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26.01.1990

Siemens-Nixdorf: Alles in Butter?

Erik Hargesheimer, Geschäftsführer Management Services GmbH

Erik Hargesheimer & Partner, Bad Homburg

Mitte des letzten Jahres noch war für den Siemens-Chef Karlheinz Kaske "Nixdorf kein Thema". Unterstellt, die Berliner Kartellbehörde spielt mit, wird das vor kurzem Undenkbare jetzt doch noch wahr.

Der Deal kam schnell und zügig, für manchen sogar unerwartet. Über Nacht wurde ein neuer DV-Multi geboren, der sich derzeit als Europas führender Computerbauer präsentiert. Wenn auch die dominierende Rolle weiterhin IBM überlassen bleibt, der taufrische Verbund Siemens-Nixdorf kann sich zumindest auf dem alten Kontinent als ernst zu nehmende Alternative zum Branchenprimus empfehlen.

Keine Frage, die Ehe macht Sinn. Das Synergiepotential fällt vorteilhaft aus. Es paßt jedenfalls besser zusammen als das der alternativen Denkmodelle mit anderen Partnern. Was beispielsweise hätte eine Kombination von Nixdorf mit BMW gebracht? Oder die ebenfalls erwogene rein finanzielle Abstützung durch den Versicherungsriesen Allianz; Nein, Nixdorf mußte schon einen Partner finden, der gleichermaßen über Finanzstärke und technologische Potenz verfügt.

Man mag über Siemens als "Bank mit angeschlossener Elektroabteilung" witzeln, in letzter Zeit jedenfalls hat der einst schlafende Riese gewaltig an Fahrt aufgenommen. Mit dem Nixdorf-Deal zeigt Siemens sich nicht nur als Retter in letzter Sekunde, die beabsichtigte Verschmelzung wertet auch das eigene Rechnergeschäft auf, das neben den anderen Elektroniksparten nicht gerade zu den Glanzlichtern der Münchner zählte. So gesehen wäre jetzt alles in Butter, hätten die Götter nicht vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. So positiv die Verschmelzung der beiden auf den ersten Blick auch ist, ohne Risiken jedenfalls geht der Verbund nicht in das gerade begonnene Jahrzehnt.

Zunächst wird Siemens in den Verluststrudel von Nixdorf hineingerissen. Wie man hört, soll das letzte Geschäftsjahr der Paderborner mit nahezu einer Milliarde im roten Bereich abschließen. Kaum zu glauben, aber ohne die Aufgabe der Eigenständigkeit wäre Nixdorf zur Jahresmitte zahlungsunfähig gewesen. Drastische Sanierungsmaßnahmen bleiben dem neuen Verbund deshalb auch nach der Fusion nicht erspart. Das geht nicht ohne massiven Personalabbau. Bedenkt man, daß beide vorwiegend in Deutschland produzieren, wird wohl der Aderlaß in erster Linie bei

der Fertigung und Entwicklung erfolgen. Aber auch Zentralverwaltung und Vertrieb sind in der Bundesrepublik deutlich überbesetzt. Auch ist wegen der unterschiedlichen Unternehmenskulturen mit Reibungsverlusten zu rechnen. Letztlich wird man wohl auch zum Rückzug aus verlustbringenden Überseemärkten blasen müssen.

Zwar klettert das neu geschaffene DV-Konstrukt mit einem fusionierten Umsatz von 12 Milliarden Mark in der Hitliste der weltweiten Informatikanbieter auf einen vielbeneideten siebten Platz, den Löwenanteil der Computerumsätze erzielt man jedoch im deutschen Heimatmarkt. Summiert liegt man hier mit rund 7,5 Milliarden bei 19 Prozent Marktanteil, fast schon Kopf an Kopf mit IBM (21 Prozent). In so wichtigen Ländern wie den USA, England, Frankreich und Italien bleibt Siemens-Nixdorf auch nach der Fusion ein Leichtgewicht.

Langfristig aber wird das Überleben im Computermarkt längst im Weltmaßstab entschieden. Die rein deutsche Lösung wird deshalb auf Dauer nicht ausreichend sein. Neben professionellem Sanierungstalent wird dem neuen Management des deutschen DV-Duetts auf Dauer sicher auch Mut zu weiteren strategischen Allianzen abverlangt. Zumindest auf europäischer Ebene, möglicherweise aber auch mit einem der führenden amerikanischen oder japanischen Computerhersteller.