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30.01.1976

Sicherheit: "Sich nie in Sicherheit wiegen"

Mit Eberhard Adolph, Geschäftsführer der Börsen-Daten-Zentrale, Frankfurt, sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- Wer ist bei der Börsen-Daten-Zentrale für das Zubehör zuständig?

Das Zubehör wird im wesentlichen vom Rechenzentrumsleiter nach Prüfung mehrerer Angebote eingekauft. Laufendes Zubehör- und Verbrauchsmaterial sowie kleinere Anschaffungen machen bei uns etwa zehn Prozent des Umsatzes aus. Für diese zehn Prozent hat der Rechenzentrumsleiter sein eigenes Budget.

- Nun gehören zum Zubehör aber auch die Extraanschaffungen: Datenschränke, Stromversorgungen, Sicherheitsvorkehrungen usw. Wie hoch sind für diese Extraausgaben Ihre Budgetansätze?

Diese Zubehör-Anschaffungen mit Investitionscharakter kommen nicht täglich vor - in diesen Fällen wird unter Einschaltung von Fachleuten und externen Beratern entschieden.

- Man hört vielfach die These, daß die EDV-Leiter und in Ihrem Falle der Geschäftsführer eines Service-Rechenzentrums wegen der Alltagssorgen um den laufenden Betrieb und wegen der vielen technisch komplexen Probleme der Elektronik diesem Bereich Zubehör zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

In erster Linie wird diese These wohl von den Lieferanten von Zubehör in die Welt gesetzt. Sie hat aber - angesichts der Bedeutung des Zubehörs - durchaus den ihr zukommenden Stellenwert. Zudem wird manche Diskussion über Sicherungsmaßnahmen etwas hochgespielt, insbesondere dann, wenn häufig lediglich Einrichtungen verkauft werden, ohne daß die entsprechende notwendige Schulung der Mitarbeiter oder Kunden erfolgt.

- Wie proben Sie den Ernstfall?

Eine regelmäßige Probe fand bisher nicht statt. Nachdem aber erhebliche Umbauten des Rechenzentrums vorgenommen wurden, ist in Kürze ein ausführliches Training für alle Mitarbeiter vorgesehen.

- Was für Zubehör zur Sicherung des RZ-Betriebes kommt bei Ihnen zum Einsatz?

Neben den üblichen Sicherungseinrichtungen wie Feuerwarnanlage und feuersichere Datenträgerschränke verwahren wir grundsätzlich alle Sicherungsbestände im Tresor auf. Da wir in einem bankmäßig gesicherten Gebäude im dritten Obergeschoß arbeiten, sind spezielle zusätzliche Absicherungen des Rechenzentrums nicht notwendig.

- Meinen Sie, daß der Pförtner ans Portal die Zutrittskontrolle zum Rechenzentrum ersetzt?

Nicht hundertprozentig, aber eine einfache Zutrittskontrolle durch den jeweiligen Schichtleiter und eine normale Summerverriegelung ist bei unserer Betriebsgröße ausreichend.

- Die größeren, zumindest die zahlreicheren Risiken ergeben sich ja auch beim Alltagsbetrieb. Was geschieht bei Ihnen, wenn der Strom ausfällt?

Eine längere Stromunterbrechung würde zweifellos den Rechenzentrumsbetrieb lahmlegen, da wir über keine Noteinrichtung verfügen. Kurze Unterbrechungen können durch ausreichende Datensicherung und schnelle Wiederanlaufverfahren problemlos aufgefangen werden. Die lange Stromunterbrechung halten wir nicht für relevant, weil dann auch bei unseren Kunden - Terminalbenutzer - kein geordneter Betrieb mehr läuft.

- Aber Sie hatten einmal eine Vorkehrung für unterbrechungsfreie Stromversorgung?

Wir hatten bei Einrichtung des ersten Systems - 360/30 - eine USV mit Batteriebetrieb, die eine unterbrechungsfreie Versorgung von 30 Minuten gewährleistete; jedoch durch Erweiterung der Computeranlagen wurde diese Leistungsreserve schnell aufgezehrt, eine Erweiterung der Anlage war aus räumlichen Gründen nicht möglich.

Problemkreis Zubehör

- Aber könnten nicht Daten verlorengehen, die für den Betrieb des gesamten Systems lebenswichtig sind; zumal doch Online-Anwendungen bei Ihnen im Vordergrund stehen?

Durch die wesentlich häufiger auftretenden Datenverluste bei Hard- und Softwarefehlern sind wir ständig gerüstet, jederzeit mit kurzen Wiederholungsläufen den jeweiligen Status wiederherzustellen. Bei Online-Dateneingabe wird durch gleichzeitige Sicherung bzw. Doppelspeicherung vorgebeugt.

- Kann man als Anwender mit der Betriebssicherheit heutiger Systeme zufrieden sein?

Die Hardware-Einrichtungen der Dritten Computergeneration sind in den vergangenen Jahren absolut betriebssicherer geworden, andererseits dürfen wir nicht übersehen, daß auch mittlere Computeranlagen heute schon aus wesentlich mehr Bausteinen oder Einzelgeräten bestehen, die zusammen oft nicht zu übersehende Störraten mit sich bringen können. Darüber hinaus entdeckt man immer wieder gewisse Schwachpunkte, die - obwohl nicht notwendig - ganze Systeme lahmlegen - so beispielsweise die einfache Bedienungsschreibmaschine für die Zentraleinheit.

- Wenn da der Papiervorschub nicht funktioniert, kann das ganze System lahmlegen. Was tun Sie um die Betriebssicherheit zu erhöhen?

In erster Linie haben wir der vorbeugenden Wartung einen hohen Stellenwert gegeben. Eigenes technisches Personal überwacht die Wartungsarbeiten, zudem werden täglich die systeminternen Fehleraufzeichnungen ausgewertet und veranlaßt, daß unmittelbar sich abzeichnende Störmöglichkeiten sofort durch Wartung bzw. Reparatur beseitigt werden.

- Wieviel Manpower setzen Sie dafür ein und lohnt sich das?

Wir haben mit zwei Mitarbeitern begonnen, deren weitere Aufgabe es ist, Hardware-Messungen sowie Terminal-Wartung zusätzlich durchzuführen. Als wirksam hat sich ferner eine fachkundige Überwachung der Wartungstechniker der einzelnen Herstellerfirmen erwiesen, die über Checklisten jede Wartungsarbeit nachweisen müssen.

- Wer hat die Checklisten erarbeitet?

Bei vielen Herstellern existieren sie bereits in den Wartungsmanuals, werden jedoch nur ungern den Kunden zur Einsicht überlassen. Die Checklisten wurden von uns überarbeitet und durch uns wichtig erlernende Punkte ergänzt.

- Was könnte man zusätzlich tun, um die Sicherheit des Rechenzentrums-Betriebes zu gewährleisten?

Keinesfalls sich durch die bereits eingeleiteten oder realisierten Maßnahmen in Sicherheit wiegen, vielmehr auch künftig den Gesamtbetrieb stets kritisch beobachten und d(...)regen Erfahrungsaustausch mit Kollegen weitere Sicherungen schaffen.

Eberhard Adolph, 38

ging nach einer Banklehre bereits 1958 in die EDV, die damals - IBM 421 - noch Lochkarten- und Organisationstechnik war. Bei der Berliner Bank für Handel und Industrie programmierte er eine der ersten 1401-Maschinen in deutschen Landen, 1963 bis 1970 war er bei der IBM im Anwendungsbereich Kreditinstitute. Noch als IBMer verkaufte er der Frankfurter Börsengeschäft zu automatisieren, um dann 1970 Geschäftsführer der Börsen-Daten-Zentrale zu werden.

Die BDZ (2x 370/135, zusammen 768 K, 16 Memorex-Platten und über 80 Terminals IBM -3270 und GTE 7800) wickelt als Dienstleistungs-Rechenzentrum die Wertpapiergeschäfte an den Börsen Frankfurt, Hannover und Hamburg ab.