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05.11.1999 - 

Die Vertriebsstrategie ist nur für Europa klar

Siemens positioniert BS2000 als Produktlinie mit Zukunft

MÜNCHEN (kk) - Derzeit bemühen sich die Verantwortlichen für das Mainframe-Geschäft von Fujitsu-Siemens ihren BS2000-Kunden Kontinuität bei der Produktentwicklung zuzusichern. Obwohl diese Großrechner im außereuropäischen Ausland kaum eine Rolle spielen, will die Company daran festhalten.

Das Joint-venture Fujitsu-Siemens Computers GmbH kündigte zwar kürzlich eine langfristige Strategie für das Mainframe-Geschäft an, die Mitteilung enthielt aber so wenig greifbare Fakten, daß die COMPUTERWOCHE bei Peter Schlichtiger, Leiter Geschäftszweig BS2000, nach Details fragte.

"Wir wachsen stärker als der Markt und konnten 1998 in Deutschland mit 41 Prozent Marktanteil IBM als Spitzenreiter im Mainframe-Geschäft ablösen." Mit dieser Aussage tritt Schlichtiger Spekulationen über eine Verschmelzung der Großrechnerlinien von Fujitsu-Siemens und der Fujitsu-Tochter Amdahl entgegen. Zwar würden beide Modellreihen mit CMOS-Prozessoren von Fujitsu beliefert - und Synergien seien dabei nicht ausgeschlossen - aber man betrachte sich gegenseitig als Wettbewerber, wobei Amdahl als PCMer (Plug Compatible Manufacturer) eher mit IBM konkurriere.

Die Frage allerdings, ob sich Fujitsu tatsächlich auf lange Sicht den Luxus der Pflege zweier Großrechnerlinien mit unterschiedlichen Betriebssystemen leisten mag, beantwortet der Manager mit dem Erfolg von BS2000: "Fujitsu-Siemens ist ein europäisches Joint-venture. Wir sind in diesem Markt unangefochten die Nummer zwei hinter IBM und konnten unseren Marktanteil in Europa von 1997 auf 1998 sogar um fünf Prozentpunkte erhöhen." So habe man allein zwischen 1997 und 1999 die ausgelieferte MIPS-Leistung verdoppelt und plane Entsprechendes auch für die Zukunft.

Die Kunden interessiere die Gesamtleistung eines Systems, also Hardware, Betriebssystem und Systemsoftware, und da habe BS2000 eindeutig Vorteile gegenüber anderen Großrechnerarchitekturen. Kein Geheimnis sei auch, daß in diesem Geschäft Geld verdient werde. "Von daher ist es klar, daß dieser Markt weiter versorgt wird. Da gibt es keine Diskussionen, auch nicht mit Fujitsu."

Nach Angaben von Schlichtiger ist die grundlegende Strategie für die BS2000-Mainframes seit sechs Jahren unverändert und stützt sich auf die drei Pfeiler Kontinuität, Innovationen und Wirtschaftlichkeit.

Zusammen mit den Anwendern wird eine revolvierende Drei-Jahres-Vorausschau ("Scope") entworfen, die kurz- und mittelfristig erreichbare Funktonserweiterungen definiert. Auch daran hält das Management fest. Die neue Scope-Liste wird gerade gedruckt, denn "Teil unseres Erfolgsgeheimnisses ist, daß wir unsere Zusagen immer eingehalten haben."

E-Commerce erfordert erweiterte Funktionalität

Offenbar reicht das nicht für alle Kunden aus, wie das Beispiel der Deutschen Postbank AG in Bonn zeigt, bislang größter BS2000-Kunde (siehe CW/21, Seite 1). Richard Moormann, Geschäftsführer der Postbank Data, will die zwölf BS2000-Maschinen bis 2003 durch IBM-Hosts ablösen. Die Gründe für den Umstieg: die größere Auswahl an unabhängigen Softwarehäusern, die für MVS entwickeln. Zudem beurteilte Moormann die strategische Entwicklung beim bisherigen Lieferanten skeptisch und war offenbar auch mit der Bankensoftware "Kordoba" nicht zufrieden, so daß nun möglicherweise eine Lösung auf Basis von SAP-Software zum Zuge kommt.

Diese Vorbehalte läßt Schlichtiger nicht gelten, da Siemens im Bankenumfeld mit dieser Applikationssoftware sehr erfolgreich operiere und sogar Wachstum erziele. Bei der Anzahl der Drittanbieter von Software gebe es - gestützt durch ein bereits angelaufenes Partnerprogramm - namhafte Zugänge, beispielsweise die Software AG.

Was den BS2000-Anwendern derzeit unter den Nägeln brennt, sind die Anforderungen, die sich aus dem Internet-Geschäft ergeben. Zunächst muß die Plattform hochverfügbar sein, denn "ein nicht verfügbarer Server bedeutet im E-Commerce den Verlust eines Kunden", weiß Schlichtiger.

Zudem müssen die Kunden die bestehenden Applikationen mit den Inhalten im Web zusammenführen und koordinieren können. "Das sind langjährig entwickelte Verfahren und durchgängige Prozesse", die eingebunden werden müssen, "von der Materialbestellung bis zur Rechnungslegung". Dabei sieht der Manager enorme zusätzliche Leistungsanforderungen auf die Kundschaft zukommen. "Die Transaktionsraten werden nicht mehr um zehn oder zwanzig Prozent steigen, sondern um Faktoren", erwartet er.

Deshalb wird Fujitsu-Siemens im kommenden Monat leistungsstärkere Mainframe-Hardware ankündigen. Details wollte Schlichtiger nicht verraten. Die Roadmap sieht aber für die S-Serie eine Verdoppelung der Prozessorleistung bis 2001 vor. Die Anzahl der unterstützten Prozessoren hat sich mit der Einführung der Version 4.0 des Betriebssystems BS2000/OSD bereits vervielfacht. Derzeit werden bis zu 15 CPUs mit 1 TB Hauptspeicher bedient. An der zukünftigen Variante V 5.0 des Betriebssystems arbeiten die Ingenieure gerade. Sie wird neben der üblichen Leistungssteigerung vor allem Verbesserungen hinsichtlich Verfügbarkeit und Katastrophenschutz bieten. Zu rechnen ist damit im Jahr 2001.

Neben den klassischen Mainframes mit CMOS-Prozessorkomplex bietet Fujitsu-Siemens auch die Business-Server der "SR2000"-Linie an, die zwar mit dem BS2000/OSD-Betriebssystem arbeiten, aber Standard-Risc-Prozessoren verwenden. SNI hatte sich seinerzeit für die Mips-Chips entschieden, aber schon lange angekündigt, auf Intels "IA-64"-Architektur umzusteigen. Das Joint-venture wird an der Strategie nichts ändern.

Derzeit bewege sich der Leistungsbereich der Risc-Mainframes zwischen 5 und 50 RPF (=Relativer Performance Faktor, wobei ein RPF etwa 1,3 bis 1,5 MIPS entspricht). Die für das kommende Jahr geplante nächste Generation der SR-Server wird mit einer Leistung von bis zu 100 RPF aufwarten.

Der Umstieg auf die Intel-Chips bereitet Schlichtiger kein Kopfzerbrechen: Für eine neue CPU müsse nur der zwischen Prozessor und Betriebssystem eingeschobene Hardware Abstraction Layer (HAL) adaptiert werden. "Wenn das einmal gemacht wurde, ist das keine große Angelegenheit", gibt sich der BS2000-Verantwortliche gelassen. Selbst wenn Intel wider Erwarten mit IA-64 nicht rechtzeitig die be- nötigte Leistung liefern könne und zudem Mips als Lieferant ebenfalls ausfalle, könne jederzeit auf irgendeinen Chip umgestellt werden. Für die Kunden sei die Anwendung wichtig, nicht die CPU.

Ziel für die SR-Maschinen ist laut Schlichtiger jedoch der "Universal Server", also eine Hardware-Plattform, die in der Lage ist, verschiedene Betriebssysteme zu tragen. Ein mit Standard-CPUs arbeitender Rechner könnte für die Betriebssysteme und Applikationen unter NT, Unix und BS2000 verwendet werden. "Wir haben eine solche Lösung sehr stark ins Auge gefaßt", berichtet Schlichtiger, denn solche Maschinen seien ideal für die Server-Konsolidierung.

Bis dahin bietet der Hersteller auch für vorhandene SR-2000-Kunden Verbesserungen, etwa das Virtuelle Maschinensystem (VM), das jetzt auch für die Mips-Mainframes verfügbar ist. Zudem hat Fujitsu-Siemens für BS2000/ OSD als erster Mainframe-Hersteller das Internet Server Branding erhalten. Außerdem ist der "Apache"-Webserver ablauffähig. Auch "Java" ist für die Rechnerboliden kein Fremdwort mehr: Die Java-VM oder der Turbo-Java-Compiler sind für das Betriebssystem erhältlich. Darüber hinaus hat die Company unter dem Namen "Open Seas" ein Konzept entwickelt, mit dem Mainframes tauglich für Anforderungen an die moderne IT gemacht werden sollen.

Diffuse Strategie außerhalb Europas

Alle diese Initiativen und Produktneuheiten bedeuten für Schlichtiger nur eines: Das Mainframe-Geschäft wächst. Allerdings sei der heutige Großrechner mit dem vor fünf Jahren nicht mehr vergleichbar. "Wir implementieren andere Technologien, der Server ist offener geworden." Proprietär bleibt allerdings das Betriebssystem. "Aber was sieht der Anwender davon, außer bei der Bedienung? Und die hat dank langer Weiterentwicklung große Vorteile", glaubt der Münchner Manager.

So klar die Zielsetzung für das Mainframe-Geschäft in Europa (inklusive Nahost, Nord- und Südafrika) abgesteckt ist, so diffus ist die Abgrenzung der Vertriebsaktivitäten in Asien und den USA. Das Joint-venture Fujitsu-Siemens bezieht sich nur auf die europäischen Organisationen beider Firmen. Die neue Gesellschaft wird die etwa 3000 Kunden in Europa - rund 2000 davon in Deutschland - bedienen. Wenn die Klientel Dependencen etwa in den USA eröffnet, dann wird der Kunde auch dort betreut.

Erfolg trotz Regionalität?

Robert Hoog, President Product and Supply Operations des Joint-ventures, erklärte die Strategie für das außereuropäische Ausland dahingehend, daß die Aktivitäten, die Siemens Computer bislang in Asien und Amerika verfolgte, in die jeweiligen Fujitsu-Organisationen integriert werden sollen. So ist zu erklären, daß beispielsweise die Fujitsu-Tochter Amdahl die US-Vertriebsmannschaft von Siemens Computer Systems übernimmt. Ähnliches gilt für den ebenfalls vor Jahren von Fujitsu übernommenen, ehemals britischen Rechnerhersteller ICL, der für das Joint-venture als Service-Partner fungieren wird.

Die Lage außerhalb Europas scheint noch nicht sondiert zu sein. Spätestens zum 1. April 2000, wenn die neue Gesellschaft etabliert wird, muß Klarheit herrschen. Die IT-Welt verfolgt sicher mit Interesse, mit welchem Erfolg Fujitsu-Siemens eine BS2000-Strategie verfolgt, die regional begrenzt und nicht weltweit ausgerichtet ist.