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08.02.2005

Siemens-Chef lässt SBS bluten

Siemens Business Services (SBS) baut in großem Stil Personal ab. Die Gerüchte über eine Zerschlagung erhalten damit weitere Nahrung.

Der Sanierungskurs des neuen Siemens-Konzernchefs Klaus Kleinfeld hat auch für die Mitarbeiter der IT-Tochter Konsequenzen. Nach Angaben der IG Metall will SBS bis Ende des laufenden Geschäftsjahres (30. September) rund 1000 Arbeitsplätze abbauen. Damit bestätigen sich die Befürchtungen von Arbeitnehmervertretern, die nach den anhaltend schwachen Geschäftsergebnissen mit erneuten Sparmaßnahmen gerechnet hatten.

"Wir können noch nicht über Zahlen sprechen", erklärte Siemens-Sprecher Peter Gottal dazu. Zunächst seien Gespräche mit den lokalen Betriebsräten zu führen. Klar sei aber, "dass in einigen Bereichen Handlungsbedarf besteht". Das gelte vor allem für produktnahe Dienstleistungen, wo es Überkapazitäten gebe. Gemeint ist damit das Wartungsgeschäft, das die Münchner in der Einheit Product Related Services (PRS) bündeln. SBS stehe hier in einem harten Wettbewerb mit mittelständischen Anbietern, so Gottal.

Ein SBS-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, bestätigt diese Einschätzung: "Die Stundensätze im PRS-Geschäft sind dramatisch in den Keller gegangen." Schuld daran seien in erster Linie Freiberufler oder kleine Firmen, die vergleichbare Dienstleistungen zu extrem niedrigen Preisen feilböten. "Bei Stundensätzen von 17 oder 18 Euro kann ein Unternehmen wie SBS nicht mithalten."

SBS war im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2004/05 als einziger von zwölf Siemens-Konzernbereichen in die roten Zahlen gerutscht. Schon seit Jahren kann der Serviceanbieter die vom Siemens-Zentralvorstand gesteckten Margenziele nicht erreichen. In einer E-Mail an die Mitarbeiter hatte der ehemalige Vorstandschef Heinrich von Pierer bereits vor Weihnachten "schmerzhafte Einschnitte" in der kriselnden Informations- und Kommunikationssparte angekündigt. Von Pierer wechselte nach der Hauptversammlung am 27. Januar an die Spitze des Aufsichtsrats.

Nur einen Tag später kündigte sein Nachfolger Kleinfeld die Streichung von 1350 Stellen in der Communications-Sparte an, bei weitem nicht die erste Sparmaßnahme in diesem Bereich (siehe CW 5/05, Seite 10). Auch die SBS-Belegschaft musste schon mehrmals harte Einschnitte verkraften: Im Mai 2004 wurden Pläne des Managements bekannt, rund 700 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Hinzu kamen zirka 300 weitere Mitarbeiter, die das Unternehmen im Zuge der Auslagerung des Bereichs Training and Services verließen.

Wenige Monate später kündigte die SBS-Tochter Sinitec an, mehr als 600 von insgesamt 1100 Stellen aufzulösen. Zum 1. Oktober 2005 wechseln zudem rund 800 SBS-Vertriebs- und Servicemitarbeiter in die neue Regionalgesellschaft Deutschland der Siemens AG. Der Konzern fasst darin die Vertriebsaktivitäten sämtlicher Bereiche im Inland unter einem Dach zusammen.

Die strukturellen Probleme des IT-Dienstleisters sind damit aber keineswegs gelöst, wie Siemens auch offiziell konzediert. So verwundert es nicht, dass die Gerüchte über einen bevorstehenden Umbau der Sparte neue Nahrung erhalten. Immer wieder wird dabei eine Zerschlagung diskutiert: SBS müsste in diesem Szenario das hardwarenahe Wartungsgeschäft an das Joint Venture Fujitsu Siemens Computers (FSC) abgeben; zugleich würde das ebenfalls margenschwache Projekt- und Beratungsgeschäft (Solutions Business) in andere Siemens-Konzernsparten integriert. Für den Outsourcing-Bereich (Operation Related Services), der in den vergangenen Monaten eine Reihe großer Abschlüsse meldete, ließe sich im hart umkämpften Servicemarkt ein Käufer finden.

Verkauf wäre eine Option

Schon nach der Übernahme der RAG Informatik durch SBS Ende 2004 waren Spekulationen aufgekommen, Siemens wolle den Umsatz in die Höhe treiben, um die ungeliebte Tochter später besser veräußern zu können. Aus der Sicht der Siemens AG würde ein Verkauf des Outsourcing-Geschäfts durchaus Sinn ergeben, kommentiert zumindest Katharina Grimme vom Marktforschungshaus Ovum. Für einen potenziellen Käufer aus dem Ausland böte sich zudem die Chance, zu einem der größten Outsourcer in Deutschland aufzusteigen.

Siemens-Sprecher Gottal mag sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen. Aufgabe des Managements sei es, "SBS nachhaltig auf einen Erfolgsweg zu führen". Wie der aussieht, stehe noch nicht fest. Dazu bedürfe es einer Grundsatzentscheidung des Siemens-Zentralvorstands.

Doch auf diese Entscheidung wartet die Branche seit Jahren. So kritisiert die IG Metall zum wiederholten Mal, dass noch immer kein zukunftsweisendes Konzept für SBS erkennbar sei. Die Arbeitnehmervertreter fordern eine klare Aussage des Managements. In Mitarbeiterkreisen ist unterdessen eine gewisse Resignation spürbar: "SBS ist längst nicht mehr das Systemhaus der Siemens AG", sagt einer, und: "Für den Markt ist SBS nicht groß genug." (wh)