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24.09.2004 - 

Der Business Innovation Transformation Partner (BITP)

Service-Provider gründen exklusiven Club

FRANKFURT/M. (jha) - Die großen IT-Serviceanbieter wandeln sich. Beratungshäuser übernehmen Betriebsdienstleistungen, klassische IT-Outsourcing-Häuser erweitern ihre Tätigkeit um Consulting-Leistungen. Die Marktforscher von Lünendonk haben für diesen neuen Anbietertypus den Begriff des Business Innovation Transformation Partner (BITP) geschaffen.

"Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass IBM einmal Management-Beratung anbietet und Accenture im Outsourcing-Markt auftritt?" fragte Thomas Lünendonk, Geschäftsführer des gleichnamigen Marktforschungshauses in Bad Wörishofen. Diese Veränderung stellt ihn vor die Herausforderung, seine branchenweit bekannten Lünendonk-Listen zu überarbeiten beziehungsweise zu erweitern. Einige Unternehmen, vor allem die großen, weltweit tätigen IT-Dienstleister lassen sich nicht mehr eindeutig einer der drei Kategorien IT-Beratung und Systemintegration, Management- und Unternehmensberatung sowie IT-Service zuordnen.

Accenture und IBM zählen sich neben Capgemini und Gedas, IT-Tochter des Volkswagen-Konzerns, zu einer neuen Kategorie von Servicefirmen, die sie als "Business Innovation Transformation Partner" (BITP) bezeichnen. Gemeinsam bezahlten sie eine Studie der Lünendonk GmbH gleichen Titels. Die Untersuchung versucht Antwort auf folgende Fragen der Geldgeber zu geben: Goutieren Anwender das Angebot großer Dienstleister, alle Services, von der Management-, Prozess- und IT-Beratung über die Sytemintegration und das IT-Outsourcing bis hin zur Auslagerung von Geschäftsprozessen, aus einer Hand zu beziehen? Werden sie darüber hinaus die-sen Dienstleister in die Pflicht nehmen, Innovationen für das Kerngeschäft zu liefern? Wird der Service Provider sie in dem Transformationsvorhaben begleiten dürfen, die Prozesse effizienter zu gestalten? Akzeptieren sie die Firmen schließlich auch als langfristigen Partner und Betreiber für ihre IT- und Geschäftsprozesse?

Kunden wollen integrierten Service

Die vier Sponsoren wollen all dies als integrierte Dienstleistung anbieten. Der nun für ihr Ansinnen gefundene, etwas holprig auszusprechende Begriff des Business Innovation/ Transformation Partner (BITP) klingt zwar stark nach dem Elfenbeinturm der Marktforscher. Doch ganz im Sinne der Geldgeber zeigt die Befragung von 194 Top-Managern große Zustimmung für den ganzheitlichen Dienstleistungsansatz: Elf Prozent findet es "sehr gut", die Hälfte werteten mit "gut".

Die überwiegende Zahl der Studienteilnehmer zählt laut Lünendonk zu den Non-IT-Managern, der von ihnen bewertete Ansatz wird jedoch von IT-Dienstleistern forciert und fußt zum Gros auf IT-Services. Zweifel an der Urteilsfähigkeit der Befragten hegen die Marktforscher nicht, ganz im Gegenteil: Die aus einer IT-fernen Sicht gefällte Bewertung adelt das Ergebnis. "Die IT verschwindet in den Hintergrund, die Geschäftsstrategie rückt nach vorne. BITP ist ein Top-Down-Ansatz, der auf Management-Ebene beginnt und sich an Großunternehmen richtet." Dennoch, ganz ohne IT geht es nicht: "Der Transformationsprozess braucht Branchenwissen verknüpft mit technologischen Innovationen", warf Rolf Sackmann von IBM Business Consulting Services ein.

Enormes Potenzial vorhanden

Das enorme Interesse der Anbieter und Sponsoren an dem Geschäft mit Transformations- und Betriebsdienstleistungen ist verständlich. Accenture beziffert das derzeitige Marktpotenzial auf 185 Milliarden Euro, realisiert davon sind lediglich 30 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2010 soll das mögliche Volumen auf 250 Milliarden Euro, und die dann tatsächlich betriebenen Vorhaben den Wert von 50 Milliarden Euro umfassen. Dietmar Fink von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg verdeutlicht die Bedeutung des Geschäfts. "Damit erreicht der Markt ungefähr das Volumen der heutigen Automobilzulieferindustrie", rechnet der Professor hoch. Doch Lünendonk warnt vor übertriebener Euphorie. Er erwartet zwar auch ein BITP-Marktvolumen von 30 Milliarden Euro in den nächsten Jahren, jedoch nicht aus Zusatzeinnahmen. Es wird lediglich Marktverschiebungen geben, etwa von den Töpfen der spezialisierten Management-Beratungen und Outsourcern hin zu denen der integrierten Serviceanbieter.

Überbordende Verwaltung

Um ihr Ansinnen zur verdeutlichen, bemühten die IT-Beratungshäuser oft den Vergleich zur Fertigungsindustrie. "Die Produktionskosten sinken nach wie vor, obwohl die Fertigungstiefe bereits seit Jahren stark reduziert wurde. Dagegen steigen die Verwaltungskosten permanent", sagte Stephan Scholtissek, Country Managing Director der deutschen Accenture-Dependance. Es geht also vornehmlich um Back-office-Prozesse wie das Rechnungs- und Personalwesen, den Einkauf und das Controlling, Logistik und Kundenbetreuung, die die Dienstleister gerne für ihre Kunden übernehmen und überarbeiten wollen. "Die Unternehmen kämpfen damit, ihre nach Funktionen ausgerichtete Organisationsstrukur in ein prozessorientiertes Model zu wandeln", erläuterte Gedas-Vorstandsvorsitzender Axel Knobe. "Wir wollen das Geschäft des Kunden verändern und neue Werte für ihn schaffen", ergänzte Antonio Schnieder, CEO von Capgemini in Zentraleuropa.

Lünendonk reagiert auf die Veränderung des Marktes und wird seine Listen um die neue Kategorie des Business Innovation Transformation Partners erweitern. Es wird vermutlich eine kurze neue Liste geben, denn die Aufnahmekriterien zum Club der BITP-Anbieter sind hoch (siehe Kasten "Der neue Servicetyp"). Vielleicht zaubert Lünendonk aber noch die eine oder andere Überraschung aus dem Zylinder: Wer hätte im Vorfeld seiner Umfra-ge etwa Gedas in einem Atemzuge mit Accenture, Capgemini und IBM Global Services genannt?

Der neue Servicetyp

Der neue Dienstleistertypus des Business Innovation Transformation Partner (BITP) wurde von der Lünendonk GmbH definiert, um den in den letzten Jahren erweiterten Aktivitäten der IT-Dienstleister Rechnung zu tragen. BITP zeichnen sich dadurch aus, dass sie

- als Gesamtdiensleister einen Mix aus Management- und IT-Beratung, Realisierung, Outsourcing und Business Process Outsourcing anbieten,

- die unterschiedlichen Services als eine integrierte Dienstleistung anbieten,

- ihren Kunden für deren Kerngeschäft relevante Innovationen und Änderungen bieten,

- den Transformationsprozess von einem funktions- zu einem prozessorientierten Unternehmen betreiben können,

- eine langfristige Partnerschaft mit ihren Kunden anstreben,

- die finanziellen, technischen und fachlichen Möglichkeiten und Ressourcen haben, große Betriebs- Transformations- und Beratungsprojekte zu betreiben.

Abb: Was gehört zu einem Gesamtdienstleistungskonzept?

Die Befragung der Unternehmen ergab keinen eindeutigen Trend. Die Top-Manager erachten nahezu alle Servicedisziplinen als gleich wichtig für ein Gesamtdienstleistungskonzept. Sie wollen im Bedarfsfall selbst entscheiden, welche Komponenten sie wählen. Quelle: Lünendonk