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04.05.2001 - 

Hochverfügbarkeit zwischen entfernten Sparkassen-Standorten

SI-BW schließt Druckzentren zusammen

Der Rechenzentrumsbetrieb der Sparkassen Informatik Baden-Württemberg ist auf vier Standorte verteilt. Eine gegenseitige Ausfallabsicherung war bisher nicht möglich. Um bei zeitkritischen Dienstleistungen die Hochverfügbarkeit sicherzustellen, wurden die Standorte via "Channel Extension" vernetzt. Von Nicole Winkler*

Im letzten Jahr fusionierten die beiden Informatikzentren der Sparkassen in Baden-Württemberg zur Sparkassen Informatik Baden-Württemberg (SI-BW). Die SI-BW als IT-Dienstleister der baden-württembergischen Sparkassen betreut mit 970 Beschäftigten rund 2700 Sparkassen-Filialen. Der Dienstleister produziert in beiden Druckzentren in Fellbach und Karlsruhe jährlich über 140 Millionen Blatt beschriebenes Papier. Längere Ausfallzeiten in einem der beiden Druckzentren waren bislang nur schwer aufzuholen. Im schlimmsten Fall hätten die Druckdaten auf Bänder überspielt und in ein anderes Rechenzentrum gebracht werden müssen.

Verfügbarkeit sicherstellenDie gegenseitige Ausfallabsicherung der Druckzentren war deswegen ein sehr wichtiges Projekt im Rahmen der Fusion. Ziel war, die Druckerpools in Karlsruhe und Fellbach von dem jeweils anderen Standort aus zu steuern, um die Verfügbarkeit der Pools auch bei Ausfall eines Rechenzentrums sicherzustellen.

Ein weiteres Projekt hatte zum Ziel, die "Remote-Console-Funktion" im Standort Fellbach zu installieren. Ihre Aufgabe ist es, bei Ausfall des zentralen Operatings am Standort Karlsruhe die Steuerung der Host-Systeme von Fellbach aus zu ermöglichen.

Erste konkrete Gespräche über die geplante Vernetzung der beiden Druckzentren fanden im Herbst 1999 statt. Kernthema waren dabei die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Rechenzentren über die Distanz von rund 100 Kilometern zu verbinden. Die Datenübertragung sollte annährend mit Kanalgeschwindigkeit möglich sein. Die Wahl fiel auf die Technik der Kanalverlängerung (Channel Extension), da hierbei unter anderem vergleichsweise geringe Kosten und organisatorischen Änderungen anfallen.

Die Kanalverlängerung spielt dem Drucker vor, sie sei der MVS-Rechner, während sie auf Mainframe-Seite vorgibt, der Drucker zu sein. Die Entfernung, die tatsächlich zwischen den Komponenten liegt, spielt keine Rolle.

Vernetzung der StandorteDas Projektteam entschied sich für den "Inrange VMC 8270" (VMC = Virtual Mainframe Channel). Das System verhält sich im Netzwerk wie eine Black Box, die unabhängig vom Betriebssystem des Mainframes und der Anwendungssoftware arbeitet. Ein VMC wird an den Mainframe angeschlossen, das zweite an die Devices, zum Beispiel den Drucker. Auf dem Host ist keine zusätzliche Software nötig, die Kanalverlängerung arbeitet für das MVS-System völlig transparent. Peripheriegeräte lassen sich dadurch standortunabhängig mit einer Performance wie bei einer lokalen Anbindung betreiben.

Um die benötigte Bandbreite möglichst gering zu halten, werden die Daten kanalseitig komprimiert (On-Channel-Compression). Der Datenstrom verdichtet sich so bis um den Faktor acht. Zusätzliche externe Komprimierungsgeräte sind nicht erforderlich.

Die Informatikzentren waren vor der Fusion nicht miteinander verbunden. Die Projektgruppe entschied sich für ein ATM-Netzwerk. Es ist besonders geeignet, die Zuverlässigkeits- und Geschwindigkeitsanforderungen der SI-BW zu erfüllen. Ein zusätzlicher Vorteil des ATM-Netzes ist, dass es zwischen den vier Standorten auch für Telefondienste und IP-Netze zur Verfügung steht und damit weitere Nutzungsmöglichkeiten bietet. Da die eingesetzte Kanalverlängerung optional über eine native ATM-Schnittstelle verfügt, waren keine zusätzlichen externen Konvertierungs-Tools erforderlich.

Die Installation der acht Kanalverlängerungen - je vier Paare, die sich gegenseitig Backup geben - erfolgte im Frühjahr 2000. Seitdem laufen die Systeme ohne Unterbrechung.

Projektziele erreichtAm eigentlichen Druckvorgang hat sich nichts geändert, so dass die SI-BW kein zusätzliches Know-how aufbauen musste. Zudem konnten die Rechenzentren völlig autark mit eigenen Operatorfunktionen weiterarbeiten. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung ist, dass die eingesetzten Systeme über Funktionen wie Ferndiagnose, Management der Leitungsauslastung sowie Remote Switching und Access verfügen.

Insgesamt sind die Projektverantwortlichen der SI-BW mit der Lösung zufrieden; die Projektziele wurden erreicht. "Für uns hat sich dieser Schritt und die Investition in die Kanalverlängerungen voll gelohnt. Wir haben unsere Dienstleistungen erheblich verbessern können und gute Voraussetzungen für Weiterentwicklungen gelegt", heißt es dort.

*Nicole Winkler ist Journalistin in München.

Abb: Verbindung der Standorte

Um die Verfügbarkeit der Druckzentren der SI-BW sicherzustellen, ist die Kanalverlängerung redundant aufgebaut. Quelle: SI-BW