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06.03.1981 - 

Software-Spezialisten der Münchner informieren über Neu- und Altvorhaben:

Siemens hat Transportabilität im Blick

MÜNCHEN - Nicht vertriebsreife Produkte, sondern diverse Entwicklungsvorhaben aus den Bereichen Software und Kommunikation hatte die Siemens AG ausgewählt, um auf einem eigens dafür ausgewählten Fachsymposium mit Pressevertretern ihre Innovationsfähigkeit zu demonstrieren. Gemeinsamer Grundtenor der Darbietungen sollte nach dem Willen des Veranstalters der zukünftig benutzer- und aufgabengerechte Zugriff auf Computerleistung sein.

Die referierenden Abteilungs-, Gruppen- und Laborleiter legten den Akzent ihrer Ausführungen denn auch stark auf das Machbare und Praktikable, um nicht etwa in Anpassung an das Versuchsstadium der Projekte ins Theoretisieren abzugleiten. Selbst Vorstandsmitglied und Zentralbereichsleiter Dr. Ulrich Haier ließ es sich nicht nehmen, über seine Einbindung in einen Bürokommunikations-Feldversuch zu berichten: "Ich selbst arbeite direkt und intensiv mit meiner Sekretärin; und was sie aus dem neuen System macht, ist ihre Angelegenheit." Immerhin meinte Haier, sei bei seiner "rechten Hand" von der zuvor geforderten Hilfskraft seither keine Rede mehr.

Grafische Software Konstruktion

"Software ist, auch wenn sie teilweise undurchsichtig ist, ein rationales Gebilde", meinte Herbert Feltl, Leiter der Abteilung Großprojekte und Systemlösungen. Er berichtete über einen Siemens-Versuch, die aus der Architektur und dem Maschinenbau bekannten Verfahren der Konstruktionsdarstellung auch auf die Software zu übertragen - mit CAD- und Plotterhilfe, und ohne auf verbale Elemente zu verzichten.

Feltl verschwieg nicht, daß diese Innovation viel Zeit brauche und nur schrittweise vorankomme. Es seien aber schon einige Algorithmen erarbeitet worden, die Kausalpläne in Maschinenprogramme umwandeln könnten. In den Kreis der "Portabilitätspioniere" reihte Dr. Jan Witt, Leiter der Fachabteilung Systemarchitektur Software, das Haus Siemens ein - neben solchen Institutionen wie dem amerikanischen Department of Defense, dem Forschungsprojekt CERN oder den Firmen AT & T, Xerox oder General Motors.

Witt unterstrich, man habe bei Siemens "das Ausmaß von Software-Transporten" im Blick, nicht Portabilität schlechthin. Als wesentliche Voraussetzungen zur Erreichung "parametrischer" oder "strenger" Portabilität zählte Witt die Existenz einer systemunabhängigen höheren Programmiersprache und geeigneter Compiler, außerdem einige Modifikationen an den Betriebssystemen der unterschiedlichen Anlagen auf.

"Der Mensch denkt grafisch-räumlich und archiviert auch so", behauptete der Leiter der Hauptgruppe Datenbanktechnik, Dr. Dieter Schütt. Aus diesem Grunde sei Siemens darangegangen, auf Basis der UDS-Datenbank grafische Systeme wie etwa IGS zu entwickeln, um dadurch einen besonders laienfreundlichen Umgang mit großen Datenbeständen zu erreichen. Ein Arbeitsplatz für grafischräumliche Datenverwaltung besteht aus mindestens zwei Bildschirmgeräten, einer programmierbaren Tastatur und interaktiver Fadenkreuz- oder Suchfenstersteuerung.

Dabei dient der eine Bildschirm der Globalübersicht, der (die) andere(n) detaillierten Darstellungen. Schütt zeigte sich davon überzeugt, daß diese Grafik-gestützte Form des Durchquerens und Durchsuchens von Datenräumen auf mehr Akzeptanz stoßen wird als der Bildschirmtext. Über Bemühungen, die menschliche Sprache als Eingabemedium für den Computer zu nutzen, berichtete Dr. Hans Unterberger, der Leiter der. Fachgruppe. Kommunikationstechnik.

"Da gibt es ganz gewaltige Probleme", meinte er und verwies speziell auf die Erkennung kontinuierlicher Sprache. Wörtlich: "Es fehlt einfach noch das Know-how, die einzelnen Teile des Sprachsignals zusammenzubasteln." Folgerichtig hat Siemens sich bescheidenere Ziele gesteckt, a) die sprecherunabhängige Erkennung eines begrenzten Vokabulars von bis zu 100 Wörtern und b) die "sprecheradaptive" Erkennung von rund 1000 Wörtern (pro eingegebenem Wort werden hier 500 Bits verbraucht).

Siemens hat sich, um auf diesem Felde weiterzukommen, dafür entschieden, den menschlichen Sprechapparat vom Computer - wenn auch relativ grob - simulieren zu lassen, und setzt damit bei der Entstehung der Sprache an, nicht beim schon gesprochenen Wort, Linguistische Analysen mit Rechnerhilfe, die im Gegensatz zu den bekannten Retrievalverfahren nicht nur Begriffe, sondern Strukturen erkennen, sind Forschungsgegenstand in der Siemens-Abteilung Kommunikations- und Informationstechnologie. Abteilungsleiter Dr. Nandakishore Banerjee berichtete über den Stand des seit 1973 vom BMFT geförderten Projekts "Condor" (Kommunikation in natürlicher Sprache mit Dialog-orientiertem Retrieval), das partiell derzeit in verschiedenen Universitäten erprobt wird.

Condor soll die formal beschreibbaren Regeln der menschlichen Sprache für die maschinelle Verarbeitung freiformulierter Texteingaben nutzen. Banerjee: "Wenn Sie einen optischen Belegleser haben, der Ihre Texte versteht, gehen Sie einfach damit rein, und das System kann damit arbeiten." Bevor allerdings der Anwender sich fachübergreifend mit dem Rechner "unterhalten" kann, bleibt noch einiges zu tun.

Office-of-the-Future mit Bedien-Frontend

Banerjee nannte beispielhaft eine fachspezifische Semantik ohne gesondertes Wörterbuch sowie generelle Suchstrategien für Fragen aller Art. "Eine offene Frage ist immer noch, wie die Bürosysteme der Zukunft aussehen werden", konstatierte der Leiter des Labors für Benutzerforschung, Klaus Wimmer, und kritisierte in diesem Zusammenhang die "bisher schwach strukturierten" und darum kaum computerisierten Führungsebenen in den Betrieben.

Wimmer präsentierte ein Software-Konzept aus fünf Komponenten, für das er die Einrichtung eines "Bedien-Frontends" empfahl, das dem Benutzer über Schwierigkeiten beim System-Handling hinweghelfen und Vermittlungsfunktionen zu den einzelnen Komponenten wahrnehmen solle. Die Komponenten selbst sind der sogenannte

- Privat-Service (für den persönlichen Arbeitsbereich),

- Gruppen-Service (für Kooperationen und Arbeitsfortschritts-Kontrollen), die

- System-Pforten (für sämtliche Kommunikationsdienste), der

- Modellier-Service (für das Justieren individueller Systemparameter), schließlich die

- System-Datenbank (für das Sammeln und Auswerten von Informationen über das Bürosystem selbst).