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31.07.1987 - 

Die Bankgesellschaft braucht Experten für Expertensysteme:

SGB finanziert Lehrstuhl an ETH Zürich

ZÜRICH (CWS) - Der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) geht die Entwicklung von Expertensystemen nicht schnell genug voran. Deshalb investiert sie rund eine Million Franken in einen ETH-Lehrstuhl.

"Zur rechten Zeit" sei das SBG-Angebot an die ETH erfolgt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von SGB und ETH. Die Offerte der Bank besteht darin, während eines Zeitraums von sechs Jahren die Arbeitsplatzkosten für eine Expertensy stem- Assistenzprofessur an der ETH zu übernehmen. Hubert Huschke, stellvertretender SBG-Generaldirektor, bezifferte die Kosten mit rund einer Million Franken. Zusätzlich will die SBG die erforderliche technische Infrastruktur der ETH und der Universität Zürich kostenlos zur Verfügung stellen.

Der Bundesrat hat zu diesem Geschäft seinen Segen gegeben; öffentlich ausgeschrieben wird die auf zwei mal drei Jahre befristete Stelle im kommenden Herbst. Auf die Besonderheit der Stelle wird im Ausschreibungstext mit einer von den ETH-Organen verabschiedeten Formulierung explizit verwiesen: "Die Finanzierung dieser Professur erfolgt aufgrund einer Vergabe der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), ihre angemessene personelle und sachliche Ausstattung mit Mitteln der ETH." Mit der Assistenzprofessur soll laut Ausschreibung die "aktuelle Forschung im Bereich Expertensysteme, Wissensrepräsentation und angewandte Künstliche Intelligenz zusätzlich gefördert werden".

Carl August Zehnder, Vorsteher des Institutes Informatik der ETH Zürich, beklagte den Mangel an hochqualifizierten Informatikern in der Schweiz, der zu einer aggressiven Abwerbepolitik der Hochschulen und der Privatwirtschaft führe: "Um eine Stelle besetzen zu können, müssen wir mindestens fünf Leute bearbeiten." Und Huschke meinte zur Situation auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz: "Es gibt schlicht keine Experten für Expertensysteme!"

SBG und ETH hoffen, mit der Einrichtung des zusätzlichen Lehrstuhles "einen Anstoß für die Entstehung einer kritischen Menge von aktiven Forschern im Bereich Experten-Systeme" zu geben, welcher - so die Erklärung - "nicht nur der SBG selbst, sondern der gesamten Schweizer Industrie stark und langfristig nutzen werde".

Über konkrete Expertensystem-Vorhaben ist bislang zwar wenig bekannt, doch begründete SBG-Direktor Bernard R. Bachmann in einem Arbeitspapier den direkten Nutzen für die Bank: "Wer den Anschluß nicht verpassen will, muß sich heute mit dieser Technologie auseinandersetzen, um in den frühen neunziger Jahren schlagkräftig dabeisein zu können. Dies gilt erst recht gerade jetzt, wo sich die Künstliche Intelligenz an der Schwelle zwischen Labor und industrieller Nutzung befindet. Der frühe Anwender wird den größten Nutzen davontragen." Primär für Ausbildungszwecke benutzt die SBG das in den USA entwickelte Expertensystem "Financial Advisor ".