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18.04.1986 - 

Standards setzen im Kontext mit Open Systems Interconnection:

Siemens Büroarchitektur setzt auf OSI-Fundament auf

Als Alleskönner verkaufen sich relativ glaubhaft die Bürokommunikationssysteme der großen Hersteller. Darunter zählt in diesem Falle aufgrund ihres Kommunikations-Know-how und einer weltweit starken Position speziell im Nebenstellenanlagengeschäft auch die Siemens AG. Mit ihrer ISDN-Kommunikationsanlage Hicom und einer breiten Produktpalette aus dem eigenen Entwicklungsfundus bietet das Münchner Haus so ziemlich allen Konkurrenten Paroli. Als Trumpf sehen sie ihre bis unter die unmittelbare Anwendungsebene OSI-identische Siemens-Büroarchitektur. Mit ihren spezifischen Software-Produkten in der Anwendungsebene selbst stellen sich die Münchner einem künftig sehr harten Wettbewerb. Der folgende Beitrag basiert auf Firmenunterlagen.

Die unterschiedlichen Tätigkeitsarten und die differenzierten Kommunikationsbedürfnisse bezüglich Sprache, Daten, Text und Grafik/Bild sind in jedem Unternehmen anders geartet. Deshalb sollte ein flexibel gestaltbarer Lösungsmix aus ISDN-Kommunikationssystemen, Bürosystemen, DV, PC und gegebenenfalls Btx eingesetzt werden. Siemens rühmt sich, hier alle notwendigen Komponenten aus einer Hand anbieten zu können.

Die Siemens-Lösungskomponenten gehorchen einer gemeinsamen Architektur, damit Bürodokumente auch zwischen unterschiedlichen Systemen und Endgeräten ausgetauscht und weiterbearbeitet werden können. Die Standard-Büroarchitektur SBA sorgt auf der Basis internationaler Normen und Empfehlungen (ISO, CCITT, ECMA) für einen freizügigen Informationsaustausch.

Im einzelnen setzen sich die Siemens-Bürokommunikationssysteme aus den Komponenten Arbeitsplatzstationen für die unterschiedlichen Arbeitsplätze vom Telefon bis hin zum multifunktionalen Arbeitsplatzsystem, Netze mit ihren unterschiedlichen Netztechnologien (PABX, LAN) und Server für Büroservices wie elektronische Post, Druck und Ablage zusammen. Diese Komponenten werden sozusagen im "Hintergrund durch öffentliche Dienste/Netze und durch die DVA ergänzt.

Zu den Arbeitsplatzstationen gehören zunächst die ISDN-Terminals als digitale Telefonterminals und Multiterminals. Die Hicom-Multiterminals 3510 bieten - in Zusammenarbeit mit den Büroservices - sprachbegleitende Misch- und Mehrfachkommunikation. Parallel zum Telefongespräch wird über die gleiche Leitung ein Telefax, ein Bildschirminhalt oder ein Teletex ausgetauscht beziehungsweise per Terminalemulation eine Datenbankabfrage auf dem Großrechner oder eine Btx-Abfrage durchgeführt. Außerdem können mit der 3510 Textbearbeitung, elektronische Post (auch für Sprache) und elektronische Ablage durchgeführt werden.

Die für die Bürokommunikation zur Verfügung stehenden Personal Computer basieren auf dem Betriebssystem MS-DOS. Zukünftig werden auch Mikros auf Unix-Basis an die Netzkomponenten anschließbar sein. Die Bürofunktionalität und Benutzeroberfläche werden durch zusätzliche Software- und Hardwarekomponenten erheblich verbessert.

Neben den genannten Anlagen bietet Siemens noch die Arbeitsplatzsysteme 5820/5822 an, die Eigenschaften für die Dokumentbearbeitung mit Text-, Daten- und Grafikintegration, Textgestaltung und Formeldarstellung bis hin zu kyrillischen oder arabischen Schriftzeichen aufweisen. Parallel zur Dokumentbearbeitung können auf dem gleichen Bildschirm PC-Anwendungen unter MS-DOS oder Terminalemulationen ablaufen.

Büroprozesse und die damit verbundenen Bürodokumente laufen über technisch teilweise sehr unterschiedlich ausgestaltete Arbeitsplätze. Deshalb ist es wichtig, daß alle Arbeitsstationen "volle Netzbürger" sind, also die gemeinsamen Büroservices wie Ablage, elektronische Post, Druck nutzen und miteinander kommunizieren können. Als Beispiel sei der auf der CeBIT gezeigte Interworking Service zum Dokumentenaustausch zwischen Hicom 3510 und 5820 beziehungsweise PC-D genannt. Die ausgetauschten Dokumente können auf dem jeweiligen Zielsystem weiterbearbeitet werden.

Das Netzwerkangebot umfaßt PBX-Netze mit CCITT-Schnittstellen und LANs mit ISO- und Ecma-Schnittstellen. Wir sehen zwischen beiden Netztypen keine Ausschließlichkeit, sondern eine zwingend notwendige Ergänzung.

Im Mittelpunkt der Vernetzung steht das ISDN-Kommunikationssystem Hicom, welches über das Zwei-Draht-Telefonnetz flächendeckend jeden Arbeitsplatz erreicht und mit Sprach-, Text-, Daten- und Festbildkommunikation versorgen kann.

Hicom ist ein ISDN-System mit transparenter Durchschaltung bis hin zum Teilnehmerendgerät. Es verwendet die ISDN-Protokolle nach CCITT wie zum Beispiel das LAP-D-Protokoll und ist offen für weitere, noch zu definierende Schnittstellen. Hicom führt eine gesicherte Signalisierung nach HDLC durch und hat eine einheitliche Signalisierung für beide Basiskanäle. Hierdurch wird - wie ISDN es verlangt - nur eine Rufnummer für Sprach-, Text- und Bildkommunikation benötigt. Mehrere Dienste können gleichzeitig genutzt werden. Mit Hicom ist der Übergang auf das für 1988 geplante öffentliche ISDN möglich.

Für Inseln mit hohem Kommunikationsaufkommen für Texte, Grafiken und Daten bietet Siemens CSMA/CD-LANs auf der Basis von Koaxkabeln und Lichtwellenleitern an. Der Kommunikationsverbund (Dokumentenaustausch) zwischen beiden Netztypen wird durch den Interworking Service geleistet.

Für die Zukunft sind folgende BK-Neuerungen geplant:

- Lichtwellenleiter-Verkabelung für die simultane PBX- und LAN-Nutzung. Hierdurch wird die heute noch notwendige Doppelverkabelung vermieden.

- Koax-Eliminatoren, mit denen die zum Betrieb von Terminals nötigen Koax-Leitungen durch Zwei-DrahtTelefonleitungen ersetzt werden können.

- Geräte und Netze wichtiger Fremdhersteller sollen über Terminaladapter und Gateways für Netz- und Dienstübergänge angeschlossen werden.

Die lokalen Funktionen der Arbeitsplatzstationen müssen durch zentrale Services ergänzt werden. Zu unterscheiden sind Kommunikationsservices für die Kommunikation mit öffentlichen Netzen und Diensten und Büroservices. Die Büroservices sind die gemeinsam nutzbare elektronische Ablage (also das Archiv), elektronische Post von und zu unterschiedlichen Arbeitsstationen, Druck, zum Beispiel auf Laserdruckern und Kommunikation zu unterschiedlichen öffentlichen Netzen und Diensten sowie zur DV.

Die Büroservices können sowohl über PBX-Wählverbindungen, als auch über Festverbindungen oder über LAN genutzt werden. Künftig werden in das Serversystem die derzeit noch getrennten Voice-Mail und Text-Fax-Services einbezogen und zu einem homogenen Message Handling System auf X.400-Basis vereint.

Die Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsstationen und Servern wird auf der Basis des OSI-Konzeptes (Open Systems Interconnection) für verteilte Systeme durchgeführt. Aufgrund des OSI-Konzeptes wird möglich: einfache Zusammenarbeit zwischen Arbeitsstationen und Services, freie Konfigurierbarkeit der Services und Kooperation zwischen Systemen unterschiedlicher Hardware und Betriebssystemen.

Geplant sind die bereits erwähnten Koax-Eliminatoren und die S0- und S2-Schnittstelle. Und auf der Geräteebene gehören neben Terminalemulationen inklusive zugehöriger Cluster-Controller-Emulation für Siemens 9750, IBM 3270 und DEC VT 100 auch Filetransfer mit Siemens- und IBM-Rechnern zum Angebot.

Medienbruch frei kommunizieren

Ziel der SBA ist es, ein Optimum an Kompatibilität für die unterschiedlichen im Systemverbund arbeitenden Systeme und Geräte zu erreichen, damit diese möglichst medienbruchfrei arbeiten und kommunizieren können. Dabei ermöglicht die durchgehende Verwendung internationaler Standards und Empfehlungen Multivendor-Konfigurationen. Dieses wird durch zusätzliche herstellerübergreifende Absprachen über Auswahlnormen, Optionen und Parameter noch verbessert werden.

Siemens arbeitet intensiv in den Standardisierungsgremien mit.

Die SBA läßt einen schrittweisen Aufbau, beginnend zum Beispiel mit Hicom und späterem Ausbau zu einer flächendeckenden Bürolösung durch Ergänzung durch ein LAN oder Anbindung an die Datenverarbeitung, zu. Der Anwender von SBA-Konfigurationen kann wachsen, ohne zu wechseln (Aufwärtskompatibilität).

Anwender sollte sich beraten lassen

Flächendeckende Bürokommunikation muß sorgfältig geplant und organisiert werden. Die bisherigen Analyse- und Konzeptionsmethoden, wie sie in der DV-Welt angewendet werden, reichen nicht aus. Sie sind zu sehr auf den einzelnen Arbeitsplatz, auf Daten und auf Wiederholtätigkeiten ausgerichtet und berücksichtigen nicht den hohen Kommunikationsanteil und die vielen unstrukturierten Aufgabenfelder. Siemens hat langjährige Erfahrung auf dem technischen und auf dem organisatorischen Feld der Bürokommunikation. Dieses Know-how wird im Ausbildungszentrum Büro in Kursen über Büroinnovation, Methoden und Werkzeuge für Analyse und Konzeption geschult. Der Anwender sollte den Weg in das Büro von morgen nicht im Alleingang antreten, sondern sich von den Bürospezialisten in den regionalen Fachberatungszentren der Siemens AG bei Analyse und Konzept beraten lassen.