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14.11.1986 - 

Japanische Indiskretion offenbart zweigleisige Strategie im High-end-Markt:

Siemens bringt Fujitsu-Topmodell mit BS2000

MÜNCHEN (cmd/ujf) - Zwei Tage nach der offiziellen Bekanntgabe des PCM-Pakts zwischen BASF und Siemens ließ Fujitsu die Katze aus dem Sack. Der neue Mainframe M780, von dem der OEM-Partner der Münchner derzeit die ersten Exemplare in Japan ausliefert, kommt voraussichtlich Ende 1987 auch ins Siemens-Sortiment - als BS2000-Rechner. Bislang ist allerdings nicht einmal der 7.590 R (M380) ausgeliefert, die erste Fujitsu-Maschine mit diesem Siemens-Betriebssystem.

In einem Nebensatz hatte es Hans-Dieter Wiedig, kaufmännischer Leiter des Geschäftsbereichs Datentechnik bei der Siemens AG, auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit BASF angedeutet: Siemens werde die Zusammenarbeit mit den Japanern in einem "OEM-Vertrag für die nächste Produktgeneration erneut bestätigen". Doch daß der bisherige PCM-Lieferant (Baureihe 7.800) nun mit der Veröffentlichung von Details vorpreschte, sorgte in München-Perlach für Überraschung. Denn dieses Vorgehen war nicht abgesprochen. Kurzerhand ließ die Geschäftsleitung verbreiten, der alte Kooperationsvertrag sei verlängert worden.

Doch aus dem Umfeld der Siemens AG war zu erfahren, daß das von den Japanern zitierte Geschäft mit dem alten PCM-Pakt zwischen Tokio und München nichts zu tun hat. Der neue Rechner des Typs M780 solle nämlich die BS2000-Baureihe 7.5XX nach oben abrunden.

Die Leistungsklasse des Systems soll der IBM 3090 entsprechen, wobei die Dualprozessor-Version mit einem Modell 400 vergleichbar wäre. Damit steht fest, daß der Münchner Elektrogigant im obersten Mainframebereich zweigleisig fahren will.

Oberhalb der 7.590 R, des auf der Systems '85 angekündigten bisherigen Flaggschiffs der BS2000-Flotte, das Anfang 1987 ausgeliefert werden soll, muß der Anwender nicht mehr auf IBM-kompatible Systeme ausweichen. Die M780 wird als Topmodell in die 7.500er Reihe integriert. Grundlage dafür ist eine XA-Version des altgedienten Siemens-Betriebssystems BS2000. Wiedig auf CW-Anfrage: "Daß unser Betriebssystem am obersten Ende die XA-Architektur bedienen kann, wird noch dieses Jahr realisiert."

Bis heute hat Siemens allerdings noch nicht einmal das erste Exemplar der M780 für interne Testzwecke erhalten. Niemand will sich in Perlach festlegen, wann mit der tatsächlichen Vermarktung zu rechnen ist. Siemens-intern gilt "nicht vor Ende 1987" als zutreffende Formulierung. Eine offizielle Ankündigung ist möglicherweise im März in Hannover zu erwarten. Die Münchner wollen zwar offenbar sichergehen, daß es mit dem modifizierten BS2000 keine Pannen auf dem Fernost-Rechner gibt. Aber die Planung scheint sich am IBM-Zeitrahmen zu orientieren: Regulär ist die 3090-400 auch erst für November 1987 angekündigt. Fujitsu liefert das System M780 übrigens inzwischen an die Anwender in Japan mit anderem Betriebssystem aus.

Mit seinem Sierra-Pendant ist der japanische OEM-Partner von Siemens gegenüber seinen Konkurrenten eineinhalb Jahre im Verzug; deshalb läßt die Wahl des Zeitpunkts, zu dem die Meldung in Tokio lanciert wurde, nach Ansicht von Insidern nur den Schluß zu, daß sich die Ankündigung gegen Hitachi richtet.

Diesem Fujitsu-Rivalen gab die Zusammenarbeit zwischen Siemens und BASF nach außen hin eine beherrschende Stellung auf dem europäischen Markt für IBM-Kompatible PCM-Rechner dieser Klasse. Durch die Veröffentlichung in Tokio ist jetzt aber plötzlich klar, daß es bald eine durchgehende Siemens-Betriebssystemwelt von der Workstation (PC 2000) bis hinauf zur Sierra-Klasse geben wird.

Wie aus München verlautet, wird Fujitsu die neuen Systeme auch dem BASF/Siemens-Joint-venture zum Vertrieb anbieten - vorläufig wurden von der neuen deutschen PCM-Gruppe allerdings Hitachi-Rechner vermarktet, "weil die Maschinen da sind'.