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18.06.1993

Sieben Merksaetze Nutzbarkeit noch selten der MaVon Helmut Krueger*

Trotz des umfassenden Einzugs der Informatik in den Alltag dominiert weithin eine quasi elitaere, rein technische Betrachtungsweise. Sogar in Publikumszeitschriften und anderen Massenmedien wird haeufig nur ueber technische Finessen von Systemen berichtet, selten jedoch ueber ihre Ergonomie. Offenbar stellt sie nur selten einen Massstab der Nutzbarkeit fuer den Anwender dar. Die folgenden sieben Merksaetze sollen ein Schlaglicht auf die Bedeutung der Nutzbarkeit werfen.

Merksatz 1: Software-Ergonomie stellt hoehere Anforderungen als die klassische Hardware-Ergonomie.

Die Software-Ergonomie stellt an die Ausbildung im Fach Human Factors, einem traditionell ingenieurtechnisch ausgerichteten Fach, neue Anforderungen. Der Schwerpunkt verlagert sich von Technik und Medizin zur Wissenschaft der Kognition. Es gibt nicht mehr nur eine richtige Loesung. Schon im Entwurf werden in bedeutend hoeherem Masse schoepferische Leistungen und Designqualitaeten verlangt.

Merksatz 2: Kenntnisse der Informatik allein befaehigen nicht zur Gestaltung guter Software.

Fuer die Gestaltung guter Software sind technische Kenntnisse der Informatik eher hinderlich. Das Wissen, was nach dem Stand der Technik realisierbar sein koennte, reicht aus. Wichtiger sind Informationen ueber den voraussichtlichen Benutzer und seine kognitive Welt, ferner Kenntnisse ueber die Aufgabe, die Werkzeuge und das Umfeld, in dem die Arbeit ausgefuehrt wird.

Merksatz 3: Die Unterschiede zwischen grafischer Window-Oberflaeche und klassischer kommandoorientierter DOS-Oberflaeche sind gering.

Der Menueablauf, die Zerstueckelung von Arbeitseinheiten, unterscheidet sich in beiden Welten nicht prinzipiell. Deshalb verschwindet der Vorteil der anschaulichen, grafischen Oberflaeche mit zunehmender Kenntnis der Benutzer.

Merksatz 4: Ein naiver Benutzer arbeitet zielgerichtet.

Der naive Benutzer arbeitet auf ein Ziel hin. Jeder Schritt, der nicht in natuerlicher Weise zu diesem Ziel fuehrt, bedeutet im Ablauf der Aktionen des Benutzers einen hinderlichen Umweg, der den Fluss der Gedanken oder der Arbeit behindert. Die vom Programmierer vorgesehenen Teilziele muessen im allgemeinen gelernt werden. Technikbedingte Ziele entsprechen nur selten den Teilzielen des Benutzers.

Merksatz 5: Bei Gestaltung und Aufbau von Masken sind kognitive Gestaltungsprinzipien zu beachten.

Die Aufnahmefaehigkeit des visuellen Systems ist beschraenkt. Die spezielle Art der Informationsverarbeitung mit einer Aufloesung von Sehobjekten in Merkmale verschiedener Dimension (zum Beispiel Form, Farbe) fuer die Informationsaufnahme, aus denen mit erlernten Strategien ein internes Bild der Wahrnehmung der objektiven Aussenwelt aufgebaut wird, fuehrt dazu, dass der Mensch in der Flut visueller Information auf einem ueblichen Bildschirm auf Navigationshilfen angewiesen ist.

Merksatz 6: Metaphern erleichtern die Navigation in Softwaresystemen.

Metaphern sind Bilder aus der gewohnten Umwelt des Benutzers. Sie stehen zum Beispiel fuer gewohnte Arbeitsablaeufe mit einer gewohnten, das heisst erlernten Abfolge von Teilzielen auf dem Weg zum Gesamtziel. Die Verwendung von Metaphern gewaehrleistet eine stereotype Handlungsabfolge in der Software und mindert Probleme bei der Informationsvermittlung ueber die Funktion eines Programms.

Merksatz 7: Bei der Beurteilung der ergonomischen Qualitaet von Software ist die Zahl der Funktionen von geringerer Bedeutung als die kritische Betrachtung des Spannungsfeldes Funktionalitaet- Attraktivitaet-Individualisierbarkeit.

Studien zeigen, dass in der Mehrzahl aller Faelle nur ein Bruchteil der in einem Softwarepaket zur Verfuegung stehenden Funktionen auch tatsaechlich eingesetzt wird. Eine Reduktion der Handlungsmoeglichkeiten steigert deshalb in der Mehrzahl der Faelle die Handlungsfaehigkeit des Benutzers.

*Professor Helmut Krueger ist Direktor des Instituts fuer Hygiene und Arbeitsphysiologie der ETH Zuerich.