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23.07.1976

Sieben Abstürze - Diesmal lag es nicht am CICS

Als ich heute morgen in Ihr Büro kam, erhielten Sie gerade die

Meldung, daß CICS mal wieder nicht lief. Welche Schwierigkeiten gibt es denn gerade und sind sie womöglich gar typisch?

Der Sachverhalt war, daß innerhalb von zwei Tagen das Betriebssystem zum siebten Mal abstürzte.

Wie es bisher aussieht, hat ein Fehler im Anwendungsprogramm nicht nur das Anwendungsprogramm abgebrochen, sondern CICS ist mit abgestürzt und außerdem noch das Betriebssystem, so daß mit IPL wieder neu begonnen werden mußte. Dieser Sachverhalt, daß ein Fehler in einer CICS-Anwendung das ganze System zum Absturz bringen kann, erscheint uns auch als größte Schwäche von CICS.

- Versuchen wir doch einmal in diesem Gespräch zu klären, was man als Anwender denn tun kann, wenn man in so mißliche Situationen kommt.

Zunächst wird der in solchen Situationen übliche Systemdump gezogen und der IBM gegeben in der Hoffnung, daß die dann ganz schnell etwas finden. Als nächstes und parallel dazu stellen wir fest, welche Änderungen in der Systemsoftware oder in der Anwendungssoftware in den letzten Tagen durchgeführt wurden, um hieraus einen Hinweis auf evtl. noch weiche Stellen zu bekommen. Außerdem werden die CICS-Statistiken geprüft, um festzustellen, bei welcher Transaktion der Abbruch erfolgte. Nur ist es hier leider so, daß die letzte Transaktion, also gerade die, auf die es ankommt, nicht mehr ausgewiesen ist. Wir müssen dann versuchen, aus dem logischen Zusammenhang festzustellen, welche Transaktion es denn gewesen sein könnte. Im ganzen gesehen eine recht unbefriedigende Situation.

- Sie wissen also gar nicht, ob der Fehler bei Ihnen liegt oder bei der IBM?

Das ist richtig. Wir gehen aber davon aus, daß bei Systemabsturz die Verantwortung bei IBM liegt, sei es Hardware oder Systemsoftware. Man sollte erwarten können, daß bei einem so verbreiteten Programmpaket, das seine ca. DM 2500, - Lizenzgebühr pro Monat kostet, ein Anwendungsprogramm nicht das gesamte System zum Absturz bringt.

- Sieben Systemabstürze in zwei Tagen bringen ja wohl jeden geplanten Arbeitsablauf durcheinander. Wie hat sich das für den Rechenzentrumsbetrieb ausgewirkt?

Jeder dieser Abbrüche hat uns zwischen einer halben Stunde und einer Stunde Ausfallzeit gebracht. Das wirkt sich natürlich negativ auch bei den geplanten Anwendungen, also bei den Batch-Anwendungen aus. Aber da ist ja die Möglichkeit gegeben, das durch entsprechende

Arbeitszeitverlängerung am Abend wieder hereinzuholen. Wesentlich schwerwiegender sind die Ausfälle für unseren sehr intensiven Online-Betrieb. Hier ist es dann tatsächlich so, daß der Arbeitsfluß in den Fachabteilungen ganz gravierend gestört wird.

- Seit wann fahren Sie CICS und wofür wird es bei der Firma Friedrich Uhde eingesetzt?

Wir haben CICS seit Ende 1973 im Einsatz und fahren es augenblicklich in einer virtuellen Partition von 2 Mega-Byte, von denen etwa 400 K real sind. Die intensivste Anwendung, die sowohl local als auch remote betrieben wird, ist unsere Bestellvergabe. Hierunter verstehen wir den Einkauf sämtlicher Materialien für die von uns geplanten und zu erstellenden Anlagen. Hierbei ist unsere Hauptabsicht nicht einmal das Schreiben dieser Bestellungen, sondern die Gewinnung von Daten für Kosten- und Terminverfolgung sowie für die Finanzplanung. Auch die soeben erwähnten Auswertungen zur Kostenkontrolle und Terminverfolgung werden über CICS abgewickelt. Hinzu kommen noch diverse Abfrageprogramme auch aus dem kommerziellen Sektor.

- Sind Sie denn nun eigentlich, was Responsezeiten und Fehleranfälligkeit betrifft, mit CICS zufrieden? Alternativen wären ja auch IMS gewesen oder etwas schlankere Konkurrenzprodukte von herstellerunabhängigen Software-Häusern.

Zunächst zur Anfälligkeit. Wir können die vorhin erwähnten sieben Abbrüche nicht als repräsentativ ansehen und nicht unbedingt dem CICS anlasten. Es hat Zeiten gegeben, und zwar bei Release 3 des OS/VS1, das war bei uns im Herbst 1974, da waren noch viel mehr Abbrüche zu verzeichnen. Es hat sich damals in so gut wie allen Fällen herausgestellt, daß es keine CICS-Fehler waren, sondern Fehler im Betriebssystem. Seit Installation von Release 4 und 5 OS/VS1 haben wir weitgehend Ruhe gehabt. Wie ich gerade eben erfahre, ist auch der Umstand, der zu diesem Interview führte, nämlich die sieben Abbrüche, insoweit aufgeklärt, als es sich nicht um einen CICS-Fehler handelt. Es war wieder ein Fehler in der Systemsoftware. Zum Responsezeitverhalten ist zu sagen, daß die Antwortzeiten bei uns, da wegen zeitkritischer Anwendungen die Forderung dazu bestand, normalerweise gut sind. Das heißt natürlich, daß wir dieses durch entsprechende Hauptspeicherkapazität erkaufen mußten.

- Gab es für Sie einen technischen Sachzwang für die Online-Anwendungen CICS zu wählen? Insbesondere haben Sie auch Alternativen seinerzeit geprüft?

Wir mußten uns zu einem Zeitpunkt für ein Online-System entscheiden, zu dem auf freien Software-Markt kaum ausgereifte TP-Steuerungssysteme angeboten wurden, wollten zum damaligen Zeitpunkt auch nicht viel riskieren und haben uns deshalb an den Marktführer gehalten. Wir haben die Entscheidung bereits in 1971 treffen müssen. Damals stand die jetzt noch intensivste Anwendung, nämlich unsere Bestellvergabe, zur Reorganisation an. Die an diese Anwendung gestellten Forderungen ließen sich sinnvoll nur mit einem Online-System lösen. Wir waren gehalten, ein Online-System zu wählen, das sowohl im DOS (damals fuhren wir noch DOS) als auch im OS betrieben werden konnte und mit einer unter Umständen relativ kleinen Partition auskommen konnte, denn damals war von virtuellen Betriebssystemen noch keine Rede. Weiterhin mußte die Programmierung der Anwendungsprogramme im PL1 möglich sein. Aus all diesen Gründen kamen wir von dem ursprünglich vorgesehenen TCA... dann auf CICS. IMS war für uns noch eine Nummer zu groß.

- Für das OS/VS1 waren Sie ja Pionieranwender mit CICS und haben -heute mit CICS/VS - beinahe dreijährige Erfahrung. Viele andere Kollegen stehen gerade heute erst vor der Entscheidung, einen TP-Monitor zu wählen. Können Sie CICS nun weiterempfehlen?

Grundsätzlich ja, wenn man Wert auf leichte Ausbaufähigkeit und Komfort für die Anwendungsprogrammierung legt. Man muß sich natürlich darüber klar sein, daß, wenn man diese Vorzüge ausnutzen will, was man ja nicht unbedingt muß, dies an irgendeiner Stelle etwas kostet -, sei es bei der Responsezeit, sei es beim Hauptspeicher. Man sollte aber auch darauf achten, daß man bei der Auswahl seines TP-Systems einen Software-Hersteller wählt, der in der Einführungsphase und auch in den Jahren danach die notwendige Unterstützung bieten kann.

- Hätten Sie mit einem anderen TP-Steuersystem die genannten sieben Abstürze verhindern können?

In diesem speziellen Fall sicherlich nicht, weil ja, wie vorhin schon gesagt, der Fehler nicht durch CICS verursacht wurde. Wir haben aber durchaus schon Fehler gehabt, bei denen die Anwendung das CICS-System und das Betriebssystem zum Absturz brachte, eben wegen der speziellen CICS-Architektur, bei der ja der Monitor und die Anwendungsprogramme in einer Partition laufen. Bei TP-Systemen, die anders konzipiert sind, wäre dieser Fall wahrscheinlich nicht aufgetreten. Hiermit ist nicht gesagt, daß dort nicht eventuell andere Schwierigkeiten aufgetreten wären, die bei CICS nicht vorkommen können.