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09.05.1997 - 

Leserbrief

Sich der Realität stellen

Ich bin erstaunt, daß sich die CW inzwischen zum Büttel im Kampf der großen IT-Konglomerate degradieren läßt. Dabei scheinen Sie eindeutig Position für die Herausforderer Sun, IBM, Oracle etc. gegen das "Reich des Bösen" (Sun-Chef Scott McNealy über Microsoft) zu beziehen, die ganz uneigennützig gemeinsam die Flagge der freien IT-Welt hochhalten. Daß dabei eine objektive Berichterstattung zum Nutzen Ihrer Leser auf der Strecke bleibt, versteht sich von selbst. Beispiele gefällig?

Vor mir liegt die Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 1997. Auf Seite 9 wird die reine Java-Lehre gepredigt. Da wird Java zum "Quasi-Standard" erhoben (tolle Wortschöpfung!), es werden völlig unkommentiert Sun-Werbeaussagen übernommen, die "DV-Branche scheint an den Erfolg von Java (...) zu glauben" (ist es nun schon Standard oder noch nicht? Oder kommt man nur mit Glauben anstelle Fakten weiter?). Es gebe sogar "Unternehmen, die der Java-Technologie trotz einiger Limitationen einen Vertrauensvorschuß geben" (welcher IT-Manager mit gesundem Menschenverstand arbeitet mit einer nicht ausgereiften Technologie?). Kurzum, mit Andeutungen, Wunschdenken und viel Glauben laden Sie also dazu ein, "dem Würgegriff des Wintel-Kartells zu entkommen" (dramatischer geht es wohl nicht mehr).

Man könnte den Artikel ganz einfach als unqualifiziert abtun und weiterblättern, wenn sich nicht die zweite Hälfte in der Aufzählung von Unwahrheiten und purem Schwachsinn überböte. Sie werfen Microsoft vor, daß es Java nur als eine Programmiersprache unter vielen betrachtet. Ich bitte Sie, das ist doch der einzig vernünftige Standpunkt! Sie beschreiben das Zertifizierungsprogramm "100 Prozent pure Java" als die Erlösung von allen IT-Problemen. 8400 Tests sollen die Kompatibilität von Java auf allen Hardwareplattformen sicherstellen - das glauben Sie wirklich? Gleichzeitig geben Sie zu, daß es Inkompatibilitäten gibt. Sie qualifizieren das Sun-Zertifizierungsprogramm als absolut sicher (obwohl es das noch nicht unter Beweis gestellt hat) und disqualifizieren die bereits zertifizierte Active-X-Technologie generell als "schmutzig".

Glauben Sie tatsächlich, daß es bei Java oder Javabeans - zertifiziert oder nicht - keine Sicherheitsprobleme geben wird? Glauben Sie auch an den Weihnachtsmann? Active X Controls sind genauso sicher oder unsicher wie Javabeans. Sicherheitsprobleme treten erst auf, wenn Personen mit krimineller Energie bewußt mit einer Technologie Mißbrauch betreiben. Von alleine tätigt kein zertifiziertes Active X Control unkontrolliert Banküberweisungen oder formatiert die Festplatte.

Der fundamentale Unterschied zwischen beiden Technologien ist der, daß Active X schon real zur Verfügung steht (es gibt Hunderte von ausgereiften Produkten), während Javabeans reine Hirngespinste einiger verquerer Reinheitsapostel sind. Active X hat die Entwicklung von Komponenten demokratisiert. Jeder kann mit wenig Aufwand seine eigenen Komponenten erstellen und das Internet ohne teure Lizenzgebühren für sich nutzen. Vielleicht ist es gerade diese Perspektive, die den vielen Steigbügelhaltern von Scott McNealy gegen den Strich geht.

Leider ist dies nicht der einzige Artikel, der massiv Stimmung gegen Microsoft macht. Auf Seite 15 werden Programmiersprachen miteinander verglichen. Einmal davon abgesehen, daß eine Basis von nur 156 Erhebungen keine verwertbaren statistischen Aussagen zuläßt, sondern allenfalls Trends aufzeigt, war das Ergebnis ein haushoher Sieg für Microsofts Visual Basic. 115 von 156 Unternehmen setzen Visua Basic ein, aber nur sechs Unternehmen verwenden Delphi. Trotzdem schreiben Sie in der Dachzeile "Borlands Delphi vor Microsofts Visual Basic". Entweder es war ein Versehen, oder Sie können nicht bis sechs zählen. Die befragten Leser gaben vielleicht Delphi in manchen Details bessere Noten, wenn es aber um die reale Entwicklung von Software geht, nimmt man doch lieber Visual Basic. So schlecht kann es also nicht sein, oder?

Stellen Sie sich der Realität. Nur der Stärke von Microsoft haben wir den weltweiten homogenen PC-Markt zu verdanken. Die Vision von Sun und Konsorten ist ein in zahllose proprietäre NC-Technologien zersplitterter Markt, der notdürftig durch den "Quasi-Standard" Java zusammengehalten wird. Das wäre dann die Stunde der Abzocker. Was meinen Sie wohl, wie das Preisgefüge aussieht, wenn aus dieser Vision Realität werden sollte?Hendrik Heimer, Geschäftsführer Nexus Software GmbH, Ravensburg