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03.05.1991 - 

Halbleiterproduktion nicht konkurrenzfähig

SGS-Thomson-Chef fordert eine europäische Chip-Allianz

BRÜSSEL (IDG) - Für eine Zusammenlegung der europäischen Halbleiterindustrie hat sich Pasquale Pistorio, Präsident der französischen SGS-Thomson-Gruppe, ausgesprochen. Nur durch einen Zusammenschluß der entsprechenden Werke von Siemens, Philips und seinem Unternehmen könnten Chips in einer Größenordnung produziert werden, die den internationalen Maßstäben gerecht werde.

Sollte eine solche Kooperative nicht zustande kommen, so werde nicht nur die europäische Chip-Produktion, sondern der gesamte Elektroniksektor in eine existentielle Krise geraten. Pistorio malte dieses düstere Szenario bei einem vom Europäischen Parlament veranstalteten Hearing, in dem die Stärken und Schwächen der industriellen Produktion innerhalb der Europäischen Gemeinschaft analysiert wurden.

Der SGS-Thomson-Geschäftsführer befürwortet "jede Form der Kooperation zwischen diesen drei Unternehmen. Wir brauchen eine solche Initiative; jede Entwicklung in diese Richtung ist willkommen". Das Zustandekommen der Chip-Allianz, die zur Entstehung eines der fünf größten Halbleiterunternehmen der Welt führen würde, hängt nach Ansicht des Konzernchefs einerseits vom Goodwill der Anteilseigner sowie andererseits von den beteiligten Regierungen ab. Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung bezeichnete er den Merger zwischen der italienischen SGS und der französischen Thomson-Gruppe.

Pistorio wandte sich in seiner beschwörenden Rede vor allem an die nationalen Regierungen: Die Halbleiterindustrie bedürfe dringend der Unterstützung durch öffentliche Gelder. Wolle ein Chip-Hersteller heute überleben, so müsse er jährlich für mindestens zehn Milliarden Dollar Produkte verkaufen. Gegenwärtig sei die Situation für die europäischen Halbleiterunternehmen aber so angespannt, daß sie in der kommenden Dekade pro Jahr mehr als zehn Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung investieren müßten, um auch nur annähernd einen Marktanteil zu erreichen, der das langfristige Überleben garantiere.

Pistorio sprach sich auch für eine produktivere Nutzung der Forschungsergebnisse aus der Chip-Industrie aus. Eine engere Bindung zwischen Forschungsunternehmen und dem Markt beziehungsweise der Fertigung von Endprodukten sei dringend angezeigt.

Für den Kunden müsse die Zusammenarbeit mit der europäischen Halbleiterindustrie und der Erwerb ihrer Produkte interessanter werden. Das könne zum Beispiel durch eine Unterstützung der Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung oder durch eine Bezuschussung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten erreicht werden.

Als Nachteil für die Halbleiterindustrie hierzulande nannte der SGS-Thomson-Präsident die vergleichsweise hohen Finanzierungskosten. Im Gegensatz zu Europa seien japanische Banken und Anleger weniger auf einen kurzfristigen "Return of Investment" aus, dort verspreche man sich mehr vom langfristigen Geschäft.

Schützenhilfe erhielt Pistorio von Filippo Maria Pandolfi, EG-Kommissar für Forschung und Entwicklung: "Es wäre absolut legitim, sämtliche Halbleiteraktivitäten in Europa auf ein großes Unternehmen zu beschränken - dieses Recht hat die europäische Industrie!" Was in den USA und Japan längst Normalität sei, könne sich auch in Europa durchsetzen.