Recovery) ist Solaris nicht zu schlagen. Es erfüllt alle abgefragten technischen Details bis hin zum Austausch von Prozessoren und Speicher im laufenden Betrieb, dynamischem Patchen von Kernel und Applikationen oder automatischem Neustart des Systems. Hier weist die Konkurrenz Lücken auf. Die schlechte Benotung von Windows 2000 geht primär auf Schwächen im Teilbereich Recovery zurück. Red Hat und SCO sollten ihre Linux-Versionen und den Unix Server um einige Features zur präventiven Systemstabilisierung und zum Recovery erweitern.

Offene und Industriestandards eingehalten

Gemessen an der Interoperabilität, dem vierten bewerteten Merkmal, liegen die Wettbewerber auf hohem Niveau einigermaßen gleichauf. Alle unterstützen recht weitgehend gängige offene und Industriestandards, moderne Programmiersprachen und die der Butler Group besonders wichtigen Internet-Protokolle. Als besonders offenes System tut sich der Suse Linux Enterprise Server 8 hervor.

Die Butler-Analysten bestätigen, was AS/400- und P-Series-Anwender immer betonen: Das System ist ausgesprochen gut zu administrieren. Und IBM ist es gelungen, die notwendigen Techniken zum Management von System, Workload, Massenspeichern und Software auch seinem AIX mitzugeben. Abstriche in allerdings noch akzeptablem Rahmen sind in dieser fünften Kategorie für HP-UX und Unixware festzustellen. Microsoft wird vor allem beim Speicher- und Workload-Management Verbesserungen vornehmen müssen. Die Linux-Versionen erhalten, ihrem Ruf gerecht werdend, schlechte Noten für die Administration und die Steuerung von Workloads. Damit verschenken deren Distributoren einen bedeutenden Teil ihres Preisarguments. Denn das Management der Systeme verursacht nach Angaben der Butler Group 21 Prozent der Gesamtbetriebskosten.

Dafür können die Linux-Distributionen unter dem sechsten Kriterium, Sicherheit, auftrumpfen, ein Aspekt, den auch Anwender immer wieder hervorheben. Keines der drei großen Unix-Derivate bringt derart vielfältige Security-Features. Die Varianten von Sun, HP und IBM fallen sogar hier hinter Windows 2000 zurück. Besonders besorgniserregend ist nach Bewertung der Butler Group aber der Zustand von Unixware und Open Server, denen es an elementaren Sicherheitsmerkmalen fehle.

Neben den genannten sechs technischen Bewertungskriterien der Butler-Analysten gibt es noch ein siebtes, das die Produktstrategie der IT-Anbieter für ihre Server-Betriebssysteme betrifft. Diese Kategorie hat mit technischen Eigenschaften nicht unbedingt zu tun. Es geht beispielsweise um die Roadmaps für die weitere Entwicklung der Systeme, um ihre Beschränkung auf bestimmte Hardwarearchitekturen und um ihre Eignung für neuere Technologien wie Web-Services oder Grid-Computing.

Microsoft wird diesbezüglich zugute gehalten, dass der Hersteller mit Windows Server 2003 ein klares Bekenntnis zu weiter verstärktem Engagement in Sachen Server-Betriebssystem abgelegt habe. Bisherige Investitionen der Anwender in Windows-2000-Umgebungen dürften langfristig gesichert sein. HP-UX bekommt Punkte dafür, dass Hewlett-Packard sich von der eigenen Risc-Architektur abwendet und das System an Intels 64-Bit-Prozessoren der Itanium-Klasse angepasst hat. Sun wird Solaris, so die Butler Group, zwar konsequent im Highend weiterentwickeln, verfolgt aber mit Solaris für Intel-basierende Rechner eine unklare Politik. Außerdem sei im Lowend eine zunehmende Konkurrenz durch Linux zu erwarten.

Beiden IBM-Betriebssystemen bescheinigt die Butler Group eine langfristige Perspektive. Allerdings sei die Ausrichtung auf die proprietären Power-PC-Prozessoren zu eng. Die Analysten erwarten, dass die zugrunde liegenden Server-Linien der I- und P-Serie zunehmend miteinander verschmelzen. So könnten auf ihnen künftig AIX und OS/400 (neben Linux) parallel laufen. IBMs starkes Linux-Engagement könnte den Entwicklungsschwerpunkt von den älteren Betriebssystemen zur Open-Source-Alternative verschieben.

Den SCO-Systemen Unixware und Open Server wird mit 0,5 beziehungsweise 1,5 Millionen Lizenzen weltweit eine starke Verbreitung und die Unterstützung durch ein großes Netz von unabhängigen Softwarehäusern und Vertriebspartnern bescheinigt. Die Crux aber liege darin, dass SCO für beide Umgebungen bisher keine Pläne zur Unterstützung von 64-Bit-Umgebungen vorgelegt habe, sondern dafür die Umstellung auf Linux empfehle. 32 Bit seien im künftigen Server-Markt nicht mehr genug.

Schwer tun sich die Butler-Analysten mit den drei Linux-Systemen. Weil das quelloffene Betriebssystem primär von einer Community tausender freiwilliger Programmierer entwickelt wird, gibt es keine Roadmap. Die Butler Group sagt schnelle Fortschritte bei der Entwicklung des Standards Linux Standard Base voraus. In diesem würden letztlich die drei Distributionen aufgehen.

Linux-Systeme reifen schnell

Das schmälere, so die Butler Group, allerdings nicht die Perspektiven von Linux. Im Gegenteil: Seine Standardisierung macht es nicht nur für Anwender interessanter. Auch für Softwarehäuser werde es attraktiver und einfacher, ihre Anwendungen an das relativ junge System anzupassen. Der Support, früher ein ganz vager Faktor bei Linux, werde gesichert. Das Engagement der großen Systemhäuser für Linux werde noch zunehmen und dieser Umgebung bald zu Fähigkeiten verhelfen, die jetzt noch den elaborierten Unix-Versionen vorbehalten sind.

Noch innerhalb dieses Jahrzehnts werde ein Standard-Linux jene beherrschende Position im Markt der Server-Betriebssysteme erobern, die heute HP-UX, AIX und Solaris einnehmen. Dann werde Microsoft sich mit Windows Server 2003 auf Platz zwei befinden. Die dritte Marktkraft müsse erst noch entstehen. Die Butler Group bemängelt, alle jetzigen Server-Betriebssysteme einschließlich Linux basierten auf Softwarearchitekturen, die Jahrzehnte alt sind und ihren technologischen Zenit eigentlich schon überschritten hätten. Es sei höchste Zeit, dass sich die IT-Anbieter zusammenschlössen, um gemeinsam ein "Next Generation Operating System" zu entwickeln, das frei von Altlasten ist.

Perspektiven

Die Butler Group sieht die Zukunft der Betriebssystem-Architekuren durch folgende Merkmale geprägt:

- Monolitische Systemumgebungen mit vielen Features könnten nicht die beste Lösung für die Zukunft sein. Es bedarf einer deutlicheren Unterscheidung zwischen Betriebssystem, operationaler Dienste und Anwendungen.

- Um die bei Grid-Computing und Web-Services wachsende Komplexität und steigenden Anforderungen an Verfügbarkeit bewältigen zu können, müssen Betriebssysteme mehr automatische Funtionen mit sich bringen.

- Server-Betriebssysteme müssen für eine Zukunft ausgelegt werden, die durch eine lockere Verknüpfung von Systemen auf der Basis von Grids und Web-Services geprägt sein wird.

- Die Industrie muss dringend kooperieren, um ein Betriebssystem der nächsten Generation zu entwickeln, das von alten Schemata unbelastet und dafür gebaut ist, für künftige Anforderungen zu sorgen.

Abb.1: Verbreitung am Markt

Marktanteile verschieben sich: Die Unix-Größen verlieren ihre Position an die .NET-Basis Windows Server 2003, bevor ein Standard-Linux, in dem die bisherigen Distributionen verschmelzen, alle übertrumpft. Quelle: Butler Group

Abb.2: Butler-Group-Bewertung der Server-Betriebssysteme

In sieben Hauptkategorien hat die Butler Group nach jeweils dutzenden Einzelkriterien bewertet, ob die Betriebssysteme bestimmte technische Eigenschaften mitbringen und wie ihre Anbieter sie auf die Zukunft ausrichten. Die höchste erreichbare Punktzahl ist zehn. Quelle: Butler Group