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25.05.1984 - 

Branchensoftware dominierte in der CNIT:

Sicob bot Mikrolösung "en gros et en detail"

PARIS - Das Mikrobetriebssystem Unix hat sich auch im französischen Markt noch nicht durchgesetzt. Auf der Sicob Special, die jetzt in Paris stattfand, liefen nur verhältnismäßig wenige Anwendungsprogramme unter diesem Operatingsystem. Großer Renner dagegen war CP/M - wer hier Lösungen für seinen Betrieb suchte, konnte aus dem vollen schöpfen und sich gleichzeitig über die notwendige Mikrohardware sowie das periphere Gerät informieren. Einen geschlossenen Marktüberblick zu geben, war erklärtes Ziel der Messeveranstalter. Trotz einer gewissen Messemüdigkeit, die durch das Überangebot ähnlicher Ausstellungen entstanden ist, honorierten zahlreiche DV-Interessierte das Angebot in der Ausstellungshalle CNIT mit regem Interesse.

Die französischen Mini-, Mikro- und Softwarehersteller präsentierten in der CNIT eine Leistungsschau, die einen guten Überblick über den Stand der Datenverarbeitung in unserem Nachbarstaat bot. Als gemeinsame Veranstaltung der 2. internationalen Standard-Softwareausstellung und der 1. internationalen Mini/ Mikro-Ausstellung versuchten die Organisatoren einem Trend gerecht zu werden, der auch hierzulande zu beobachten ist: dem Wunsch der Anwender nach Geschlossenheit des Angebots.

Große Resonanz fand deshalb auch eine neue Idee der Messeleitung, die ein "Informationsdorf" einrichtete. In dieser Area informierten verschiedene Fachverbände unabhängig und übergeordnet über präsentierte DV-Lösungen. Im Messetrubel dagegen etwas untergegangen ist der Kongreß Afcet-Sicob Bureautique, für den sich rund 250 Teilnehmer eingeschrieben hatten.

Der Zusammenschluß zweier Ausstellungen mit einem Kongreß präsentierte dem französischen Fachpublikum eine Novität. Der Schwerpunkt der Ausstellungspalette innerhalb dieser Mammutveranstaltung lag eindeutig im Bereich der branchenorientierten Standardsoftware. Wer allerdings auf Highlights in diesem Sektor oder auch bei der Hardware hoffte, sah sich enttäuscht. Gefragt und geboten wurde Bewährtes und Praktisches aus allen Bereichen. Wie lebendig dennoch der französische Markt ist, belegen zwei Ziffern: 510 Aussteller präsentierten zirka 3500 Produkte rund um die Datenverarbeitung.

Die übergreifenden Tendenzen im Mikrobereich verdeutlichen Zahlen, die aus dem Messe-Internen Informationssystem "Minitel" gewonnen werden konnten. So wurde im Katalog der Branchensoftware das Betriebssystem CP/M 232mal genannt, DOS mit sämtlichen Derivaten erschien 189mal. Wie in der Bundesrepublik scheint es dagegen für Unix noch nicht ausreichend Programme zu geben. Nur 39 Produkte waren für dieses Betriebssystem ausgewiesen.

Ein erstaunliches Bild ergab die Kurzrecherche im Hardwarekatalog: Der IBM PC war auf 18 Ständen zu finden, Apple-Hardware auf 40 Messeplätzen und der Commodore nur an 5 Stellen. Die Zahl der angebotenen Programme für den IBM PC allerdings ist mit 309 Exponaten beachtlich. Bei diesem Ergebnis ist allerdings zu berücksichtigen, daß Minitel statistische Auswertungen nicht zu seinen Hauptaufgaben zählt.

Das allgemeine Softwareangebot richtete sich an den Profi, der mit seinem Mikro berufliche Aufgaben erledigen möchte. Anwendungsprogramme aus den Bereichen Administration und Verwaltung halten sich bei den Neuankündigungen dieser Messe die Waage mit allgemeinen Dienstprogrammen und Programmierhilfen. Wenig zu sehen waren Spielprogramme - dies mag allerdings auch an der Ausrichtung der Messe auf den Fachbesucher gelegen haben.

Bei den professionell einsetzbaren Softwareprodukten ist ein eindeutiger Trend zu Farbgrafik und leichter Bedienbarkeit durch Fenster- und Maustechnologien erkennbar. Exponate zur Vernetzung von Mikros und zur Verbindung von Mainframes mit den Powerzwergen fanden während dieser Tage in der französischen Hauptstadt zwar allgemeines Interesse, haben sich aber, wie ein fransosischer Insider meinte, noch nicht hinreichend interessant machen können.

Dennoch standen Probleme moderner Technologien mit im Vordergrund des parallel stattfindenden Büroautomatisierungskongresses. Großunternehmen wie Elf Aquitaine als Anwender oder herstellerseitig Intel France gaben neben staatlichen Anwendern und Instituten einen Überblick über Erprobtes und Geplantes.

Deutlich wurde dabei, daß die französischen Informatiker derzeit noch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie hierzulande. Dazu zählen vor allem Sicherheit der Übertragung und Systemverfügbarkeit sowie Fragen des Antwortzeitverhaltens. Um diese Problembereiche kümmern sich - und auch das wurde auf der Sicob spécial deutlich - in immer stärkerem Maße staatliche und universitäre Institute.

Unterstrichen wurde dieser Trend ebenso wie die Bedeutung, die der Mikroinformatik von offiziellen Stellen zugemessen wird, vom Eröffnungsprogramm. Erstmalignahm Laurent Fabius, der neue Superminister für Industrie, Forschung und Entwicklung, diese Zeremonie wahr. Zusätzlich angesagt war ein Messebesuch des Postministers Louis Mexandeau - in Frankreich mehr denn in der Bundesrepublik ein Indiz für den Weg in die Zukunft.