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16.12.1994

Sex ist das meistdiskutierte Thema im Akademikernetz Die Internet-Gemeinde wehrt sich gegen Kommerzialisierung

FRAMINGHAM (IDG) - Zu einer Art Religionskrieg scheint sich das Thema Kommerz im Internet zumindest in den USA zu entwickeln. Teilweise eskaliert die Diskussion bereits soweit, dass hyperengagierte Diskutanten aus dem Freaklager ihre Kontrahenten mit Mail-Bomben mundtot machen. Doch auch die kommerzielle Seite ist nicht gerade zimperlich in Sachen Profitsuche, wenn sie ploetzlich den Verkehr unliebsamer User nicht mehr weiterroutet.

In der amerikanischen CW-Schwesterzeitschrift "Computerworld" haben Michael O'Neal-Petterson und Jayne Levin ueber das Fuer und Wider der kommerziellen Nutzung des Internets diskutiert. Sicherlich, die Anwaltskanzlei Canter & Siegel, die mit ihrer Werbung ungefragt die zahlreichen News-Gruppen beglueckte, duerfte 1994 zu den unerfreulichsten Ereignissen in Sachen Kommerz im Netz gehoeren.

WWW-Server sind nur nebenbei Werbemedium

Ob dies allerdings ausreicht, um gleich mit Schreckenszenarien zu rechnen, wie sie O'Neal-Petterson ausmalt, mag dahingestellt bleiben. Momentan jedenfalls sieht es weniger denn je danach aus, dass hinter jeder Information gleich eine elektronische Wuerstchenbude oder ein neuer General-Motors-Katalog lauert. Vielmehr dienen die World-Wide-Web-(WWW)-Server der meisten Unternehmen lediglich neben ihrer Funktion als Supportforum gleichzeitig als Werbemedium.

Ebenso wenig ist es fuer Levin als Befuerworter kommerzieller Internet-Nutzung verwerflich, dass kuenftig jeder einzelne User fuer den von ihm generierten Datentransfer bezahlt, egal ob er aus dem akademischen oder oekonomischen Bereich kommt. Es sei nur gerecht, wenn jeder Nutzer sein Scherflein zur Finanzierung des Netzes beitrage. Zudem koenne, so Levin, ueber den Preis auch die Prioritaet der Daten gesteuert werden, getreu dem Motto: Wer mehr zahlt, dessen Mails werden schneller befoerdert.

User sollen kuenftig fuer Datentransfer zahlen

Die Vorstellung, dass der allmaechtige Dollar nun auch noch den wissenschaftlichen Informationsaustausch reglementiert, ist zumindest fuer O'Neal-Petterson untragbar. Auch dem Gedanken, dass Teilstrecken des Internets fuer den kommerziellen Verkehr und andere Uebertragungswege wiederum nur fuer die akademische Kommunikation offen sind, kann der Verfechter eines kommerzfreien Netzes nicht viel abgewinnen. Vielmehr, so sein Verdacht, soll damit der wenig kapitalbringende Verkehr langsam vom Hauptnetz in eine Nische gedraengt werden.

Auf der anderen Seite kann Levin die Befindlichkeiten der Akademiker, die das Netz quasi als ihr Eigentum betrachten, nur schwer nachvollziehen. Zumal das Netz erst durch die Unterstuetzung der National Science Foundation (NSF) zu dem wurde, was es heute ist, da es die Wissenschaftler nach Levins Einschaetzung lange Zeit nicht geschafft haben, aus eigener Kraft das Netz ausfallsicher zu gestalten. Erst in den 90er Jahren wurde mit dem NSF das Internet zu einem verlaesslichen Arbeitsmittel, finanziert aus den Geldern grosser Unternehmen und mit Millionen Steuerdollars - also von den Leuten, die die Internet-Gemeinde nicht in ihrem Netz haben will.

Ein Argument, dem sich selbst der haerteste Verfechter eines unabhaengigen Netzes nicht entziehen kann, zumal sich das Lob des regelmaessigen Informationsaustauschs in Sachen Forschung relativiert, wenn man bedenkt, dass sich fast die Haelfte der am haeufigsten genutzten Use-Gruppen mit sexuellen Themen beschaeftigt.

Werbung verstoesst nicht gegen die AUP

Besonders erregt Levin aber die akademische Propaganda, die behauptet, dass die "Acceptable Use Policy" (AUP) der US-Regierung kommerziellen Netzverkehr verbiete. Nach den Worten von Levin, der mit Tony Villasenor, einem der Autoren der AUP, sprach, ist es der erklaerte Wille der Regierung, wirtschaftliche Aktivitaeten im Netz zu foerdern. Selbst Werbung verstosse nicht gegen die AUP.