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22.03.1996

SGI: Analysten begegnen der Cray-Uebernahme mit Skepsis

Die Wall Street reagierte auf die geplante Uebernahme des Supercomputerherstellers Cray Research Inc., Eagan, Minnesota, durch die Silicon Graphics Inc. (SGI) aus dem kalifornischen Mountain View skeptisch. Die Gewinnschaetzungen fuer Silicon Graphics wurden auf breiter Front zurueckgenommen.

SGI bietet 30 Dollar je Cray-Research-Aktie. Das Angebot gilt fuer 75 Prozent der Cray-Anteile. Zu einem spaeteren Zeitpunkt sollen die restlichen 25 Prozent zu dem dann gueltigen Boersenkurs erworben werden. Der Abschluss der Fusion ist fuer das zweite Quartal 1996 geplant.

Obwohl sowohl Cray als auch SGI Supercomputer anbieten, agieren beide Unternehmen in unterschiedlichen Marktsegmenten. Silicon Graphics ist der fuehrende Hersteller von Grafik-Workstations und Visual-Computing-Systemen, die vor allem in den Bereichen Design, Konstruktion, Film- und Werbeindustrie Anwendung finden. Die 3D- Grafik-Workstations werden dem Bereich Supercomputer zugeschlagen.

Das Einsatzgebiet der Cray-Research-Maschinen liegt dagegen traditionell im Segment der Forschung und Entwicklung - auch im militaerischen Bereich. Cray, 1972 durch Seymour Cray gegruendet, lag jahrelang auf Rang eins der Supercomputerhersteller. Heute belegt Silicon Graphics, vor zwei Jahren noch nicht in der Rangliste der weltweit 500 leistungsfaehigsten installierten Supercomputer vertreten, mit 135 Systemen den ersten Platz, vor Cray (125) und IBM (72). 1995 konnte Silicon Graphics 75 Systeme im High-end-Segment absetzen, IBM 32 und Cray 30 Stueck.

Das Gesamtvolumen des Marktes fuer Supercomputer wird derzeit weltweit auf zwei Milliarden Dollar pro Jahr geschaetzt. Die fuer die naechsten drei Jahre prognostizierten Wachstumsraten von 50 Prozent duerften vor allem im Bereich der Workstations realisiert werden, waehrend das Segment der Large-scale-Computer voraussichtlich weiter abnimmt. Aus diesem Grund sucht Cray jetzt Schutz unter dem Dach eines groesseren, branchenverwandten Unternehmens - aehnlich wie dies im vergangenen Jahr bereits der texanische Supercomputerhersteller Convex durch das Zusammengehen mit Hewlett-Packard vollzogen hat. Zuletzt erwirtschaftete Cray nachhaltig Verluste. 1995 wurde bei einem Umsatz von 676 Millionen Dollar ein Minusbetrag von 226 Millionen Dollar ausgewiesen.

Die im vergangenen Jahr eingeleiteten Massnahmen zur Kostensenkung werteten Wall-Street-Analysten als Versuch des neuen Cray- Managements, das Unternehmen auf ein Zusammengehen mit einem Wettbewerber vorzubereiten. In der Vergangenheit waren schon IBM, Digital Equipment, Sun Microsystems und 1991 auch schon einmal Silicon Graphics als moegliche Cray-Partner gehandelt worden.

Ohne Zweifel hat sich Silicon Graphics mit Cray einen bekannten und wertvollen Markennamen zugelegt. Ob dies allerdings den Aufwand von insgesamt schaetzungsweise 750 Millionen Dollar rechtfertigt, muss sich erst noch herausstellen. Zwar erwarten Marktbeobachter aufgrund der unterschiedlichen Marktsegmente, die beide Unternehmen abdecken, nachhaltige Synergie-Effekte im Fertigungsbereich, die Finanzanalysten an der Wall Street nahmen aber dennoch ihre Gewinnschaetzungen zurueck. Begruendet wird die Skepsis mit einem moeglichen technischen Konflikt. So hat Cray bisher auf Halbleiterzulieferer wie Sun Microsystems und Digital Equipment zurueckgegriffen, waehrend Silicon Graphics seine Maschinen mit den Halbleitern des vor einigen Jahren uebernommenen Chipherstellers Mips ausruestet.

Die Aktie von Silicon Graphics fiel nach der Ankuendigung des Mergers auf ein neues Tief von 24 Dollar und notiert damit wieder auf dem Niveau von Anfang 1994. Bezogen auf einen fuer das Geschaeftsjahr 1996 geschaetzen Gewinn von 1,3 Dollar je Aktie bedeutet dies ein Kurs-Gewinn-Verhaeltnis von 18,5. Bestehende Arrangements sollten mit knappen Stop-loss orders abgesichert, Neu-Engagements zurueckgestellt werden.

* Arnd Wolpers ist Geschaeftsfuehrer der Vermoegensverwaltungsgesellschaft CMW GmbH in Muenchen. Die hier veroeffentlichten Informationen beruhen auf Quellen, die wir fuer vertrauenswuerdig halten. Trotz sorgfaeltiger Quellenauswahl und - auswertung koennen wir fuer Vollstaendigkeit, Genauigkeit und inhaltliche Richtigkeit der Angaben eine Haftung nur insoweit uebernehmen, als grobe Fahrlaessigkeit oder Vorsatz Haftung begruenden. Jede darueberhinausgehende Haftung wird ausgeschlossen. Fuer Angaben Dritter uebernehmen wir kein Obligo, Aktienanlagen sind durch staerkere kursschwankungen gekennzeichnet.