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08.02.1991 - 

Chipbereich und SNI-Atlasten zehren vom Ertrag

Siemens erwartet nicht mehr Profit trotz Umsatzsprungs

08.02.1991

MÜNCHEN (CW) - Um bis zu is 15 Prozent auf zirka 72 Milliarden Mark Umsaft will die Siemens AG im laufenden Geschäftsjahr 1990/91 wachsen. Zwei Drittel der Volumen-Zunahme erwartet Vorstandschef Karlheinz Kaske aus neu. en Konzernbereichen, so von der Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI). Den Netto-Profit werde man hingegen nur auf Vorjahres-Niveau halten können.

Die Entwicklung im abgeschlossenen Bilanzzeitraum litt nach den Worten von Finanzvorstand Karl-Hermann Baumann neben hohen Zinsen an den Geld- und Aktienmärkten auch unter dem Preisverfall bei Speicherchips. Hierdurch hätten sich die erwarteten Verluste der Halbleiter-Division von 300 bis 400 Millionen Mark noch einmal um zehn bis 15 Prozent erhöht. Zusammen mit den im Vergleich zum Vorjahr allerdings wesentlich verringerten - Verlusten der amerikanischen Niederlassung hätten diese Faktoren erhebliche Teile des operationalen Gewinns neutralisiert.

Im laufenden Abrechnungszeitraum entfällt der Gewinn des früheren Siemens-Computerbereiches, der den Verlustvortrag von Nixdorf decken soll. Mit etwa fünf Milliarden Mark Umsatz, rechnet Siemens, wird sich Nixdorfs Anteil an SNI in der Bilanz niederschlagen; das operationale Geschäft der neuen Tochter soll ausgeglichen gestaltet werden. Wie berichtet (siehe CW Nr. 4 vom 25. Januar 1991, Seite 1), ist allerdings der Verlustvortrag des Nixdorf-Nachlasses mit 800 Millionen Mark wesentlich höher ausgefallen als zunächst angenommen.

Die Aktivitäten neuer Beteiligungen und Töchter in der früheren DDR sollen sich 1990/91 volumenfördernd auf das Geschäft des Konzerns auswirken: Karlheinz Kaske rechnet nach 350 Millionen Mark im vergangenen Bilanzjahr mit drei bis vier Milliarden Mark, von denen sich allerdings nur etwa zwei Milliarden im nächsten Jahresbericht niederschlagen wurden. Der Rest könne wahrscheinlich aus kartellrechtlichen Gründen nicht rechtzeitig konsolidiert werden.

Die Zahl der Siemens-Mitarheiter in den östlichen Ländern wird sich Kaske zufolge nach der Übernahme fünf weiterer Betriebe in diesem Jahr auf etwa 15 000 erhöhen.

Vor der Presse in München betonte Kaske, daß Siemens kein "Waffenhersteller" sei. Vielmehr befürworte er angesichts des Krieges am Golf schärfere Exportvorschriften und entsprechend ausgeweitete

Kontrollen. Bei Siemens selbst fänden solche umfassend statt. Den letztjährigen Umsatz aus dem Verteidigungsgeschäft bezifferte der Siemens-Chef mit 800 Millionen Mark, davon 200 Millionen aus Exporten.

Unterdessen geht eine Inhaberin von 100 ehemaligen Nixdorf-Vorzugsaktien gegen die Fusion der Nixdorf Computer AG mit dem Siemens-Bereich Datentechnik gerichtlich vor.

Nach der Ansicht von Gisela Brinkmeier und ihrem Ehemann Wilhelm aus Lage bei Paderborn wurden die Nlxdorf-Aktionäre bezüglich der Bewertung ihrer Anteile benachteiligt: Der Verlustvortrag von mehr als einer Milliarde Mark, für Siemens steuermindernd wirksam, sei nicht berücksichtigt worden.

Darüber hinaus hätten die Gutachter den Siemens-Bereich Datentechnik als Sacheinlage zu hoch bewertet und den Stammaktien-Anteil des Münchener Konzerns an der Fusion damit unangemessen erhöht. Uneinigkeit besteht noch über den Streitwert: Setzen die Anwälte der Brinkmeiers 100 000 Mark an, geht SNI von einer Million Mark aus' um, wie Wilhelm Brinkmeier meint, die eigene finanzielle Stärke gegenüber den Klägern zu zeigen. SNI nimmt zu dem schwebenden Verfahren keine Stellung.