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07.02.1986 - 

Münchner wollen 7800er Betriebssystem "MSP" nicht mehr unterstützen:

Siemens-DV wird Fujitsus MVS-Eisen zu heiß

MÜNCHEN - Leidtragende des von IBM angestrengten Copyright-Verfahrens, das Fujitsu von der MVS-Software des Marktführers abschneiden soll, ist die Siemens AG: Die Münchner werden dem Vernehmen nach ihr MVS-kompatibles Betriebssystem "MSP" für die japanischen 7800-Mainframes aus dem aktiven Vertriebsprogramm streichen. Siemens ist OEM-Partner von Fujitsu.

Die Entscheidung, das für die Modelle 7860 und 7890 übernommene Betriebsystem "OSIVF4" der Japaner künftig auf Eis zu legen, gilt in involvierten Siemens-Kreisen als offenes Geheimnis. Für die betroffenen Kunden sei jedoch über "einen langen Zeitraum" der volle Support und Service garantiert, heißt es.

Gleichwohl bedeutet der strategische Rückzug für die Münchner auch die Aufgabe ihres additiven Geschäftes mit der Systemsoftware. Die Angebotspalette des Elektrokonzerns ist seit dem Sprung auf die IBM-kompatible Schiene im Jahre 1978 auf rund 130 Produkte der unterschiedlichsten Funktionen für diesen Bereich angewachsen.

Die Vermarktung bescherte dem deutschen Hersteller im vergangenen Geschäftsjahr MSP-Einnahmen von etwa einem Prozent des 7800-Hardware-Erlöses. Zwar messen Branchenkenner dem 7800-Geschäft mit einem Anteil von unter zehn Prozent am Gesamtumsatz des Geschäftsbereichs Datentechnik keine allzu große Bedeutung bei, sehen aber in der geänderten Marschrichtung einen nicht geringen Imageverlust. Der Siemens-Slogan von der "aktuellen und langfristigen Alternative für den IBM/PCM-Anwender in Westeuropa" sei damit geplatzt.

Wie aus Vertriebskreisen des bayerischen DV-Multis verlautet, werden die Münchner ihr "MSP20" zusammen mit den "Advanced Extensions" für die 31-Bit-Architektur der IBM als MVS/XA-kompatibles System stabilisieren. Auf Wunsch werde aber jedem betroffenen Anwender der Wechsel zum "Original" des Marktführers ermöglicht - allerdings auf die 24-Bit-Architektur des mittlerweile wohl überholten MVS/ SP 1.3. Dieser "Rückschritt" sei notwendig, weil die Siemens-eigenen "Advanced Extensions" zwar in den Funktionen, nicht aber mit den erweiterten Adreßfeldern der IBM übereinstimmten.

Siemens-Insider sehen denn auch in der möglicherweise noch wachsenden Inkompatibilität beider Systeme den Grund für die "Vollbremsung" des Münchner Elektronikkonzerns. Die derzeit schwelende Auseinandersetzung zwischen IBM und Fujitsu habe die Verantwortlichen bewogen, die Situation im MVS-Bereich neu zu überdenken: Weder die Dauer des Rechtsstreits noch die Auswirkungen auf die Software sei abzusehen oder einzuschätzen, hieß es. Damit sei die rechtliche Umgebung nicht mehr solide genug, um den Einsatz von "MSP20" weiterhin empfehlen zu können.

Der Eklat zwischen IBM und Fujitsu kam zustande, als der Marktführer dem japanischen Hersteller im Sommer 1985 vorwarf, Vereinbarungen über die Verwendung von IBM-Software für Großrechner verletzt zu haben. Mit der Klage befaßt sich derzeit die American Arbitration Association, eine Schiedsstelle, die Zivilstreitigkeiten zwischen amerikanischen und ausländischen Unternehmen untersucht. Bereits 1981 hatte IBM die Neuformulierung des amerikanischen Copyright Act zum Anlaß genommen, den Wettbewerb auf Verletzungen der Schutzbestimmungen zu durchleuchten. Fündig wurde Big Blue bei Fujitsu und Hitachi, doch konnten die Streitigkeiten 1983 im Rahmen eines Agreements beigelegt werden.