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01.10.2004 - 

Neu formierter Konzernbereich sieht sich im Weltmarkt als Nummer zwei

Siemens Communications denkt horizontal

MÜNCHEN (pg) - Die Siemens AG arbeitet weiter an einer effizienteren Konzernstruktur. Synergieeffekte erwartet sich das Unternehmen von der Verschmelzung der konkurrierenden Sparten Mobilfunk und Netze zur Geschäftseinheit Siemens Communications. Der neue Bereich geht nun an den Start und muss ehrgeizige Margenziele erfüllen - wohl auf Kosten der Beschäftigten.

Mit der Zusammenlegung der Siemens-Geschäftsbereiche Information and Communication Networks (ICN) sowie Information and Communication Mobile (ICM) nimmt die neue Einheit Siemens Communications am 1. Oktober mit Beginn des Geschäftsjahrs 2005 offiziell ihren Betrieb auf. Dem Vorstand werden neben dem Vorsitzenden Lothar Pauly, der auch das Carrier-Geschäft verantwortet, die Mitglieder Thorsten Heins (Endgeräte), Michael Kutschenreuter (Finanzen), Andy Mattes (Unternehmensnetze) und Anton Schaaf (Technik) angehören.

Durch die Verschmelzung der beiden Geschäftsbereiche ICN und ICM rückt Siemens Communications zur größten Sparte im Gesamtkonzern auf. Legt man die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2003 zugrunde, hat die Unit ein Umsatzvolumen von 17 Milliarden Euro. Zunächst werden rund 60 000 Personen in 180 Ländern weltweit für dieses Konzernsegment tätig sein.

Es gilt jedoch als sicher, dass es nicht bei den 60 000 Angestellten bleiben soll. Seit dem Bekanntwerden der Fusionspläne im Juli wurde immer wieder über Entlassungen spekuliert. Nahrung für die Gerüchte lieferte auch Spartenchef Pauly selbst, der öffentlich von Stellenabbau sprach, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Experten halten einen weiteren Personalabbau für unvermeidlich, will die Division die von Konzernchef Heinrich von Pierer verordnete Margenvorgabe von acht bis elf Prozent erreichen. Die alten Bereiche ICN und ICM hatten zuletzt nur eine Umsatzrendite von knapp vier Prozent erwirtschaftet.

Gegenüber der COMPUTERWOCHE bestätigte Chief Technology Officer Schaaf indirekt anstehende Entlassungen, wollte sie aber nicht im Kontext mit dem Zusammenschluss sehen: "Jeder versucht, die Umorganisation mit Kündigungen zu verbinden. Dies trifft so nicht zu", sagte Schaaf. Derzeit, so der CTO, liefen Programme, um Synergien zu ermitteln und die internen Prozesse in der Zentrale, dem Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung zu verbessern. "Das ist ein kontinuierlicher Vorgang, um schneller und effektiver zu werden, und hat mit der Reorganisation per se nichts zu tun", erklärte der Manager.

Eigenen Berechnungen zufolge wäre Siemens Communications bei einer Addition der beiden Geschäftsbereiche ICN und ICM im vergangenen Jahr im Ranking der Lieferanten von End-to-End-Lösungen auf Rang zwei hinter Nokia gekommen, gleichauf mit Cisco und Motorola. Damit hat der Münchner Konzern in den letzten Jahren seine Marktposition verbessert, denn 2000 hätte die kulminierte Konzernsparte lediglich Platz acht eingenommen. Laut Schaaf sind die Münchner bei digitalen Schnurlostelefonen Marktführer und im Bereich Unternehmenskommunikation die Nummer zwei. In den Marktsegmenten Festnetz- und Funktechnik belegt Siemens weltweit die dritte Position, bei Mobiltelefonen rangiert das Unternehmen nur auf Rang vier.Mit seinem Produktportfolio, das die drei Säulen Netzbetreiber, Unternehmensnetze und Endgeräte umfasst, sieht sich der frisch gebackene Konzernbereich im Vergleich zu den Wettbewerbern besser aufgestellt. Siemens Communications beabsichtigt dabei, in den Teilmärkten überdurchschnittlich zu wachsen. 2003 hatte das internationale Marktvolumen im Carrier- und Enterprise-Geschäft jeweils bei etwas über 90 Milliarden Euro gelegen, im gesamten Endgerätemarkt bei 84 Milliarden Euro. Experten rechnen für das Telefongeschäft bis 2006 mit einem jährlichen Wachstum von drei Prozent, in den Märkten für Netzbetreiber- und Unternehmenstechnik mit fünf Prozent.

Laut Schaaf wird es durch den Zusammenschluss zum Beispiel zu Synergieeffekten in den Kontrollarchitekturen der Mobilfunk- und Festnetzwelt, aber auch bei der Entwicklung von multifunktionalen Endgerätetypen kommen. Der Fokus, so der CTO, werde zunächst weiter auf vertikalen Lösungen liegen, das heißt auf Systemen, die rein auf Anbieter im Mobilfunk oder Festnetz zugeschnitten sind. Gleichzeitig werde man aber auch horizontale und konvergente Systeme und Applikationen vorantreiben, damit Netzbetreiber und Unternehmenskunden zum Beispiel Anwendungen wie Voice over IP oder Fixed Mobile Convergence über alle existierenden Netzinfrastrukturen hinweg zum Einsatz bringen können.