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25.06.1995

Sicherheit und Management lassen zu wuenschen uebrig Messaging: Business-Anwendung verursacht hohe Betriebskosten

AMSTERDAM (pg) - Messaging-Anwendungen stehen vor dem Durchbruch. Bislang haeufig als Schnickschnack-Applikationen belaechelt, gewinnen E-Mail, Electronic Data Interchange (EDI), Workflow- Automatisierung und die elektronische Terminplanung im unternehmensweiten Produktionsprozess zunehmend an strategischer Bedeutung. Dennoch wurde in Amsterdam auf dem Kongress der European Electronic Messaging Association (EEMA) seitens der Anwender vor allem Kritik an den bestehenden E-Mail-Loesungen laut.

Trotz des juengsten Booms ist aus Anwendersicht in Sachen Messaging noch laengst nicht alles Gold, was glaenzt. Schon im Vorfeld des EEMA-Meetings hatte das kuerzlich gegruendete EEMA User Committee die Missstaende beim internationalen Mailing zwischen Unternehmen angeprangert. Rechtzeitig zum Konvent in Amsterdam legte das Gremium vier wichtige Kritikpunkte gegenueber den Service-Providern auf den Tisch.

Dabei monieren die Anwender zu hohe Gebuehren sowie die schlechte Qualitaet der Messages bei der Ankunft am Zielort, weil beim Transport oft der urspruengliche Formatierungsschluessel aufgehoben wird. Ferner bemaengeln sie fehlende individuelle Naming-Standards sowie die mangelnde Bereitschaft der Dienstleister, anerkannte Verfahren zur Adressierung einzusetzen.

Um ihren Teil auf dem Weg zu besseren Loesungen beizutragen, kuendigte das User Committee an, in eigener Regie einen Code zur Vereinfachung der E-Mail-Adressformate zu erarbeiten, vergleichbar mit den ISO-9000-Qualitaetskriterien. Diese Syntax soll sowohl Herstellern und Service-Providern wie auch anderen Anwenderorganisationen als festes Regelwerk angeboten werden. Produzenten, die diesen Simple E-Mail-Code nicht beruecksichtigen, will die Gruppe bei der Beratung von Mitgliedern kuenftig von Empfehlung ausschliessen. Bevor es jedoch zu diesen Sanktionen kommt, will die User Group erst im Dialog mit den Anbietern Praxiserfahrungen in puncto Management von Messaging-Produkten und -Diensten sowie der besseren Umsetzung von Enduser-Beduerfnissen austauschen.

Deutliche Worte an die Adresse der Industrie richtete auch Nick White, Chef der Abteilung weltweite Telekommunikation bei Unilever. Fuer den Experten steht zwar ausser Zweifel, dass Messaging-Produkte ihren Siegeszug angetreten haben, die Systeme der Hersteller sowie die Services der Provider jedoch noch deutlich hinter den Wuenschen der Anwender herhinken. White forderte deshalb von der Industrie, bei der Produktentwicklung verstaerkt auf Merkmale wie Stabilitaet, Management, Investitionssicherheit, Effizienz, Bedienerfreundlichkeit, Transparenz, Connectivity, Adressierung sowie Kompatibilitaet und Sicherheit zu achten.

Diese Forderungen ergeben sich, wie der Kongress zeigte, aus der neuen strategischen Rolle, die Messaging-Systeme mittlerweile in Unternehmen spielen. Sie dienen mehr und mehr als Mechanismen zur Optimierung des Produktionsprozesses und sind damit zu unerlaesslichen Wettbewerbsfaktoren geworden. Multinationale Unternehmen versprechen sich von Message-Systemen vor allem kuerzere Entwicklungszyklen fuer Produkte, eine Kostenreduzierung, Real-time-Informationen, weil diese Systeme zunehmend auch fuer den Austausch von Datenbank-Informationen genutzt werden. Ausserdem erhoffen sich die Multis die Verbesserung von Erzeugnissen und Services, ein effektiveres Arbeiten ueber Zeitzonen hinweg und nicht zuletzt die Schaffung neuer Unternehmenskulturen.

In den Messaging-Topf werfen Companies neben E-Mail jetzt auch verstaerkt Anwendungen aus dem Gebiet EDI und Electronic Commerce. Die Vorteile: Kosten fuer Administration und Kommunikation sollen reduziert, Produktions- und Distributionswege verkuerzt sowie die Reaktionszeit zum Kunden verbessert werden.

Angesichts der juengsten Entwicklung im Messaging definierte Michael Zisman, Vice-President Communications Business Group der Lotus Corp., den Begriff Groupware gar als logische Evolution des Messaging. Zisman, der in Amsterdam fuer seinen durch die Verhandlungen mit IBM verhinderten CEO Jim Manzi in die Bresche sprang, gestand ebenso wie Vincenzo Damiani, Vice-President bei Digital, Defizite der Industrie ein. Beide unterstrichen die Forderungen der Anwender und sprachen sich fuer eine einheitliche Standardisierung aus.

Aufgrund des neuen Anwendungsszenarios von Messaging-Loesungen betonte TK-Spezialist White die Bringschuld der Industrie: "In dieser Umgebung sind zuverlaessige und leicht zu bedienende E-Mail- Systeme ein unverzichtbares Tool", mahnte er und fuegte hinzu: "Unverzichtbarkeit bedeutet aber auch die Buerde der Verantwortung." Im Klartext heisst das: Wenn Messaging Teil der professionellen Informations- und TK-Infrastruktur in Unternehmen ist, und auf diese Weise sensible Daten transportiert werden, dann muessen Aspekte der Sicherheit und des Managements viel staerker als bisher in den Vordergrund ruecken.

Historisch bedingt, spielten Kriterien der Sicherheit und Administration bisher eine untergeordnete Rolle. Zum einen, weil E-Mail lediglich als Mittel zum Zweck des offenen Informationsaustausches galt und urspruenglich fuer kleine, lokale Anwendergruppen konzipiert wurde. Applikationen stossen deshalb bei nunmehr wachsenden, ueberregionalen und multinationalen Benutzergruppen an die Grenzen ihrer Leistungsfaehigkeit.

Tools, die gegenwaertig fuer den Betrieb und das Management solcher Systeme angeboten werden, sind nach Ansicht Whites nur sehr schwer anwendbar und nicht sehr leistungsfaehig.

Das Directory-Management und die Synchronisation bezeichnete Insider White als Alptraum fuer zahlreiche Administratoren und Anwender. Schuld daran seien viel zu komplexe Strings sowie unverstaendliche und staendig wechselnde Zeichen. In Amsterdam wurde deshalb wieder der Ruf nach weltweit einheitlichen Directory- Services laut. Die Loesung wird von den meisten Experten in dem OSI-Standard X.500 gesehen.

Dass die Hersteller in Sachen Adressierung schon einen Teil ihrer Hausaufgaben gemacht haben, bekundete die EEMA in der niederlaendischen Metropole durch das bislang umfassendste X.500- Demonstrationsnetz. "Die EEMA will mit dem Vorurteil aufraeumen, X.500 sei ein banaler Standard, den keiner ernst nimmt", begruendete Executive Director Roger Dean die Installation des Show-Networks. Das Plus von X.500 liege, so Dean, darin begruendet, nicht nur internationaler Standard zu sein, sondern auch ueber Protokolle zu verfuegen, die andere X.500-Systeme ueberall abfragen und nachbilden koennen.

Schnelle Verbesserungen bei Gateways notwendig

Neben einheitlichen Directories koennte eine Loesung fuer die Zukunft Software mit intelligenten Agents sein. Zunaechst brennen den Administratoren jedoch schnelle Verbesserungen bei Gateways und Verbindungen global unterschiedlicher Services auf den Naegeln. Das Problem zeigt sich in beiden Faellen durch inhaltlich verzerrte Nachrichten sowie fehlende Stabilitaet.

Besondere Kritik uebte White in puncto Sicherheit am Internet.

"Internet-Mail ist wie eine Postkarte. Jeder kann sie lesen, und oft kommt sie nicht an", sagte der Fachmann und bezeichnete den Dienst im Internet als Fail-Mail. Ein Test seiner Abteilung habe ergeben, dass neun Prozent der Nachrichten ihr Ziel nicht erreicht haetten. White rief daher die Anbieter auf, optional mehr Verschluesselungsmechanismen in ihre Systeme und Services zu integrieren. Zugriffskontrollen fuer Administratoren und Anwender muessten zum Standard werden.

White warnte jedoch auch davor, eine Milchmaedchenrechnung aufzumachen. Die Kosten fuer Software und Uebertragung seien, so der Insider, zwar kalkulierbar, die gegenwaertig mangelhaften Sicherheits- und Management-Features in den Produkten wuerden aber die Ausgaben fuer Betrieb und Verwaltung exorbitant in die Hoehe treiben (vgl. Abbildung auf Seite 23).

Viele Unternehmen seien sich darueber nicht im klaren, meinte White und raeumte selbst ein, Unilever haette in den vergangen drei Jahren weltweit 200 weitere Messaging-Manager einstellen muessen.