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16.07.2004 - 

Konzernbereiche IC Mobile und IC Networks werden zusammengelegt

Siemens ordnet sein IT-Geschäft neu

MÜNCHEN (CW) - Der angekündigte Wechsel von Vorstandschef Heinrich von Pierer in den Aufsichtsrat und die Nominierung von Klaus Kleinfeld als Nachfolger ziehen einen nachhaltigen Umbau der IT-Sparten des Siemens-Konzerns nach sich. So sollen die Bereiche IC Mobile und IC Networks zu einer Business Unit verschmolzen werden. Nun wird über weitere Entlassungen spekuliert - und einmal mehr über die Zukunft des IT-Dienstleisters Siemens Business Services (SBS).

Die Personalie, die vergangene Woche die Wirtschaftsgazetten beherrschte, war streng genommen keine große Überraschung mehr. Siemens-Chef Heinrich von Pierer verlängert seinen bis zum 30. September 2004 datierten Vertrag - allerdings nur bis zum 27. Januar 2005, dem Tag der nächsten ordentlichen Hauptversammlung. Dann wechselt er in den Aufsichtsrat und übernimmt noch am gleichen Tag dessen Vorsitz. Sein Nachfolger an der Konzernspitze wird der bisherige IC-Zentralvorstand Klaus Kleinfeld, der bereits ab 1. August das Amt des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bekleiden soll.

Von Pierer hatte schon mehrmals öffentlich mit seinem Rückzug als CEO kokettiert, andererseits aber stets auch eine Verlängerung seines Vertrages bis 2006 als Option betrachtet. Als mögliche Kandidaten für seine Nachfolge wurden unter Insidern neben dem 46-jährigen Kleinfeld, der sich seine Meriten vor allem bei der Sanierung des jahrelang defizitären US-Geschäfts von Siemens erworben hat, auch der für die Konzernstrategie verantwortliche Zentralvorstand Johannes Feldmayer sowie IC-Mobile-Bereichsvorstand Rudi Lamprecht gehandelt. Angeblich war Kleinfeld jedoch der erklärte Favorit von Konzernchef von Pierer. Infolge der Berufung Kleinfelds zum neuen CEO rücken die bisherigen Bereichsvorstände Lamprecht und Thomas Ganswindt (IC Networks) in den Zentralvorstand auf. Lamprecht soll ab dem 1. Oktober die Verantwortung für das gesamte Siemens-Geschäft in den Regionen Afrika, Naher und Mittlerer Osten sowie den GUS-Staaten übernehmen. Darüber hinaus ist er im obersten Führungsgremium des Konzerns dann für die Konzerntöchter Osram, Bosch Siemens Hausgeräte und Fuijtsu-Siemens zuständig. Ganswindt wird Nachfolger Kleinfelds als Zentralvorstand IC.

Bedeutsamer als die Rochaden auf der Führungsebene dürften aber die organisatorischen Veränderungen sein, die der Münchner Elektronikriese für Oktober angekündigt hat. So sollen die bis dato getrennt operierenden Bereiche IC Mobile (ICM) und IC Networks (ICN) unter Führung des bisherigen ICM-Bereichsvorstandsmitglieds Lothar Pauly zu einer Business Unit verschmolzen werden. Dadurch entsteht die mit Abstand größte Konzernsparte mit rund 50000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zirka 17 Milliarden Euro. Nähere Einzelheiten dieses Umbaus sollen frühestens nach der nächsten Aufsichtsratssitzung am 28. Juli beziehungsweise am 29. Juli im Zuge der Veröffentlichung der Bilanz des dritten Quartals bekannt gegeben werden. Laut Konzernsprecher Peter Gottal ist es aber auch denkbar, dass sich die Konkretisierung der Pläne "bis September hinzieht". Zu weitergehenden Spekulationen könne man derzeit nicht Stellung nehmen.

Glaubt man firmennahen Quellen, wollen die Münchner mit der Reorganisation ihrer IT-Sparten vor allem dem Konvergenztrend im Markt, also der zunehmenden Verschmelzung von Sprach- und Datenkommunikation sowie von festnetzbasierender und mobiler Vernetzung Rechnung tragen. Gleichzeitig soll das Firmenkundengeschäft mit dem Angebot von Komplettlösungen gestärkt werden. Analysten hatten diese Neuausrichtung schon seit längerem mit Hinweis auf die vergleichbare Positionierung vieler Siemens-Wettbewerber und -Kunden gefordert. Außerdem verspricht man sich an den Finanzmärkten durch das Ausnutzen von Synergieeffekten Kosteneinsparungen im dreistelligen Millionenbereich.

Größte Umstrukturierung seit der Abspaltung von Infineon

Allerdings dürfte die geplante Umstrukturierung kein leichtes Unterfangen sein. So ist der Umbau einer der größten in der jüngeren Siemens-Geschichte seit der Abspaltung der beiden Unternehmenstöchter Infineon und Epcos. Erst 1998 hatte Siemens das so genannte Arbeitsgebiet I+C gegründet, in dem seinerzeit die Sparten Öffentliche Vermittlungstechnik, Private Kommunikationssysteme und die Reste der Siemens-Nixdorf AG gebündelt wurden. Seither arbeiteten die unterschiedlichen Bereiche ICN, ICM und vor allem SBS weitgehend selbständig mit zum Teil eigenständigen Kulturen. Jetzt müssen, wie in Siemens-Kreisen befürchtet wird, sich überschneidende Funktionen im Vertrieb, im Marketing und in der Administration gekappt werden. Selbst auf der mittleren Management-Ebene sei man von diesen Plänen völlig überrascht worden, heißt es weiter. Man befürchte, dass Kleinfeld, dem der Ruf eines beinharten Sanierers vorauseilt, auf weitere Entlassungen großen Stils drängen wird. Bereits in den vergangenen Jahren waren bei ICN und ICM aufgrund zum Teil dramatisch einbrechender Umsätze rund 30000 Arbeitsplätze abgebaut worden.

Offen ist nach wie vor auch die Zukunft der IT-Dienstleistungstochter SBS. Glaubt man jüngsten Spekulationen, hat Kleinfeld, der erst seit November vergangenen Jahres als Zentralvorstand IC das gesamte IT-Geschäft des Konzerns verantwortet, maßgeblich am Entstehen der jetzt bekannt gewordenen Pläne mitgewirkt - und eine Eingliederung von SBS in die ab Oktober gebündelte Netztechniksparte verworfen. Der vor kurzem neu berufene SBS-Chef Adrian von Hammerstein sei momentan dabei, eine adäquate Strategie mit mehreren Optionen auszuarbeiten. (gh)