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27.03.1992 - 

Neues Konzept: Open Systems Direction

Siemens-Nixdorf vermarktet BS2000 als ein offenes System

HANNOVER (CW) - Die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG scheute auf der CeBIT keinen Aufwand, um Vorbehalte auszuräumen, der Konzern betreibe mit seinem weitgefächerten Produktangebot einen "Bauchladen" ohne Konzept. Der überwiegende Teil der eigenen Produkte sowie eine Reihe in den Vertrieb aufgenommener Fremdsysteme finden Platz im "offenen Konzept" von SNI.

Eher als Gemischtwaren-Laden denn als "Full Line Supplier" war Siemens-Nixdorf zuletzt in der Öffentlichkeit gehandelt worden. Um diesen Zustand zu beenden, hat der Konzern jetzt seine neue Strategie vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Rahmenkonzept, in das die als zukunftsweisend eingeschätzten Produkte eingebunden sind.

Offenheit des Produkt- und Systemangebots sei zum Architekturprinzip und zum Schwerpunkt der strategischen Geschäftsausrichtung erhoben worden, erklärten Marketing-Direktor Eberhard Reichert und Rudolf Bodo, Leiter der Systemplanung, vor der Presse.

BS 2000 soll dem Posix-Standard genügen

Als Open Systems Direction (OSD) bezeichneten die Marketiers ihre Strategie, in der die Interoperabilität und Portabilität von Anwendungen eine entscheidende Rolle spiele.

Als offen könnten nicht nur die Betriebssysteme MS-DOS und das auf dem Unix-V.4-Standard basierende Sinix bezeichnet werden - das Attribut offen werde demnächst auch für das bislang als proprietär eingestufte Betriebssystem BS2000 gelten, so die Ankündigung der SNI-Manager.

Auf den drei strategischen Systemplattformen MS-DOS, Sinix und BS2000 sollen nämlich die von der OSF definierten Schnittstellen und Protokolle des Distributed Computing Environment (DCE), darunter der Remote Procedure Call (RPC), sowie die ebenfalls von der OSF entwickelte Distributed Management Environment (DME) für das Netz-Management realisiert werden.

Interoperabilität und Portabilität der Anwendungen zwischen den verschiedenen Systemplattformen will Siemens-Nixdorf mit Hilfe der Schnittstellenplattform "System Interfaces for Applications" (SIA.) gewährleisten.

BS2000 werde offene Systemschnittstellen nach dem Posix-Standard erhalten und demnächst ebenso wie MS-DOS - und heute bereits Sinix - die CPI-C-Richtlinien für die Programm-zu-Programm-Kommunikation unterstützen.

SNI hält also auch in Zukunft an BS2000 fest, bemüht sich aber, dessen Image aufzupolieren. Es werde sich um ein offenes System handeln, dem die Rolle eines unternehmensweiten zentralen Daten-Servers in Client-Server-Architekturen zukomme, und das sich ferner als mächtiges Betriebssystem für die Transaktionsverarbeitung eigne. Trotz dieser Maßnahmen zweifeln Branchenkenner daran, daß der Großkonzern sein BS2000 mit solchen Maßnahmen noch einmal wieder flott machen kann. Im vergangenen Geschäftsjahr, so munkelt die Branche, konnte der Konzern im außerbehördlichen Bereich kaum noch Mainframes absetzen .

Auf Unix-Ebene bemüht sich SNI nach zum Teil heftiger Kritik seitens der Anwender inzwischen um mehr Transparenz. Als strategisch gelten die Intel-ClCS-Rechnerlinie MX und die Mips-RISC-Reihe RM - dabei handelt es sich um Pyramid-Rechner, die von SNI vermarktet werden. Für diese Systeme gibt es die Standard-Anwendungsschnittstelle Sinix-API.

Von sämtlichen anderen MDT- und Unix-Plattformen, dazu zählen 8870 und Quattro, die MX-Rechner mit Prozessoren von National Semiconductors und die Targon-Rechner /31 und /35, sei ein Umstieg auf die beiden strategischen Produktreihen möglich, so versprechen die Marketing-Beauftragten. Kenner des Workstation-Marktes empfehlen eine solche Migration in erster Linie auf die RM-Rechnerreihe. Die mit RlSC-Prozessoren von Mips ausgestatteten Pyramid-Rechner seien den MX-Modellen in allen Belangen überlegen.

Im Softwarebereich vertraut der größte deutsche DV-Konzern auf die CASE-Umgebung "Domino", das Büro-Konzept "Ocis" sowie die Netzwerk-Management-Umgebung "Transview". Die SNI-Manager ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, ihr Datenbank-Konzept detailliert darzustellen, hatte doch die Vermarktung der Oracle-Datenbank über SNI-Vertriebskanäle beim Anwender für Verwirrung gesorgt. SNI baut im Großrechnerbereich auf die eigenen Systeme Sesam und UDS, setzt auf Informix als Unix-Datenbank und bietet Comfobase als PC-System an. Als zugehörige 4GL wird "Drive" empfohlen.

Wer ein System für heterogene Rechnerlandschaften bevorzuge, könne auch die plattformübergreifend einsetzbare Oracle-Datenbank von SNI beziehen, so die Ausführungen Bodos. Nicht weiterentwickelt aber auch in Zukunft gepflegt wird die Nixdorf Datenbank DDB/4. SNI rät ihren Kunden, das an die Software AG verkaufte System langfristig zu verlassen und auf das Datenbankmanagement-System von Informix zu wechseln.