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22.11.1985

Siemens' MDT-Variante: ein Fall von Taylorixmus

Die Entwicklung einzelner DV-Hersteller als Hinweis auf ihre mittel- und langfristige Existenzsicherung ist eine wichtige Einflußgröße für die Investitionsentscheidungen der Anwender. Was Wunder, daß sich die IBM bester Gesundheit erfreut. Die andere Seite der Medaille: Eine gefährliche Vita verkauft sich schlecht. Dies hat eine aktuelle US-Umfrage erneut bestätigt (Seite 1: "Der Preis spielt beim PC-Kauf keine Rolle".

Alle Hersteller (Ausnahme IBM) leben, so gesehen, gefährlich. Wirklich bekümmert, was die Zukunftsaussichten ihres DV-Lieferanten betrifft, müssen indes etwa Siemens-Kunden nicht sein, wenngleich die Münchner mitunter Marketing-Weitblick vermissen lassen. So stiegen sie im Herbst 1978 mit dem System 6000 in den MDT-Markt ein, ohne genügend vorbereitet zu sein. Die Sache wurde ein Flop, weil Software fehlte und die erforderliche Vertriebsmannschaft nicht an Bord war.

Jetzt setzen die Siemens-Datenverarbeiter wieder die Sonnenbrille auf, obwohl gar keine Sonne scheint, der MDT-Himmel im Gegenteil so gut wie schwarz ist. Nun wäre es müßig, darüber zu diskutieren, ob der Taylorix-Trip für Siemens ein marktpolitischer Erfolg oder nur teuer wird. Auch ein neuerlicher Fehltritt kann den Elektro-Multi nicht ins Straucheln bringen.

Es bleibt vielmehr festzuhalten, daß es mit der MDT-Herrlichkeit vorbei ist - ein für allemal. Einige wenige Blicke in die Markt-Realität lassen bereits an der These zweifeln, der Mittelstand stelle ein enormes Absatzpotential für die DV-Industrie dar. So das Beispiel des DV-untrainierten und also hilflosen mittelständischen Unternehmers - eines Einsteigers und Erstanwenders, der Rundum-Betreuung braucht.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache: An den kleinen und mittleren Unternehmen ist die software- und hardwaretechnische Entwicklung keineswegs vorbeigegangen. In den meisten Kleinbetrieben wird das Instrument "DV" bereits eingesetzt - und wenn man sich nicht auf eine eigene Anlage einläßt, sondern mit einem Service-RZ zusammenarbeitet, so spricht dies eher für die Souveränität der Anwender als für einen Konflikt "MDT kontra Service-RZ" bei dem die Hardware-Anbieter die vermeintlich besseren Argumente, aber die schlechteren Kontakte haben (Stichwort: Taylorixmus).

Daß die Hersteller nunmehr den PC als MDT-Ersatz vermarkten wollen, zeugt auch nicht gerade davon, daß sie das Mittelstandsgeschäft verstanden haben. Das Wichtigste wurde bisher versäumt, nämlich etwas für den Anwender zu tun. Dafür wurden Millionen in alberne Werbung gesteckt (Charlie Chaplin). Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten der positiven Selbstdarstellung, siehe den MDT-Musterknaben Heinz Nixdorf, der aber nicht unbedingt als einschlägiges Vorbild dienen sollte.

Ein Beispiel: Da wird immer gefragt, in welche Unternehmensstrukturen der PC als sogenannter "Problemlöser" integriert werden kann. Der MDT-Anwender ist es jedoch leid, seine Organisation an die DV anzupassen. Die richtige Frage muß vielmehr lauten: Welche Unternehmenskulturen werden mit der Informationstechnik überhaupt erst möglich?

Mit PC-Marketing, wie es die Hersteller verstehen, hat dies freilich nichts zu tun. Am Fall "Siemens-Taylorix" läßt sich leider schlecht demonstrieren, wie der Hase zu laufen hat. Warten wir also auf den nächsten Flop - man sollte schließlich der DV-Industrie nicht zu wenig zu trauen.