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30.06.2000 - 

IT-Schwergewichte bauen gigantische Datenzentren

Server-Farmen steuern den Internet-Markt

Mit Web-Hosting, E-Commerce oder Application Service Providing (ASP) haben nicht nur etablierte IT-Größen neue Geschäftsfelder entdeckt. Anbieter wie IBM, Intel oder Cmgion (CMG Internet Operating Network) sind dabei, gigantische Server-Farmen aufzbauen, um an dem boomenden Markt teilzuhaben. Eva-Katharina Kunst* beschreibt die jüngsten Entwicklungen.

Server-Farmen sind eine moderne Variante der IT-Zentralisierung im Zeitalter des Internet. Sie beherbergen ausgelagerte Daten und Applikationen ganz unterschiedlicher Unternehmen unter einem Dach. Zentrale Installation, Wartung und Pflege lautet die Devise. Und immer mehr Unternehmen folgen den Lockungen der Anbieter. Die Vorteile: Hohe Leistung sowie verkürzte Lieferzeiten für Web-Applikationen, Zugriff auf knappe IT-Kenntnisse und Verwaltung auch von extrem hohem Datenaufkommen, ohne dass des Kunden Geschäftsabläufe beeinträchtigt werden.

Zudem versprechen die Betreiber den Unternehmen, stets den neuesten Stand der Technik anzubieten. Die Kunden müssen sich nicht mehr mit Wartung und der Erneuerung von Hardware oder der Installation neuer Software-Versionen herumschlagen. "Der Kunde kann sich ganz auf sein Kerngeschäft konzentrieren", meint Marketing-Manager Hans-Jürgen Götz. Sein Arbeitgeber IBM plant, in Allianz mit dem Netzservice-Provider Qwest Communications das weltweit breiteste Spektrum an E-Business-Services aufzubauen. Dazu wird IBM allein in den nächsten zwei Jahren 1,5 Milliarden Dollar in die Ausrüstung und das Personal für seine Server-Farmen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika investieren.

Wie auch die Konkurrenten Intel oder Cmgion versteht Big Blue sein kostspieliges Engagement in puncto Internet-Data-Center als Einstieg in ein milliardenschweres Geschäftsfeld. Nach Einschätzung der International Data Corp. (IDC) wird allein der US-amerikanische Web-Hosting-Markt bis zum Jahr 2003 auf 18,9 Milliarden Dollar anwachsen - das Zehnfache des heutigen Marktes. Damit sei Web-Hosting einer der am schnellsten wachsenden Segmente der Internet-Wirtschaft.

"Heutzutage kann eine einzige Website Dutzende geclusterte Server ansprechen, die auf ganz verschiedene Applikationen oder Geschäftsprozesse zugreifen - und Ressourcen verarbeiten, die an anderen Standorten gehosted werden", beschreibt IDC-Analyst Courtney Munroe.

Eine beliebte Lösung ist das Outsourcen des Web-Geschäfts auf Server-Farmen. Für deren Betreiber ist Web-Hosting jedoch nur ein Service von mehreren.

Typische Anwendungsfälle umfassen das Management jeglicher Applikationen dynamischen Inhalts. "Web-Hosting inklusive hosted E-Commerce, M-Commerce, Total IP Infrastructure Outsourcing, E-Markets und natürlich die dazugehörigen Dienstleistungen wie Datenbanken oder Firewall-Server" zählt Götz zu den Kernbereichen der IBM-Server-Farmen.

Bis Ende des Jahres wird IBM gemeinsam mit Qwest 14 Data-Center in den USA aufbauen. Langfristige Planungen der beiden Unternehmen gehen von 42 Server-Farmen in den Staaten und in Kanada aus. Der europäische Markt wird mit Cyber-Centern in Paris (Start 1. Juni) und London (Start 1. August) eröffnet. Die restlichen europäischen Center folgen in einer Zeitspanne von zwei Jahren: IBM rechnet mit bis zu 18 Standorten, darunter Frankfurt, München, Stockholm und Mailand.

Die Aufgabenverteilung zwischen den europäischen Partnern KPN Qwest und IBM ist klar geregelt. IBM übernimmt den Aufbau, den Betrieb und den Support für die Server-Farmen. Der Nettoplatz für Maschinen beträgt pro Rechenzentrum 6500 Quadratmeter. In Mischbestückung werden die unterschiedlichsten Ausstattungen und Leistungsklassen von Servern - vom PC-Server bis zum Großrechner - eingesetzt.

Das Spektrum an Betriebssystemen reicht von AIX und Sun Solaris bis hin zu NT oder Windows 2000. Auf Wunsch kommen Linux-Systeme zum Einsatz. Linux gibt Big Blue noch eine besondere Zukunftsperspektive: Da unter dem Open-Source-Betriebssystem beinahe alle Web-Applikationen arbeiten und Linux zudem gleich auf mehrfache Weise auf IBMs S/390-Mainframe läuft, kann der IT-Konzern die Data Center auch mit den Big Irons ausstatten. Das verringert die Wartungsaufwände in der Hardware und bietet Kunden gleichzeitig einen Migrationspfad zu hochwertiger Enterprise-Software.

Für die breitbandige Anbindung mit eigenem Internet-Netz ist KPN Qwest, Qwests europäisches Joint Venture mit dem niederländischen Telekommunikations-Unternehmen KPN, verantwortlich. Statt einer eigenen Netzstruktur werden die Rechenzentren an KPN Qwests bestehendes "Euro-Rings"-Netz angeschlossen.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Auch Chipriese Intel wird im lukrativen Data-Center-Markt kräftig mitmischen. Das Unternehmen, bisher fast ausschließlich als Hardwarehersteller tätig, erweiterte seine Ausrichtung: Mit der Gründung der Intel-Tochter Intel Online Services (IOS) im September 1999 fiel der Startschuss für den Aufbau der Intel-Server-Farmen. Ebenso wie IBM sieht auch Intel im US-Markt den größten Bedarf für E-Business. Dennoch planen beide Anbieter, Data Center rund um den Globus zu gründen - schließlich erwarten auch den außeramerikanischen Markt kräftige Wachstumsraten. Inzwischen betreibt Intel sowohl in Asien als auch in Europa Data Center.

Nach Einweihung der ersten Server-Farm im kalifornischen Santa Clara ging es Schlag auf Schlag. Im April eröffnete Intel ein Center in Chantilly, Virginia. Im Mai gingen gleich zwei Server-Parks ans Netz: einer in Korea, der andere im britischen Reading. Als nächste Standorte hat das Unternehmen den japanischen und den indischen Markt ins Visier genommen. Zwischen 130 bis 150 Millionen Dollar kostet Intel eine große Server-Farm mit bis zu 10000 Servern: PCs, die vornehmlich mit den hauseigenen Prozessoren bestückt werden. 250 Angestellte werden für die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs eingestellt.

Die Kunden - ISPs, ASPs, Dotcom-Companies oder traditionelle Unternehmen, die ihr Geschäft ins Internet bringen möchten - haben zumeist die Wahl zwischen mehreren Vertragsmodellen. "Colocation" ist ein Konzept, bei dem die Kunden ihre eigenen Rechner gegen Mietvertrag für Fläche, Strom und Internet im Center aufstellen und zusätzliche Services des Anbieters über Vertrag beziehen. "Das ist keine schlechte Möglichkeit, aber eben doch nur eine Möglichkeit", meint IOS-Präsident Mike Aymar. Der Trend gehe hin zu so genannten "Fully Managed Services". Hierbei entscheiden sich die Kunden für das komplette Outsourcing eines oder mehrerer Business-Bereiche.

Im Server-Farm-Markt müssen sich die heutigen Anbieter mit einer wachsenden Anzahl von Konkurrenten auseinandersetzen. Jüngstes Beispiel ist das erst im April gegründete Unternehmen Cmgion. Das Kürzel "ion" im Firmennamen ist zugleich auch Programm: Ein globales "CMG-Internet Operating Network" mit weltweit positionierten Server-Farmen schwebt den Gründern vor. Die verschiedenen Zentren sollen nach außen wie ein einziger virtueller Web-Server erscheinen.

Initiator und Mehrheitsteilhaber CMGI ist eine Holding-Gesellschaft, die Beteiligungen an einer Vielzahl von Internet-Companies besitzt, darunter auch Altavista. Sun, Novell und Compaq beteiligen sich mit Investitionen von jeweils 20 Millionen Dollar an dem neuen Unternehmen. Sun und Compaq liefern Cmgion die Server-Hardware, Novell hingegen Software wie Directory- und Web-Caching-Lösungen.

Das Internet-Netzwerk "ist eine Technologie, eine Plattform und ein verbessertes Werkzeug für öffentliche und private Applikationen gleichermaßen", glaubt David Wetherell, CEO bei CMGI. Mit der Erkenntnis, dass das Internet das weltweit preiswerteste Carrier-Netz ist, wird sich über kurz oder lang auch die Nutzungsweise von Server-Farmen erweitern.

Während die Data Center heute vorwiegend die öffentlich genutzten Applikationen hosten, werden sich dort in Zukunft auch firmenprivate Daten und Programme wiederfinden: Über Virtual Private Networks (VPN) werden diese Daten - gegen unbefugten Zugriff geschützt - zwischen Server-Farm und Company hin und her getunnelt.

Unumstritten ist, dass das Geschäft zur Zeit noch in den Kinderschuhen steckt. Intels Prognose: Von den Servern, die bis zum Jahr 2005 benötigt würden, seien gegenwärtig gerade einmal vier Prozent im Einsatz.

* Eva-Katharina Kunst ist freie Journalistin in Kempen

Server-Farm mit Open SourceUm Server-Farmen hochverfügbar und skalierbar zu machen, ist komplexe Software notwendig. Seit Mai ist der Markt, in dem kommerzielle Software wie IBM Websphere, Cisco Local Director, Turbo Cluster oder F5 angesiedelt sind, um ein Open-Source-Produkt reicher. "Ultra Monkey" heißt das Paket, das eine vollständige Server-Farm-Lösung für Linux-Systeme darstellt.

Die unter der GPL-Lizenz stehende Software ist unter ftp://ultramonkey.sourceforge.net/pub/ultramonkey/ ladbar. Wichtigste Komponente ist der für das Load Balancing zuständige "Virtuelle Server". Anhand unterschiedlicher Scheduling-Algorithmen werden die ankommenden Anfragen auf die Backend-Server verteilt. Die Komponente "Heartbeat" überwacht die Hardware und sorgt bei Ausfall eines Einzelrechners dafür, dass der redundante Ersatzrechner dessen Aufgabe übernimmt. Der von den Servern erbrachte Dienst als solcher wird darüber hinaus über "ldirectord" beobachtet. Wird der Ausfall des Dienstes entdeckt, können weitere Aktionen eingeleitet werden. Im einfachsten Fall wird dabei eine entsprechende Meldung ins Netz gestellt.