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02.09.1977

Service-RZ:"Mit der Herausforderung leben"

Computerleistung gibt es praktisch heute für jedermann: Bedingt durch den Hardware-Preisverfall speziell während des letzten Jahres, aber auch durch die vielen günstigen Angebote der MDT- und Minihersteller wird es immer einfacher, größere Systeme zu installieren oder gar einen eigenen Computer anzuschaffen. Eine Herausforderung an die Service-Rechenzentren: Reicht es heute noch aus, dem mündigen Anwender und denen, die es werden wollen, den "Rund um die EDV-Service" anzubieten, wo doch jetzt auch andere, preisgünstige Alternativen die Entscheidung für Datenverarbeitung im Service oft schwer machen? CW befragte vier Daten-Dienstleistungsbetriebe, wie sie die Zukunft ihrer Branche sehen.

Für den AC-Service:

Peter Manner, Geschäftsstellenleiter, München

Die fahrenden Rechenzentren werden ihre Marktpositionen nicht nur behaupten, sondern sogar ausbauen können, wenn sie sich modernster Techniken bedienen. Aber trotz aller Technik entsteht in der Datenverarbeitung Qualität nicht durch die Maschine, sondern durch den Menschen, der sie programmiert und bedient. Außerdem ist zu bedenken, daß die Kapazität der Minicomputer naturgemäß nicht unbegrenzt ist, und es wäre abwegig, ihnen komplexe, integrierte Abläufe abringen zu wollen. Versucht man es doch, wird einem sehr schnell die Rechnung in Form massiv steigender Kosten präsentiert.

Verhältnismäßig selten sind die Fälle, in denen es bei einem Kunden darum geht, nur einen Teilbereich der Administration, wie etwa die Debitorenbuchhaltung, mit einem Standardprogramm auf EDV umzustellen. In den meisten, einigermaßen anspruchsvollen Projekten geht es darum, aus Modularprogrammen, Halbstandards und Maßprogrammen ein komplexes, integriertes System aufzubauen, das den spezifischen Anforderungen der Unternehmung voll entspricht. Daß hierfür weit mehr Erfahrung erforderlich ist, als für die Realisierung einer einfachen Teillösung, liegt auf der Hand. Gute EDV-Lösungen mit Modularprogrammen passen sich der Organisation des Kunden an und nicht umgekehrt.

Aufgrund der sich schon jetzt abzeichnenden Tendenzen werden die RZ-Benützer in den nächsten Jahren im Hinblick auf einen umfassenden Service noch anspruchsvoller werden.

Die neue Möglichkeit, zeitkritische Operationen, wie bestimmte Datenerfassungen und -abfragen, aus den bisherigen Batchverarbeitungen herauszulösen und an den Arbeitsplatz beim Kunden zu verlegen, erfordert schon bei der Beratung neue Wege. Der Rechenzentrumorganisator wird noch mehr Know-how über die kundenspezifischen Erfordernisse erwerben und einsetzen.

Die Grenzen zwischen eigener und externer Computerleistung werden weniger ausgeprägt sein, das Rechenzentrum wird vermehrt die sinnvollste Kombination von Kleincomputer- und Großanlagen-Benützung einsetzen. Der Übergang auf die "Intelligenz am Arbeitsplatz" wird dabei immer auch zu einer organisatorischen Verbesserung des Arbeitsflusses und der Struktur im Betrieb führen.

Horst Görtz, Geschäftsführer, Rhein-Main-Rechenzentrum GmbH, Frankfurt

Die Bedrohungen der Rechenzentren durch In-House-Installationen sind nicht neu, denn preiswerte Bürocomputer gibt es seit Jahren. Die spektakulären Preissenkungen in jüngster Zeit kommen sicherlich dem hierzulande verbreiteten Besitzstreben nach dem eigenen Computer entgegen. Nur werden die Probleme nicht dadurch geringer, daß die Anlagen billiger werden. Im Gegenteil: Die leistungsfähigere Hard- und Software ermöglicht Lösungen, die nur mit entsprechendem Know-how zu bewältigen sind, und das fehlt in vielen Fällen. Die Branche der Service-Rechenzentren muß Herausforderungen mannigfacher Art begegnen. Neben der Konkurrenz durch Hardware-Anbieter beeinflussen auch aktuelle Gesetze, wie zum Beispiel BDSG, Steuerberatungsgesetz (StberG) und AGB die Aktivitäten der Betriebe und führen zu neuen Strategien. Der Wettbewerbsdruck fördert die Service-Leistungen. Interne oder externe EDV ist heute keine starre Alternative. Die Formen des "Mix" für Problemlösungen mit EDV sind zahlreich. Die Tatsache der Hardware-Entwertung hat bereits - und wird auch weiterhin - Konzeptionen entstehen

lassen, die dem EDV-Anwender eine immer größere Annäherung an "optimale" Lösungen bieten. Intern so viel wie nötig, extern so viel wie sinnvoll. Kostenbewußte Anwender, die ebenso EDV-"mündig" wie reine "Computer-Fans" sind, handeln seit längerem nach dieser Devise. Die Zusammenarbeit zwischen Rechenzentrum und Kunden wandelt sich (zum Beispiel durch DFÜ und neue Formen wie Facilities Management) ständig.

Das "große Fressen" findet nicht statt. "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" - so einfach liegen die Dinge nicht. Der Datenservice wird auch künftig seine Chance überall dort finden, wo

- qualifizierte EDV-Fremdleistungen, analog zur Rechts-, Steuer- oder Werbeberatung, unter "komperativen" Kostenaspekten beurteilt werden,

- erfahrene EDV-Fachleute fehlen,

- EDV-Kosten drücken.

Die Pro-Kopf-Umsätze für EDV-Service-Leistungen betragen in West-Europa nur ein Drittel des US-Marktes, in Deutschland liegen sie um etwa 50 bis 70 Prozent unter den skandinavischen Werten. Die Brisanz der Veränderung wird - mit zeitlicher Verzögerung - auch in dieser Richtung wirksam.

Der internationale Rechenzentrumsverbund Europoos Computer Services pflegt zum Beispiel Formen der Kooperation, die zu antizipierenden Problemlösungen für den Service und seine Anwender führen und in denen auch den preisgünstigen In-House-Installationen eine adäquate Rolle zukommen.

Herbert Lex

Geschäftsführer, LOB Rechenzentrum GmbH, München

Trotz Hardware-Preisverfall und vielen günstigen MDT- und Miniangeboten gibt es sehr viele Anwender, die bei eigener EDV-Anlage ihre Lohn- und Gehaltsabrechnung im Service verarbeiten lassen: Teilweise aus Gründen der Geheimhaltung, teilweise aber auch wegen des noch fehlenden Know-hows auf diesem Gebiet.

Immer stärker aber spüren wir den Trend, daß unsere Kunden, die keine eigene Anlage besitzen, dennoch die Daten am Ort des Entstehens haben wollen, also am Schreibtisch des Sachbearbeiters. Diesem Wunsch folgend, haben wir vor drei Jahren begonnen, Datenverarbeitung im RJE (Remote Job Entry) zu offerieren und wollen diesen Spezial-Service jetzt weiter ausbauen:

Alle RJE-Kunden wurden mit Terminals, bestehend aus Terminal-Controller, Bildschirm-Datenerfassung und -Abfrage, Schnelldrucker und Karten-Disketten- oder Kassetten-Leser ausgerüstet. Verarbeitet wird nach Übertragung der Informationen über Wähl- oder Standleitung in unserem Rechenzentrum.

Wichtig hierbei ist, daß jetzt der Kunde das Gefühl hat, mit dem eigenen Computer zu arbeiten. Er kann jederzeit selbständig am RJE-Terminal starten und dann entscheiden, ob die gewünschte Verarbeitung nach Fertigstellung auf sein Terminal übertragen wird oder ob - zum Beispiel bei großen Datenmengen - der Ausdruck über unseren Schnelldrucker erfolgen soll.

Da sich dieser Spezial-Service in der Anfangsphase bereits gut bewährt hat, glauben wir, so einen guten Weg in die Zukunft zu gehen.

Harro Behrends,

Geschäftsführer, ADV/ORGA Datenservice GmbH, Oldenburg

Man würde es sich etwas zu leicht machen, wenn man auf diese Frage zur Antwort gäbe, daß die Service-Rechenzentren mehr noch als bisher den Gedanken des Service für die betroffenen Kunden in den Vordergrund stellen müssen, obgleich damit die erste Hälfte der Antwort schon gegeben ist.

Zur Betreuung eines Kunden, der in der Regel nicht über EDV-ausgebildetes Personal verfügt, genügt es nicht, ihm eine Anlage, das entsprechende Programm und ein Handbuch hinzustellen. Die Programme müssen schnell und leicht den speziellen Wünschen eines Kunden angepaßt werden können (da sonst der Aufwand für das RZ zu groß würde); die Verarbeitungstermine müssen so häufig sein, daß die Aktualität der Auswertungen nicht leidet; die Auswertungen müssen separiert und getrennt sein und eventuell verschickt werden; die Belange der Datensicherheit und des Datenschutzes müssen tunlichst besser gewahrt sein, als im Hause des Auftraggebers; die Einweisung und Betreuung des Fachpersonals muß laufend von sehr qualifizierten Mitarbeitern des Rechenzentrums sichergestellt sein; das Programm-Angebot muß umfassend und die Integration der Anwendungen muß sicher und einfach gewährleistet sein. Zu diesem Service, der bisher schon vorhanden sein mußte, muß kommen, daß das Service-RZ ähnliche Vorteile bieten kann wie die MDT, Minis usw. Handelt es sich um zeitkritische Auswertungen, muß ein Remote Job Entry-Verfahren oder auch die Dialogverarbeitung geboten werden können, wo dies erforderlich ist. Hier partizipieren auch die Service-Betriebe am Preisverfall der Hardware auf dem Markt, und hier wird möglicherweise in Zukunft es weniger zu einer Konfrontation kommen als zu einer Zusammenarbeit zwischen "billigen", aber guten Hardware-Herstellern und leistungsfähigen Rechenzentren. Den besseren Kunden-Service werden nach wie vor die Service-Rechenzentren bieten können. Einen Ausweg in einer Spezialisierung zu suchen, halten wir in heutiger Zeit nur sehr bedingt noch für möglich, aber auch nicht für erforderlich.