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09.07.2004 - 

Vertriebsbereiche sollen in zentraler Regionalorganisation aufgehen

Siemens nimmt SBS an die kurze Leine

MÜNCHEN (wh) - Im Rahmen der Regionalorganisation für Deutschland nimmt Siemens den IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS) an die kurze Leine. Vertriebs- und Servicebereiche sollen in der neuen Gesellschaft aufgehen.

"Im Prinzip holt Siemens in Deutschland nur das nach, was in anderen Ländern längst Standard ist", versucht Konzernsprecher Peter Gottal die Bedeutung für SBS zu relativieren. Sämtliche Regionalorganisationen im Ausland arbeiteten bereits bereichsübergreifend, nur hierzulande unterhielten Medizin-, Transport- oder Energiesparte noch eigene Vertriebsstrukturen.

Zum 1. Oktober fasst der Elektronikkonzern Vertrieb und Service unter einem Dach zusammen, Zentralvorstand Johannes Feldmayer übernimmt interimsweise die Position des Deutschland-Chefs. In den betroffenen Niederlassungen und Servicetöchtern sind nach Angaben der IG Metall rund 40000 Mitarbeiter beschäftigt.

Eine einheitliche Regionalstruktur für alle Siemens-Bereiche ermögliche eine bessere Marktausschöpfung, argumentiert die Konzernleitung. Vor allem mittelständische Kunden ließen sich so besser erreichen.

Für SBS ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen. Nach den bis Redaktionsschluss vorliegenden Informationen sollen große Teile der deutschen Vertriebs- und Servicemannschaft sowie Mitarbeiter in vertriebsnahen Bereichen in die Regionalgesellschaft wechseln. Wie viele Angestellte betroffen sind, ist laut SBS noch nicht entschieden. Derzeit würden verschiedene Szenarien diskutiert.

Die IG Metall etwa geht davon aus, dass das deutsche Servicegeschäft von SBS samt Tochtergesellschaften wie Sinitec in die zentrale Gesellschaft geht.

Mitte Juni hatte Siemens überraschend mitgeteilt, SBS-Chef Paul Stodden werde das Unternehmen verlassen, um den Vorstandsvorsitz des Mobilfunkdienstleisters Debitel zu übernehmen. Seit 1. Juli agiert der vormalige CEO von Fujitsu-Siemens Computers, Adrian von Hammerstein, als SBS-Bereichschef. Interne Quellen berichteten, Stoddens Entscheidung habe in Zusammenhang mit dem Umbau des Inlandsgeschäfts gestanden - eine Darstellung, die Siemens bestreitet.

Keinen Zweifel lässt das Siemens-Management daran, wer in Vertriebsfragen künftig das Sagen hat: Die Leiter der Bereichsvertriebe sind den Regional-Managern disziplinarisch unterstellt, heißt es in einer offiziellen Erklärung. Eine Entmachtung der SBS-Führung bedeute das aber nicht, betont Gottal. Vertriebsziele und andere Vorgaben werde die Regionalorganisation mit den Bereichsvorständen abstimmen.

Bereichsübergreifende Angebote

Theoretisch ergeben sich aus dem Umbau durchaus Vorteile für SBS, kommentiert Christophe Chalons, Geschäftsführer der Beratungsfirma PAC in München. So erhalte der IT-Dienstleister künftig Zugang zu Kunden von anderen Siemens-Bereichen. Zudem bestehe die Chance, mit einer einheitlichen Vertriebsstrategie neue Leistungen zu definieren und Kunden gemeinsam anzugehen. Diese Möglichkeiten habe Siemens in der Vergangenheit zu wenig genutzt. Der IT-Anteil an der Wertschöpfung steige auch in anderen Siemens-Bereichen stetig.

Inwieweit die "bereichsübergreifenden Angebote", die der Konzern werbewirksam unter dem Schlagwort "One Siemens" kommuniziert, tatsächlich zu mehr Umsatz führen, muss sich erst erweisen. Viele Fragen scheinen noch ungeklärt, beispielsweise, wie ein einziger Ansprechpartner beim Kunden das gesamte Siemens-Portfolio offerieren soll. Dass etwa ein Verkäufer aus dem Bereich Kraftwerke oder Medizin zugleich auch IT-Dienste anbietet, mag vielversprechend klingen, dürfte in der Praxis aber mit Schwierigkeiten verbunden sein

"Die Idee ist positiv, entscheidend aber wird die Umsetzung sein", urteilt Chalons. Eine große Herausforderung bestehe darin, wie der SBS-Vertrieb innerhalb der Siemens-Organisation seine Eigenständigkeit wahren könne. Peter Dück, Vice President bei Gartner, kommt zu einer ähnlichen Bewertung. "Wenn die organisatorischen Veränderungen dazu führen, dass SBS keinen eigenständigen Vertrieb mehr unterhält, um sein Kerngeschäft zu stützen, bedeutet das eine Schwächung."

Fest steht, dass Siemens mit der Reorganisation nicht nur die bereichsübergreifende Zusammenarbeit fördern, sondern auch "Kostensynergien" nutzen will. Wie Gottal bestätigt, strebt das Management für die neue Gesellschaft einen Ergänzungstarifvertrag an. Als Muster soll die tarifliche Sondervereinbarung für die Siemens-Montagegesellschaft dienen. Sie sieht unter anderem eine Verlängerung der Arbeitszeit und den Ersatz von Urlaubs- und Weihnachtsgeld durch eine erfolgsabhängige Zulage vor.